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SZ-Podiumsdiskussion: Die drei Bürgermeister-Kandidaten stellen sich den Fragen der Auetaler Bürger

Deutlich mehr als nur die Wohnsitzfrage diskutiert

Auetal (rnk). Siegbert Held, Bürgermeister-Kandidat der WGA, bezog schon im ersten Satz klar Position: Er sei 50 Jahre alt - und lebe seit dieser Zeit im Auetal, erklärte er auf der Podiumsdiskussion unserer Zeitung mit Blick auf den in Rinteln wohnenden SPD-Kandidaten Thomas Priemer. Der blieb die Antwort nicht schuldig: "Ich wohne zwei Kilometer außerhalb der Gemeindegrenze." Wie sich im Laufe der zweistündigen Diskussion, in der die Fragen der Zuhörer ein wesentlicher Bestandteil waren, herausstellt, war die Wohnsitzangabe nicht das Einzige, was die Kandidaten inhaltlich trennte.

veröffentlicht am 06.09.2006 um 00:00 Uhr

Thomas Priemer

Stichwort: Umzug der Verwaltung in die Alte Molkerei. CDU-Kandidat Hartmut Kuhlmann plädierte dafür, erst dann umzuziehen, wenn das Rathaus verkauft sei. Die Räume in der Molkerei, die für die Verwaltung vorgesehen seien, sollten vermietet werden und so die Einnahmeseite der Gemeinde gestärkt werden. Sah Priemer völlig anders: Die Büroräume seien in einem desolaten Zustand, erst müsse für rund 150 000 Euro saniert werden, um sie vermieten zu können - dann werden umgezogen. Das Geld für die Sanierung stünde ja auch im Haushaltsplan, verwies Priemer auf die einschlägigen Beschlüsse der Ausschüsse und des Rates. Sicher, meinte Held, aber seitdem hätten sich die Rahmenbedingungen völlig geändert: Das Sozialamt sei aus dem Rathaus Rehren ausgezogen, damit fehle die Notwendigkeit für den Umzug - es seien genug Räume für die Mitarbeiter da. Dass man keine andere Wahl habe, als die Räume in der Molkerei zu sanieren, betonte auch Held: "150 000 Euro investieren und künftig Miete kassieren." Als Priemer später dann zugab, dass in dieser Summe auch der Umzug selbst inklusive des notwendigen Inventars enthalten sei, freute sich Held: "Dann wird die Sanierung ja billiger." Stichwort: Wahlkampf. Dass er einen "zurückhaltenden Wahlkampf" führe, wie Moderator und SZ-Chefredakteur Frank Werner ihm vorhielt, wies Kuhlmann von sich: "Mein Ehrgeiz ist groß, sonst wäre ich nicht angetreten." Die CDU habe aber wenig plakatiert, weil sie den Wahlkampf zwischen den Wahlperioden führe: Vorträge, Gespräche, Diskussionsveranstaltungen. "Wir sehen es nicht als notwendig an, in den letzten 14 Tagen noch richtig Dampf zu machen." Und: Die CDU verstehe sich als Team - und arbeite auch so. Stichwort Finanzen: Während alle drei Kandidaten bei der Frage, wo das Auetal in acht Jahren, also am Ende der nächsten Bürgermeisterperiode, stehen würde, nahezu gleich antworteten - familienfreundliches Auetal, Arbeitsplätze und Gewerbegebiet stärken, Infrastruktur für neue Familien schaffen -, wies Held auf die Finanzen hin: 600 000 Euro würden pro Jahr bei den laufenden Kosten fehlen, werde dieser Trend nicht gestoppt, habe das Auetal in sechs Jahren seine Rücklagen aufgebraucht: "Die Schulden müssen runter, damit wir 2014 noch selbstständig sind." Held forderte im "neue Ideen" für das Rathaus: "Man muss auch Rat von außen zulassen." Sonst drohe "Betriebblindheit". Konterte Brillenträger Priemer: Er habe zwar 5,75 Dioptrien, aber betriebsblind sei er bestimmt nicht. Stichwort: Jugendpfleger. Während Kuhlmann die von der CDU geforderte Anstellung eines Jugendpflegers als "Koordinator" zwischen den Vereinen verteidigte, gaben sich Priemer und Held skeptisch: Ob diese Verzahnung auf der Basis einer 400-Euro-Stelle und damit auf recht wenigen Wochen- und Monatsstunden erfolgreich sei? Das wäre zwar wünschenswert, aber wohl angesichts der 16 Ortsteile nicht sehr realistisch. Stichwort: Kosten durch die Wahl des Bürgermeisters. Während Priemer vorrechnete, dass durch seine Wahl im Jahr 70 000 Euro eingespart würden, weil sein Amt danach nicht neu besetzt werde, sprach Held von einer glatten "Milchmädchenrechnung": Das Amt müsse besetzt werden. Kuhlmann wies auf einen weiteren Aspekt hin: Bei einer Nichtbesetzung des Stellvertreterpostens komme auf alle Mitarbeiter im Rathaus mehr Arbeit zu, diese "organisatorische Umverteilung" führe dazu, dass die Mitarbeiter besser bezahlt werden müssten, weil sie mehr arbeiten würden. Sonst drohe Frustration. Held legte nach: Wenn das Amt nicht besetzt werde, hieße dies im Umkehrschluss, dass bisher wohl eine Stelle überflüssig gewesen sei. Held machte(kurz) eine ganz andere Rechnung auf: Einen Stellvertreter werde es geben - der wolle auch mehr Geld und von unten werde aufgerückt, weil der Neue dann ja auch ersetzt werden müsse. Held verwies kurz auf einen anderen Aspekt: Die Gemeinde Auetal habe mit dem Landkreis einen Vertrag abgeschlossen,damit ab 1. Januar 2007 die Personalsachbearbeitung für die Gemeinde vom Kreis übernommen werde. Das spare im Rathaus 27 Wochenstunden ein, die dafür an den Landkreis 15 000 Euro pro Jahr zahlen werde. Diese 27 Wochenstunden würden nicht abgebaut, sondern seien "Verfügungsmasse": Für Held sind das "27 Stunden mehr Arbeitskraft durch die Hintertür". Stichwort Messingsberg. Priemer sprach sich dafür aus, den "Messingberg" so zu lassen, wie er ist. Held war seiner Meinung: "Hände weg und alles der Natur überlassen." Kuhlmann forderte einen Kompromiss: "Wir müssen eine Lösung finden, um den Berg zu stabilisieren." Stichwort: Schlagfertigkeit. Die Kandidaten mussten am Schluss Sätze vollenden. Priemers Vorgabe: "Im Gegensatz zu Ursula Sapia...?" Seine Antwort: "Werde ich nicht Bürgermeisterin, sondern Bürgermeister." Kuhlmanns Vorgabe: "Wer sagt, dass Torben Sven Schmidt der bessere Kandidat gewesen wäre...?" Seine Antwort: "Der erzählt Blödsinn." Abschließend mussten die Kandidaten für ihre Konkurrenten ein berufliches Anforderungsprofil erstellen. Rhetorischer Sieger nach Punkten: Held. Der Rolfshäger hatte Konkurrent Priemer so beschrieben: "Ein guter zweiter Mann - und wenn es nach mir geht, dann bleibt er das auch."

Siegbert Held
  • Siegbert Held
Hartmut Kuhlmann
  • Hartmut Kuhlmann

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