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Was ist von der Superstimmung der Fußball-WM geblieben? / Kleine Umfrage

Deutschland - schon immer fröhlich und weltoffen: Erst jetzt weiß es jeder

Bückeburg. Was war das für eine Dauerparty. Zwischen dem 9. Juni und dem 9. Juli schwelgte Fußball-Deutschland im schwarz-rot-gelben Freudentaumel, jubelte sich von einer Euphoriewelle zur nächsten, entdeckte nach Jahren der Depression und des Pessimismus auf einmal die gute Laune, das Selbstvertrauen und die Zuversicht wieder. Die Welt war zu Gast bei Freunden, und tatsächlich präsentierte sich das vor 16 Jahren wiedervereinigte Deutschland bei seiner zweiten ausgerichteten Fußballweltmeisterschaft in den Augen aller besser, als man jemals hätte erwarten können.

veröffentlicht am 17.08.2006 um 00:00 Uhr

So jubelte Bückeburg am 30. Juni über den Sieg gegen Argentinien

Autor:

Johannes Pietsch

Von einem neuen, unverkrampften Patriotismus war angesichts der Fahnenmeere, der La-Ola-Wellen und der zu perfekten Massenevents etablierten "Public-Viewing"-Veranstaltungen zu hören und zu lesen. Und auch in Bückeburg brachen insbesondere an den Tagen, an denen Klinsmanns furios aufspielende Buben das runde Leder kickten, die kollektive Begeisterung alle Dämme. Und was ist von all dieser Euphorie geblieben? Nach der Meinung vieler Bückeburger vor allem eine wunderschöne Erinnerung. "Es war eine tolle Zeit, die mir unheimlich viel Spaß gemacht hat", meint zum Beispiel Frank Suchland . "Allein die Spiele waren so spannend wie noch nie." Und ist Deutschland durch die WM tatsächlich weltoffener, toleranter und gastfreundlicher geworden? Suchland ist sich interessanterweise ganz sicher: "Nein. Deutschland ist vielmehr schon seit Jahren außerordentlich gastfreundlich." Diese Tatsache sei nur häufig genug verkannt worden, gerade im eigenen Land. Erst das Fußball-Großereignis habe diese Eigenschaften Deutschlands nachhaltig offen gelegt. Auch Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach ist sicher: "Deutschland hat sich bei der Fußball-WM so gezeigt, wie es wirklich ist: Weltoffen, fröhlich und begeisterungsfähig." Und dies werde sicherlich nach der WM so bleiben. Ratsfrau Brigitte Bödeker beobachtet auch einen veränderten Umgang der Deutschen untereinander: "Wildfremde Menschen sprechen auf einmal miteinander, fachsimpeln über Fußball oder helfen sich gegenseitig." Dies habe es im Kleinen in Bückeburg auch schon vor der WM gegeben, beispielsweise während der Landpartie. Auch die FDP-Politikerin sieht gute Chancen für einen Bestand dieser positiven Veränderungen: "Die Fußball-WM hat im Denken und Fühlen der Menschen ein Ventil geöffnet, und das lässt sich so schnell nicht wieder schließen." Landrat Heinz Gerhard Schöttelndreier freut sich über ein enorm zum Positiven verändertes Bild Deutschlands im Ausland. Auch dass sämtliche Befürchtungen hinsichtlich Krawalle, nationalistischer Auswüchse oder gar terroristischer Anschläge nicht eingetroffen seien, werde sich lange und nachhaltig positiv in den Beziehungen zum Ausland auswirken. Ordentlich gejubelt wurde während der Fußball-WM auch im Bückeburger Residenz-Kino. Hier waren während der gesamten vier Wochen fast alle Spiele bei freiem Eintritt auf der großen Kinoleinwand zu sehen. "Eine irre Zeit, die wahnsinnig schöne Erinnerungen hinterlassen hat", findet Kino-Chefin Monika Rubba , die dabei stets mit schwarz-rot-goldener "Kriegsbemalung" an der Kasse zu finden war. "Wenn mir das einer vorher prophezeit hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt." Inzwischen ist sie jedoch auch froh, dass der vierwöchige Ausnahmezustand wieder einem gemächlichen Arbeitsalltag gewichen ist. Und das aus gutem Grund: In die Filmvorstellungen verirrte sich nämlich während der WM kaum ein Besucher.

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