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Sonntagsausflug: Vom Kloster Wülfinghausen bergauf bis zur Sennhütte / Ein „Haus der Stille“ für gestresste Seelen

Der wilde Westen liegt im Norden des Osterwalds

Von Ingeborg Müller

veröffentlicht am 28.04.2010 um 16:20 Uhr

Steil fällt die Barenburg zum Pionierweg hin ab

Der Osterwald, der zusammen mit dem Nesselberg und dem Kleinen Deister einen zusammenhängenden Gebirgszug bildet, hat viele Gesichter. Während er im Süden ziemlich beständig ansteigt, ist der nördliche Teil geradezu dramatisch zerklüftet. Man könnte es mit einem Wortspiel ausdrücken und feststellen, dass im Norden des Osterwalds sein „Wilder Westen“ liegt. Ihn wollen wir bei diesem Maifeiertags-Ausflug erwandern.

Ruhe und Gelassenheit strahlt das Kloster Wülfinghausen aus, am nordöstlichen Rand des Osterwalds, südlich von Eldagsen gelegen. Es wurde 1236 als Augustinerinnenkloster gegründet und nach der Reformation als evangelisch lutherisches Damenstift weitergeführt. Durch den Dreißigjährigen Krieg und schwere Brände erlitten die Gebäude großen Schaden, sie wurden aber unter Einbeziehung der erhaltenen mittelalterlichen Teile wieder aufgebaut. Lange Zeit lebten Konventualinnen des evangelischen Damenstifts im Kloster Wülfinghausen, das zu den fünf Calenberger Frauenklöstern gehört. 1994 haben Schwestern der evangelischen Selbitzer Christusbruderschaft aus Oberfranken in dem Kloster ein „Haus der Stille“ für Einkehr suchende Gäste geschaffen, denen auf ökumenischer Basis Seminare, Gottesdienste und die Teilnahme am Kommunitätsleben als „Kloster auf Zeit“ angeboten werden. Die Klosterkammer Hannover hat dafür ein Gästehaus mit 20 Einzelzimmern eingerichtet.

Wülfinghausen ist der Ausgangspunkt für unsere Rundwanderung. Dorthin fährt die Buslinie 385 Springe–Eldagsen der RegioBus Hannover GmbH. Beide Endpunkte liegen an der S-Bahn-Linie Hannover / Paderborn. Mit dem Pkw erreichen wir den Ort ebenfalls über Eldagsen, wo wir von der

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Das Kloster Wülfinghausen ist Ausgangspunkt unserer Wanderung.
  • Das Kloster Wülfinghausen ist Ausgangspunkt unserer Wanderung.

aus Springe kommenden Landesstraße nach rechts in Richtung Mehle abbiegen. Neben dem beeindruckenden Eingangsportal des Klostergutes finden wir ebenso eine Abstellmöglichkeit für den Wagen wie auf dem Parkplatz neben der Kirche.

Die barocke Anlage von Kloster und Klostergut, dessen mächtige Bruchsteingebäude sich um einen 160 Meter langen und 60 Meter breiten Hof gruppieren, lohnt das Anschauen. Schöne alte Einzelbäume und ein Entenpfuhl mitten im Hof verleihen dem Ensemble einen besonderen Charme, zumal die Klosterkirche mit ihrem roten Dach und dem spitzen Dachreiter darauf ebenso das Gesamtbild vervollständigt wie die dahinter ansteigenden Höhen des Osterwalds. Vom Parkplatz aus gelangen wir über einige Stufen nach rechts auf einen Wanderweg. Links liegt hinter einer schönen Bruchsteinmauer der Park des Klosters; vor allem aber sind die wie Kopfweiden beschnittenen Erlen sehenswert, aus deren Austrieben früher äußerst haltbare Stiele für Garten- und Landwirtschaftsgeräte gefertigt wurden. Hinter den Gebäuden der Försterei Wülfinghausen biegen wir nach links ab und wandern in den Wald hinein, nachdem wir vom Waldrand aus den Blick ins weite Land genossen haben.

