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Grüne Investition: Thomas Stübke plant Bürgersolaranlage nach Rintelner Vorbild

Der Umwelt helfen - und Geld verdienen

Obernkirchen (ima). "Jeder kann für sich einen eigenen Beitrag leisten!" - davon ist Thomas Stübke, Ratsherr für Bündnis 90/Die Grünen, überzeugt. Daher will er das in Rinteln erfolgreiche Konzept der Bürgersolaranlagen in Obernkirchen etablieren. Eine geeignete Dachfläche ist mit dem Gerätehaus der örtlichen Feuerwehr bereits gefunden. Interessenten wurde das Projekt bei einem ersten Infoabend vorgestellt.

veröffentlicht am 30.09.2006 um 00:00 Uhr

So soll es sein: Stübke am Rintelner Vorbild. Fotos: ima/rnk

Die Idee, so Stübke, kam ihm vor vier, fünf Monaten während des Wahlkampfs im Gespräch mit Werner Dubiel. Dieser initiierte drei Bürgeranlagen in Rinteln (wir berichteten), eine vierte ist in Planung. Seine praktische Erfahrung will er Obernkirchen zur Verfügung stellen. Wer keine geeigneten Dachflächen besitzt oder eine eigene Anlage nicht finanzieren kann, für den sind Bürgersolaranlagen besonders attraktiv. So erfreuen sich die in Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) finanzierten Anlagen auf öffentlichen Gebäuden als "grüne Investition" steter Nachfrage. Der erzeugte Solarstromwird dabei in das örtliche Stromnetz eingespeist, die Stromanbieter sind per Gesetz verpflichtet, diesen über 20 Jahre abzunehmen und zu vergüten. Dies geschieht über den vorhandenen Hausanschluss. Ist die Anlage erst einmal auf dem Dach, fallen keine zusätzlichen Anschaffungskosten, etwa für Zuleitungen, an. Allerdings erzeugen die Photovoltaikmodule Gleichstrom, der durch so genannte Wechselrichter netzkonform in 230 Volt Wechselstrom transformiert werden muss. Ein Einspeisezähler registriert die erzeugte Strommenge. Stübke sieht auch in Obernkirchen einen Markt und kann von guter Resonanz berichten: "Einige Investoren sind schon gefunden." Ziel ist es, zu einem nachhaltigen Energiesystem beizutragen "und nebenbei noch etwas Geld zu verdienen", erläutert Egbert Bastert. Der Ingenieur aus Eisbergen steht Thomas Stübke fachkundig zur Seite. Die Sommer werden tendenziell immer sonnenreicher und die Weserregion bietet für Solaranlagen gute Bedingungen, erläutert Bastert. So herrschen günstige Windverhältnisse, die im Sommer die Photovoltaikmodule kühlen und einen Leistungsabfall durch Überhitzung verhindern. Bei trübem Wetter, kann Bastert beruhigen, fällt die Anlage keineswegs aus: "Mehr als 50 Prozent des Solarstroms in Deutschland wird bei bedecktem Himmel produziert." Demnach lassen sich hier bei einer optimalen Dachfläche pro kWp (Kilowatt Spitzenleistung) im Jahr 930 kWh erzeugen, hierzu ist eine Fläche von etwa acht Quadratmetern nötig. Gängige Bürgeranlagen, weiß Bastert, liegen knapp unter 30 kWp - größere Anlagen erhalten pro kWh eine geringere Vergütung. Daher geht Bastert in seinem Beispiel für Obernkirchen von einer Anlage mit 29,7 kWp aus: Hierzu wäre eine Investitionssumme von insgesamt etwa 150 000 Euro oder 5000 Euro pro kWp nötig. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer, diese wird jedoch vom Finanzamt erstattet. Die jährlichen Betriebskosten veranschlagt Bastert mit 530 Euro, dies beinhaltet Versicherung, Zählermiete und eine Pauschale für Instandsetzungen. Hiervon sind in der Regel die Wechselrichter betroffen: "Genau wieein PC oder andere elektronische Bauteile haben die einen gewissen Verschleiß und halten nicht ewig," in zwanzig Betriebsjahren kann also ein Austausch fällig werden. Eine Anlage dieser Größe, so Basterts "konservative" Berechnung, kann pro Jahr 26 000 bis 27 000 kWh erzeugen, wobei die Leistung der Module durch Witterungseinflüsse und Verschmutzung nach zehn Betriebsjahren etwas absinken wird. Bei einer Vergütung von 51,8 Cent je kWh können so nach Ablauf der zwanzig Jahre Laufzeit die Kosten sowie zusätzliche 100 000 Euro erwirtschaftet worden sein. Dabei wurden insgesamt 500 000 kWh erzeugt und die CO2-Emission um 350 000 kg reduziert. DieseÜberlegungen sollen nicht lange Zukunftsmusik bleiben. Wird die Anlage erst 2007 in Betrieb genommen, droht eine niedrigere Einspeisevergütung. Per Gesetzesbeschluss soll die Vergütung jährlich um fünf Prozent sinken, da davon ausgegangen wird, dass auch die Solaranlagen günstiger werden. "Man will das nicht bis zum Sanktnimmerleinstag auf diesem hohen Niveau halten", meint Egbert Bastert. Soll die Obernkirchener Anlage noch in diesem Jahr ans Netz gehen, muss das Projekt bis Ende Oktober stehen. Die Planung von Anlagen dieser Größenordnung erfordert Zeit, gleiches gilt für die nötigen Formalitäten. Stübke will daher weitere Investoren werben, "die Rahmenbedingungen klären" und zu einer weiteren Veranstaltung laden.

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