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Blindow-Schüler beim Kulturfestival in Shenzhen / In Familien zu Gast

Deutschland - Paradies für Senioren? Ungewöhnliche Vorstellungen in China

Shenzhen (thm). Seit einigen Tagen sind zehn Blindow-Schüler aus Bückeburg zu Gast beim Kultur- und Jugendfestival in der chinesischen Millionenmetropole Shenzhen. Nils Gründemann (22) ist einer von ihnen. Per E-Mail schildert er den Daheimgebliebenen seine ersten Eindrücke.

veröffentlicht am 11.07.2006 um 00:00 Uhr

Die Blindow-Schüler sind beim Festival in Shenzhen die einzige G

"Wie sind die Lebensbedingungen? Wie klappt die Verständigung? Was gibt's zu essen?" Diese drei "W"-Fragen haben Nils vorm Abflug Kopfzerbrechen bereitet. Einer aus dem Abendland ist zwei Wochen lang Gast einer Familie, die noch weit jenseits des Morgenlandes zuhause ist. "Meine Vorstellung war, selbst besser gestellte chinesische Familien leben völlig anders als wir", erklärt der Besucher seine Erwartungen. Inzwischen hat er einen einige Tage langen "Praxistest" hinter sich. "Zwei Automatikautos, ein großer Flachbildfernseher, Spiegelschränke und Glasvitrinen, ein durch Glastüren separiertes Duschabteil im Bad, edles Parkett und überall Klimaanlagen", staunt der Bückeburger. Er ist Gast einer chinesischen Upperclass-Familie - klar, das weiß er. Und trotzdem. Er ist froh, dass sich sein Vorurteil so angenehm in westlich-luxuriöse Luft auflöst. "Die wohlhabenderen Chinesen wohnen zumeist in großen, wie Reihenhäuser anmutenden Wohnanlagen - mit Swimmingpool, Sicherheitspersonal und per Schlüsselcodekarten gesichertem Haupteingang", schildert Gründemann: "Eine Sorge weniger." Auch seine Befürchtung mit Blick auf etwaige Verständigungsprobleme haben sich ratzfatz in Luft aufgelöst. "Familienvater Jian Li hat sofort in ziemlich gutem Englisch auf mich eingeredet." Sein leichter Akzent? Geschenkt - auch Deutsche sprächen ja selten akzentfrei Englisch. Während Herr Li ihn sofort mitFragen gelöchert habe, sei dessen Sohn Jianwei weniger stürmisch, fast ein bisschen schüchtern, aber: "Sein Englisch ist beinahe akzentfrei und, gemessen an den durchschnittlichen Englischkünsten der Deutschen, sogar um Welten besser - und das mit 13 Jahren!" Nebenher spiele der Junior noch Violine und Basketball, möge aber auch Fußball sehr gerne. Vater Jian Li war im vergangenen Jahr in Europa, besuchte dabei auch Frankfurt und Stuttgart. Selbst in diesen Großstädten hätte er zu bestimmten Zeiten nirgends eine andere Menschenseele zu Gesicht bekommen - unvorstellbar für in Städten aufgewachsene Chinesen. Lis 13-jähriger Sohn habe aus diesen Schilderungen sein ganz eigenes Fazit gezogen. "Jianwei ist der Ansicht, Deutschland sei das perfekte Land für alte Leute, da es sehr grün ist und Wald das Landschaftsbild mehr oder weniger bestimmt", gibt Nils die Worte des Knirpses wieder, der davon überzeugt sei:"Junge Menschen sollten innerhalb der Städte leben." Warum? "Weil dort mehr los ist." Nils Gründemann hofft, sein junger Gastgeber werde früher oder später mehr von der Welt sehen. "Vielleicht kommt er eines Tages ja mal nach Deutschland." Der Junge überlege sogar, als zweite Fremdsprache Deutsch zu wählen. Was Blindow-Schüler Nils Gründemann zum Anlass für folgende Überlegung nimmt: "Ich denke, ich werde ihm schon mal ein paar Dinge über die deutsche Sprache erzählen und das ein oder andere Wort mit ihm durchgehen. Vielleicht kann ich ihm die Sprache ja schmackhaft machen ..."

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