Den ersten nach rechts abzweigenden Weg lassen wir unberücksichtigt und folgen auch nicht der schräg nach links abknickenden Forststraße. Vielmehr gehen wir zunächst weiter geradeaus. Nach gut 100 Metern biegen wir allerdings nach rechts ab und sind jetzt auf der Pionierstraße, deren Name uns später erklärt wird. Sie umrundet im Norden und Westen die Barenburg mit ihren bis zu einer Höhe von 25 Meter über uns aufsteigenden Klippen aus Korallenoolith. Neben dem Steilabfall des Bergsporns im Osten bildeten diese Klippen einst eine ideale Voraussetzung für eine Wehranlage, für die nur noch im Süden zusätzliche Wälle errichtet werden mussten.

Bei unserer Umrundung kommen wir zu der vorgeschobenen Königskanzel, bei der die Klippen nicht mehr ganz so hoch sind. Auf der jenseitigen Wegseite finden wir einen hohen, verwitterten Gedenkstein. Auf ihm steht, dass unser Wanderweg im Jahr 1900 von einem hannoverschen Pionier-Bataillon erbaut wurde. Bemooste Steine umgeben den Stein, sodass man an einen Thingplatz erinnert wird. Hier lässt es sich gut vespern!

Rechts unter uns liegt die Drachenschlucht, und darüber erhebt sich der Holenberg. Nach einem kleinen Steinbruch auf der linken Seite wandern wir im Rechtsbogen bergab und stoßen auf eine Forststraße, der wir nach links folgen und nun wieder leicht ansteigen. Bei der nächsten Gabelung halten wir uns wieder links und umrunden das sogenannte Ritterkreuz. In Serpentinen geht es bergan, bis wir bei der nächsten Gabelung nach links nach Wülfinghausen, nach rechts zur Sennhütte gewiesen werden.

Es wäre schade, schon jetzt zurückzukehren, deshalb umwandern wir nach rechts den auf 391 Meter Höhe ansteigenden Hohen Stuhl. Bis zu seinem östlichen Ausläufer geht es etwas steiler bergan, anschließend dafür bergab und schließlich ebenerdig weiter. Dann stoßen wir auf eine Forststraße. Wer nicht einkehren will, wandert auf ihr nach rechts bergab. Zu dem beliebten Berggasthaus gehen wir dagegen nach links weiter. Dabei kommen wir an dem Dreieckigen Stein vorbei, der auf drei zusammenstoßende Grenzen hinweist. Die Inschrift AL steht für den Staatsforst des Amtes Lauenstein, CW für den Klosterforst Wülfinghausen und EM schließlich für den Elze-Mehler Genossenschaftsforst. Ursprünglich soll der Grenzstein allerdings an anderer Stelle gestanden haben.

Nachdem wir uns gestärkt haben, geht es zurück bis zu dem Abzweig und nun an der Westseite des Hohen Stuhls bequem bergab. Bei einer Gabelung verlassen wir die zur Holzmühle führende Forststraße und wandern nach rechts, um bei der nächsten Gelegenheit wieder nach rechts abzubiegen, diesmal in ein schluchtartiges Tal. Hier folgen wir nach einem knappen halben Kilometer einem Weg nach links, der nach Holtensen beschildert ist. Er schlägt zunächst einen verblüffenden Haken und führt uns schließlich durch die romantische Drachenschlucht mit dem tief eingeschnittenen Tal der Ohe und weiteren Quertälern.

In Bachnähe wandern wir anschließend auf einer Forststraße bis zum Waldrand. Dort halten wir uns rechts und gehen zurück zum Forsthaus und zum Kloster Wülfinghausen. Schön ist noch einmal der Blick, der bis zur Marienburg bei Nordstemmen reicht.

Welch ein schönes Plätzchen zum Verweilen: Unser Maifeiertagsausflug – erwandert von Autorin Ingeborg Müller – bietet einige wunderschöne Überraschungen für Wandersleut’. Unter anderem geht es zum Kloster Wülfinghausen, in dem es sogar Zimmer zu mieten gibt. Wie wäre es mit einer Auszeit im „Haus der Stimme“?

Fotos: i-r



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