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Viele Häuser haben keine lagerfähigen Keller

Des Apfels schwere Zeiten

Die Medaille des zurückliegenden trockenen, heißen Sommers, über den sich viele Menschen freuen, hat eine Kehrseite: Die Obsternte setzt viel früher ein, und das ist nicht unbedingt ein Vorteil für die Qualität. In diesem Jahr ist sie gegenüber den Vorjahren sicher um drei Wochen nach vorne gerückt.

veröffentlicht am 14.09.2018 um 00:00 Uhr

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Autor:

Jens F. Meyer
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Es gilt also nicht die alte Gärtnerweisheit, den ’Boskop‘ nicht vor dem 11. Oktober zu ernten, weil er dann an Lagerfähigkeit einbüßen würde. Ohne Zweifel ist auch der ’Boskop’ in großen Teilen bereits pflückreif. Verrückt!

Die Pflückreife von Äpfeln und Birnen festzustellen, ist im Nu geschehen. Wenn eine halbe Drehung der Frucht ausreicht, um sie vom Ast zu nehmen, ist sie bereit für die Ernte. Manchmal kann schon nur ein Tag länger am Baum über Wohl und Wehe der Qualität entscheiden. Gerade Birnen wollen nicht zu lange in den Kronen wohnen. Tun sie es, werden sie schnell teigig und faulen, werden von innen braun. Eine Eigenart, die sortenübergreifend beobachtet wird. Was allen Erntenden wieder über Pflück- und Genussreife Gedanken machen sollte, denn darin besteht sehr wohl ein Unterschied.

Birnen sollten grundsätzlich eher hartreif geerntet werden, um dann im Lager noch an Geschmack und Aroma zu gewinnen. Ihre Lagerfähigkeit ist ohnehin geringer als bei Äpfeln. Nur wo sie perfekt dunkel, leicht feucht und kühl liegen, können manche Sorten bis zu zwei Monate halten, selten auch darüber hinaus. Äpfel sind unter guten Bedingungen länger frisch. Haben sie eine leicht fettige Schale, kann dies auf eine lange Haltbarkeit hindeuten, aber auch Sorten mit rauer, oft geschorfter Außenhaut machen sich hier gut. Die ’Champagnerrenette“, eine französische Sorte, die im 19. Jahrhundert in der Gegend von Orléans entdeckt und kultiviert wurde, kann bis zum Sommer des nächsten Jahres genussreif bleiben, der bekannte und hochgelobte ’Berlepsch‘ immerhin bis Ende März.

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Mit einem Apfelschäler lassen sich die Früchte schnell schälen und in Scheiben schneiden. Daraus können dann Apfel- oder auch Birnenchips gedörrt werden. Foto: ey
  • Mit einem Apfelschäler lassen sich die Früchte schnell schälen und in Scheiben schneiden. Daraus können dann Apfel- oder auch Birnenchips gedörrt werden. Foto: ey

Es gibt nicht den einen Tag, an dem bestimmte Sorten vom Baum müssen; der Erntebeginn hängt stark von den jeweiligen klimatischen Bedingungen des einzelnen Jahres ab. Was aber durchaus grundsätzlich gilt, ist die Regel, dass frühreifende Sorten (zum Beispiel ’Klarapfel‘, ’Ontario‘ oder ’Gravensteiner‘) vor der Genussreife vom Baum geholt werden müssen, da sie sonst mehlig werden. Und andererseits sollten spätreifende Sorten (’Topaz‘, ’Winterrambur‘) nicht zu früh geerntet werden, sonst werden sie im Lager nach relativ kurzer Zeit schrumpelig.

Die Lagerung ist (k)ein Problem: Solange Äpfel dunkel, nicht zu trocken und kühl gelagert werden können, halten sie auch über Wochen und Monate. Ist dies aber nicht der Fall, können auch so lagerfähige Sorten wie ’Schöner von Boskoop‘ oder ’Boikenapfel‘ schon nach wenigen Wochen unschön werden. Und das ist oft der Fall, weil Häuser heutzutage keine kühlen Keller mehr haben, wenn sie überhaupt welche haben… Denn oft wird ohne Keller gebaut, gibt es nur noch einen Wirtschaftsraum. Oder die Keller sind aus Energiegründen gedämmt. Wohin dann mit den Äpfeln und Birnen?

Sie können zu Mus verarbeitet werden; dabei geht allerdings ein Gutteil der wichtigen Inhaltsstoffe und Vitamine verloren. Besser ist dann das Dörren. Mit einem Apfelschäler und einem Dörrapparat geht dies schnell und unproblematisch. Die daraus erzeugten Apfelchips sollten trocken in Dosen oder Tüten gelagert werden. Und dunkel. Wenigstens das können moderne Keller ja garantieren.



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