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Klimawandel "killt" auch Bauernregeln

Der Winter wird wahrscheinlich wieder zu mild

Landkreis. Alle Jahre wieder bewegt uns die Frage: Wie wird wohl der bevorstehende Winter? Und wohl die meisten von uns wünschen sich einen standesgemäßen und nicht so verregneten und stürmischen wie das letzte Mal. 2006/2007 erlebten wir in Deutschland nämlich den mildesten Winter seit 1901, im Schaumburger Land sogar den wärmsten seit wenigstens 150 Jahren.

veröffentlicht am 16.11.2007 um 00:00 Uhr

Autor:

Reinhard Zakrzewski

Dabei: Der letzte "vernünftige" Winter liegt erst zwei Jahre zurück. Gemessen am klimatologischen Mittel (1961-1990) war er in unserer Region aber nur um 0,7 Grad zu kalt. Um auf einen so genannten Eiswinter zu treffen, muss man schon zwölf Jahre zurückgehen. Damals 1995/96 war die westliche Ostsee weitgehend zugefroren, auf dem Mittellandkanal machte eine Eisdecke von über 50 Zentimetern Stärke den Schiffsverkehr für viele Wochen unmöglich, und die Eisbarrieren auf der Elbe hielten sogar schweren Fahrzeugen stand. Ähnlich kalt waren davor die drei Winter 1984/85 bis 1986/87. Schon diese kurze Zeitreihe zeigt: Knackige Winter werden immer seltener. Wegen der globalen Erwärmung ist mit einem solchen Ereignis in Mitteleuropa höchstens noch alle zehn bis 15 Jahre zu rechnen. Da sich das Wetter mittels der klassischen Vorhersage bestenfalls zehn Tage im Voraus einigermaßen zuverlässig berechnen lässt, müssen für Jahreszeitenprognosen längerfristige globale Klimamodelle oder auch die altbekannten Bauernregeln herhalten. Für letztere ist besonders die Vorwitterung im Oktober wichtig. Klassiker sind: "Warmer Oktober bringt führwahr, stets einen kalten Januar(und auch Februar)", oder: "Bringt der Oktober schon Schnee und Eis, ist's schwerlich im Januar kalt und weiß." Untersuchungen im vergangenen Jahrhundert zeigten, dass unter bestimmten Bedingungen von Temperatur- und Niederschlagsabweichungen diese Volksweisheiten in drei von vier Jahren tatsächlich zutrafen. Seit etwa 20 Jahren stimmen sie, vermutlich wegen der Klimaänderung, aber kaum noch. Diesmal sind die Witterungssignale aus dem Oktober ohnehin undeutlich, denn der Monat war in Mitteleuropa insgesamt zwar erheblich zu trocken, aber anstatt deutlich zu warm (Variante "kalter Winter") etwas zu kühl. Bleiben die numerischen Jahreszeitenprognosen der Wetterdienste. So rechnet der gewöhnlich recht treffsichere englische Wetterdienst mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent für Mitteleuropa erneut mit einem zu milden Winter, der allerdings deutlich kühler ausfallen soll als der vergangene. Im Einzelnen prophezeien die englischen Wetterfrösche: Dezember durchschnittlich kalt, Januar und Februar - besonders in Norddeutschland - etwas zu mild, Niederschläge über den gesamten Winter durch häufigen Hochdruckeinfluss im Normalbereich.



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