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Seit einem halben Jahr selbstständig: Olaf Schrage eint die Liebe zur Literatur mit dem gesprochenen Wort

Der Vorleser findet seine Marktlücke

Obernkirchen (rnk). Der Kopf ist rund, befand der Dichter und Schriftsteller Francis Picabia einst, damit das Denken die Richtungändern kann. Der Obernkirchener Olaf Schrage würde sicherlich zustimmen, denn frei nach dieser Devise hat er Ende letzten Jahres den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt: Er ist jetzt Vorleser, jemand, der anspruchsvolle Lesungen und literarische Veranstaltungen anbietet, eben "Er-lesenes", wie er seinen neuen Anfang nennt.

veröffentlicht am 15.03.2007 um 00:00 Uhr

Er will die große Freude an der Literatur durch das gesprochene

Eigentlich hatte sich der 1966 in Stadthagen geborene Schrage seinen beruflichen Werdegang gänzlich anders vorgestellt. Nach dem Studium der Theologie führte ihn sein Berufsweg nach einem Jahr als pastoraler Mitarbeiter und sechs Jahren als Sozialbetreuer in das Amt des Gemeindepastors in der Kirchengemeinde Altenhagen-Hagenburg. Und Pastor, Geistlicher, Seelsorger, "das war ich mit Leib und Seele." Doch der Theologe überstand vor zwei Jahren die Sparrunde der Landeskirche nicht, denn als Beamter auf Widerruf war er einer der ersten, dessen Jahresvertrag aus Kostengründen nicht mehr verlängert wurde. "Eine Tür ging zu", formuliert Schrage sein damaliges Empfinden. Und eine neue Tür öffnete sich, nicht viel, aber doch einen Spalt breit. Denn Schrage stammt aus einem Elternhaus, wo die Liebe zum Lesen, zur gut erzählten Geschichte die Generationen einte. Gerne erzählt er von seiner Großmutter, die eine gute Erzählerin war. Eine Lindhorster Bäuerin mit Leib und Seele, die ihren Mann nach nur drei Ehejahren im Krieg in Russland verlor. Sie führte nicht nur einen großen Bauernhof, sie erzog auch drei Kinder und las eben gerne und viel vor: Diese Begeisterung für gute Bücher, für Geschichten und Gedichte hat Olaf Schrage sich nicht nur sein Leben lang bewahrt, sondern auch ausgebaut. Und sich dann nach der Entlassung aus dem Kirchendienst entschieden, diese Liebe zum nächsten beruflichen Standbein aufzubauen: Er wird Vorleser - im besten Wortsinne, denn wenn er mit seiner sonoren, ruhigen Stimme erzählt, kann man sich gut vorstellen, wie er auf einer Familienfeier stilvoll und geistreich vorträgt oder eine Betriebsfeier kulturell bereichert. So gänzlich unvorbereitet hat er seinen neuen Beruf nicht angetreten. Als Theologe und Sozialbetreuer hat er seit 1993 Vorträge und Reden im In- und Ausland gehalten, hat in unterschiedlichen Funktionen in Kirchengemeinden, in der Diakonie, auf Vereins- und kommunaler Ebene Gruppen angeleitet und Seminare durchgeführt. Erste Erfahrungen als Vorleser im öffentlichen Bereich konnte er schon vor vier Jahren sammeln, als er im Rahmen der Stadthäger Buchwochen las. Was bei Schrage auffällt, ist die erstaunliche Bandbreite seines literarischen Leseangebotes. Die Auswahl reicht von Wilhelm Busch über Kurt Tucholsky und Harald Schmidt, die er zu unterschiedlichen Programmen zusammenstellt, über Groteskes, Grauenhaftes und Merkwürdiges, in der nicht nur Edgar Allan Poe gelesen wird, und eine poetische Blütenlese bis hin zu Neuem aus dem Bücherbeet, in der er literarische Talente frisch auspackt - Schrage ist flexibel, was sein Programm betrifft. Und so besteht eine Heine-Lesung eben nicht nur aus berühmten Gedichten und Reisebildern, sondern auch aus Briefen an seinen Verleger, in denen der deutsche dichtende Denker und denkende Dichter frisch, flott, frech und frei formuliert, was sein Herz fühlt: "Leben Sie wohl und hole Sie der Teufel." Rund 250 Heine-Briefe habe er dafür gelesen, aus denen er dann fünf für seine Lesung ausgewählt habe. Wenn er nach einem guten halben Jahr seinen neues Berufsleben Revue passieren lässt, dann ist er durchaus zufrieden: Er hat starkes Interesse geweckt, großen Zuspruch erfahren und wird logischerweise gern gebucht. Auf lange Sicht will er den Raum Minden, Ostwestfalen, Hannover und darüber hinaus erobern, auch im Bereich der Hörspiele und Hörbücher sieht er viele Möglichkeiten. Und wer jetzt ein bisschen neugierig geworden ist und den Vorleser Schrage gerne hören möchte, bitte sehr: Am kommenden Sonnabend, 17. März, wird ab 11 Uhr in der Info-Galerie Obernkirchen die Vernissage mit Bildern und Zeichnungen von Wilhelm Busch eröffnet. Olaf Schrage wird dazu lesen. Der Eintritt ist frei.



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