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Landkreis legt erste Bilanz zum Kohlendioxidausstoß vor / Butte: „Wir haben viele veraltete Gebäude“

Der Verkehr ist schuld – und die alte Heizung

Hameln-Pyrmont (wul). Wenn alle Hauseigentümer von Bad Pyrmont bis Bad Münder ihre alten Heizungen rausschmeißen und durch neue ersetzen, wäre eine ganze Menge gewonnen und jede Menge Kohlendioxid weniger ausgestoßen. Im Landkreis gibt es nämlich überdurchschnittlich viele alte und überdimensionierte Heizungsanlagen, wie jetzt die erste kreisweite CO2-Bilanz an den Tag gebracht hat. Erstellt wurde sie vom Verein Klima-Bündnis und dient als Basis für weitere Klimaschutzmaßnahmen in Hameln-Pyrmont.

veröffentlicht am 05.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 15.10.2009 um 10:45 Uhr

Im Stromverbrauch steht der Landkreis, gemessen am Bundesdurchsc

Rund 1,32 Millionen Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid sind laut Landrat Rüdiger Butte im Erhebungszeitraum 2007 im Landkreis ausgestoßen worden, was 8,3 Tonnen pro Kopf entspricht. Zum Vergleich: bundesweit sind es 10,5 Tonnen. Dass der Wert weit unter dem Bundesdurchschnitt liegt, sei vor allem der ländlichen Region geschuldet mit vergleichsweise wenigen Beschäftigten und wenig Industrie, wie Butte deutlich machte. Positiv wirkten sich aber auch die eigenen Klimaschutzaktivitäten – rund 56 Millionen Euro hat der Kreis beispielsweise bislang in die energetische Sanierung der Schulen gesteckt – und der große Anteil an regenerativer Energie aus. Hierzulande werde damit etwa ein Viertel des Energiebedarfs gedeckt, erklärt Ulrike Janssen vom Klima-Bündnis, während es bundesweit gerade einmal zehn Prozent seien. Dennoch: Auch hier besteht Handlungsbedarf.

„Die Bilanz zeigt, dass die auffälligsten Bereiche der Wärmeverbrauch und der große Anteil von Individualverkehr sind – wie in fast allen ländlichen Regionen“, so Janssen. Etwa 3,5 Tonnen pro Einwohner Kohlendioxid werden laut Bilanz von Haushalten produziert. „Wir haben hier relativ viele veraltete Gebäude“, sag Butte. Weil niemand gezwungen werden kann, eine überdimensionierte Heizungsanlage zu ersetzen oder in Wärmedämmung zu investieren, sieht er hauptsächlich die Möglichkeit, „künftig noch besser über Fördermöglichkeiten zu beraten und Eigentümer zur Modernisierung zu motivieren“ – eine Aufgabe, die in seinen Augen eine noch zu gründende Klimaschutzagentur übernehmen könnte. Butte hofft auf die Bereitschaft von Hauseigentümern und Unternehmen, eigenes Geld in die Hand zu nehmen, um Heizungen und Gebäude energetisch zu optimieren. Kooperationen mit dem Handwerk und den heimischen Banken, die zinsgünstige Kredite für energetische Sanierungen böten, sollen Investitionen in diesem Bereich attraktiv machen. „Aufbruchstimmung“ müsse verbreitet und immer wieder der Finger in die Wunde gelegt werden, damit alle etwas für den Klimaschutz tun.

In vier Monaten haben die acht Städte und Gemeinden Daten zusammengetragen, allen voran die Schornsteinfeger, die sämtliche Heizungsanlagendaten geliefert haben. Außerdem waren Handwerks- und Industrieverbände, alle Kommunalverwaltungen, die Energieversorger und Verkehrsträger haben ihre Emissionswerte gemeldet. Welche Kommune nach den Auswertungen wie dasteht, spielt nach Buttes Ausführungen keine Rolle – nicht der Konkurrenzgedanke solle geschürt werden, sondern jede Gemeinde müsse für sich sehen, was sie unternehmen kann, um die Werte zu verbessern. Dazu könnten beispielsweise Kraft-Wärme-Kopplung und in kleineren Ansiedlungen Nahwärmenetze infrage kommen, erläutert Dieter Frauenholz, Geschäftsführer des Büros KoRiS in Hannover.

Frauenholz und seine Mitarbeiter werden im nächsten Schritt bis April 2010 ermitteln, in welchem Umfang in den Bereichen „Private Haushalte“, „Gewerbe, Handel und Dienstleistungen“, „Kommunale Einrichtungen“ und „Verkehr“ durch den Einsatz erneuerbarer Energien der Ausstoß von Kohlendioxid verringert werden kann. Der Verkehr verursache etwa 2,8 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf/Jahr, die Wirtschaft etwa 2,1 und die kommunalen Einrichtungen 0,1 Tonnen. Von der Politik beschlossenes Ziel ist es, den Kohlendioxidausstoß im Landkreis bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent zu senken. Die Erstellung des Klimaschutzkonzeptes kostet rund 280 000 Euro, 220 000 Euro kommen dafür vom Bund.

Im Stromverbrauch steht der Landkreis, gemessen am Bundesdurchschnitt, gut da. Dass in Hameln-Pyrmont allerdings viel Heizöl benötigt und noch wenig auf Erdgas gesetzt werde, bemängelt der Verein Klima-Bündnis.

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