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Naturschutzbund zählt 43 Schleiereulenjunge und 18 Turmfalkenjunge

Der warme Winter und viele Mäuse schaffen "Eulen- und Falken-Boom"

Rinteln (rd). Passend zur Kür des Turmfalken als "Vogel des Jahres" 2007 zeichnet sich in Rinteln ein regelrechter Boom der Turmfalken- und Schleiereulenbruten ab. Nick Büscher, Vorsitzender der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) in Rinteln macht dafür insbesondere den milden Winter und die nachfolgend unglaublich hohe Mäusepopulation verantwortlich: "Bei einer ersten Brutkontrolle von Mai bis Juli haben wir im Raum Rinteln acht Schleiereulenbrutpaare mit insgesamt 43 Jungtieren und vier Turmfalkenbrutpaare mit 18 Jungtieren gezählt".

veröffentlicht am 27.02.2009 um 11:34 Uhr

Dieses Bild von den jungen Turmfalken wurde bei der Familie Böge

Turmfalken ernähren sich vorwiegend von Feldmäusen und anderen Wühlmäusen. Durch die Spezialisierung entsteht eine Abhängigkeit vom Beutevorkommen. "Je mehr Mäuse, desto mehr Turmfalken", so Büscher. Die Bestände der Feldmäuse schwanken von Jahr zu Jahr beträchtlich; in manchen Gebieten gehen sie aufgrund der landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsmethoden stark zurück. Die Zusammensetzung ihrer Nahrung lässt sich von Experten gut untersuchen, da Turmfalken, wie alle anderen Greifvögel, unverdauliche Reste der Beute im Magen zu Gewöllen zusammenpressen und dann ausspeien. Im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr besetzen Turmfalken das Brutrevier, das häufig auch als Winterrevier gedient hat. Ein Paar bleibt zumeist ein Leben lang zusammen. Das Weibchen legt zwischen Mitte April und Mitte Mai vier bis sechs Eier und brütet 29 Tage lang. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, werden sie gut vier Wochen lang gefüttert. In den Städten nistet der Turmfalke gerne an Kirchtürmen, Masten und anderen hohen Gebäuden mit einer zugänglichen Öffnung oder Nische, die Platz zum Brüten bietet. Häufig nutzen Turmfalken auch alte Krähen- oder Elsternnester an Waldrändern, in Feldgehölzen oder auf einzeln stehenden Bäumen. Auch Nistkästen an hohen Gebäuden oder Brückenpfeilern werden gerne angenommen. "Oft brütet der Turmfalke in Rinteln in unseren für die Schleiereulen angebrachten Kästen, in der Eingangsnische. Aber das ist gar nicht so tragisch, wenn es genügend Brutplatzangebote gibt. Es soll sogar schon Doppelbesetzungen gegeben haben, wobei die Turmfalken und die Schleiereulen zugleich in einem Kasten gebrütet haben", erläuterte Büscher. Die Turmfalken bei uns in Mitteleuropa sindüberwiegend Standvögel. Sie bleiben ganzjährig in einem Gebiet, das recht groß sein kann. Manche Vögel ziehen allerdings am Ende des Sommers in den wärmeren Süden, zum Teil bis nach Nordafrika. Turmfalken aus Nord- und Osteuropa tauchen dagegen im Winter gelegentlich in Deutschland auf. "Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass dem Turmfalken genügend Brutplätze zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass Kirchtürme insbesondere für den Turmfalken geöffnet werden sollten, um ihnen eine passende Brutmöglichkeit zu bieten", betonte Nick. In Rinteln wurden bereits drei Kirchen turmfalkenfreundlich mit einem Turmfalkenkasten ausgerüstet. Der NABU Rinteln würde sich freuen, wenn sich weitere Pfarrämter melden würden, ihren Kirchturm für den Turmfalken zu öffnen.

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