weather-image
22°
Etha AG gibt Pläne für Bau eines Bioethanol-Werkes in Bückeburg auf / Firma wird liquidiert

Der Traum vom "grünen Benzin" ist geplatzt

Bückeburg. 30 Millionen Euro wollte die Etha AG in Bückeburg investieren, 80 Arbeitsplätze sollten im Bioethanol-Werk in Berenbusch und in der Verwaltungszentrale an der Kreuzbreite entstehen. Hochfliegende Pläne, mit einem Schönheitsfehler nur: Sie werden nicht umgesetzt. Am 21. August haben die Aktionäre den Beschluss zur Liquidation der EthaAG gefasst. Der Traum vom "grünen" Benzin aus Bückeburg ist geplatzt.

veröffentlicht am 06.09.2008 um 00:00 Uhr

Stephan Höltershinken

Autor:

Frank Werner

Noch im April hatte Vorstandsvorsitzender Jörg Gregel Optimismus verbreitet: Am Projekt in Berenbusch wollte der Bückeburger Geschäftsmann festhalten, obwohl die Bundesregierung alle Hoffnungen auf einen schnellen Wachstumsmarkt soeben zu Grabe getragen hatte. Weil Altfahrzeuge den Bio-Sprit nicht verkraften würden, nahm Bundesumweltminister Sigmar Gabriel Abschied vom Vorhaben einer zehnprozentigen Beimischung ins Benzin. Der verheißungsvolle Zukunftsmarkt für Bioethanol schrumpfte in diesem Moment auf Miniatur-Maße. Gregel wollte das Projekt in Berenbusch dennoch weiter betreiben, weil die in Bückeburg ansässige Etha AG über einen Abnahme-Vertrag mit dem japanischen Mitsui-Konzern für die Dauer von sechs Jahren verfüge. Inzwischen allerdings hat auch dieser Rettungsanker seine Haltekraft verloren: Zwar seien die Abnahmemengen nach wie vor garantiert, aber die Preise für Ethanol derart eingebrochen, dass der Hersteller bei jeder Lieferung draufzahlen müsse, sagt Gregel. Statt 78 Cent im April seien derzeit nur noch 56 Cent pro Liter zu haben. Die Preise für Weizen - den entscheidenden Rohstoff für die Bioethanol-Produktion - seien dagegen gestiegen und würden unkalkulierbaren Schwankungen auf immer höherem Niveau unterliegen. "Es gibt momentan einfach nichts zu verdienen", bilanziert der Etha-Chef. Und verweist auf die zahlreich beerdigten Projekte der Mitbewerber: Auch in Papenburg, Leer oder Bülstringen sei der Bau neuer Ethanol-Fabriken eingestellt worden. Unter den veränderten politischen Vorzeichen haben sich für die Etha AG auch die öffentlichen Förder-Optionen in Luft aufgelöst: 73 Millionen Euro wollte man an den drei Standorten Bückeburg, Fürstenwalde (Brandenburg) und Haldensleben (Sachsen-Anhalt) insgesamt investieren, für über sieben Millionen Euro hätten Förder-Zusagen vorgelegen - die Bescheide allerdings seien nach dem Rückzug der Bundesregierung nicht erteilt worden. "Es ist so gut wie unmöglich, etwas am Markt durchzusetzen, wenn es politisch nicht gewollt ist", beschreibt Stephan Höltershinken die Situation. Der Rechtsanwalt aus Bückeburg hat die Etha AG in den vergangenen Monaten beraten. Bereits im November habe man die Bauplanung in Fürstenwalde gestoppt, und seit April ruhe auch die Baustelle in Haldensleben, wo wenige Wochen zuvor noch der symbolische erste Spatenstich inszeniert worden war. "Wir haben die Projekte auf Eis gelegt, wollten erstmal abwarten", sagt Gregel. Eine Devise, die für die Standorte in Ostdeutschland auch weiterhin gilt, denn die jeweiligen Betreiber-Gesellschaften (mit Sitz in Bückeburg) bleiben vorerst bestehen. Aufgelöst wird dagegen die als Holding fungierende - und im Vergleich zu den GmbH im Fortbestehen deutlich kostenträchtigere - Aktiengesellschaft, unter deren Dach das Bückeburger Projekt realisiert werden sollte. Seit Juni habe man sich mit dem Gedanken getragen, die Gesellschaft zu liquidieren, erläutert Höltershinken. Ausschlaggebend war auch die Haltung der Banken, die den Markt offenbar ähnlich skeptisch analysierten: Kredite hätte man nur bei persönlicher Haftung der Gesellschafter erhalten - ein Risiko, das zu tragen die drei Etha-Aktionäre (Jörg Gregel, Claus Völkner und ein Einzelinvestor aus London, der anonym bleiben soll) nicht bereit waren. "Einmütig" habe man die Liquidation beschlossen und sich den "Fehlbetrag" geteilt. Gregel beziffert die Verlustsumme auf 3,4 Millionen Euro für alle Standorte. Allein in Bückeburg seien 800 000 Euro Planungskosten angefallen. Der Vorstandsvorsitzende betont, dass die Gesellschaft keine Schulden und keinen Gläubiger hinterlasse. Was man investiert habe, sei aus eigenen Mitteln geflossen. Im Januar hatte Gregel noch vermeldet, das Stammkapital sei von 100 000 auf eine Million Euro erhöht worden. Für den Investor ist das in das Ethanol-Projekt gesteckte Geld nicht verloren, sondern lediglich in eine Parkposition gerutscht. Gregel geht davon aus, dass der Markt für Bio-Benzin eines Tages kommen wird. "Dann haben wir fertige Pläne, die wir nur noch aus der Schublade ziehen müssen." Nicht die Geschäftsidee sei falsch gewesen, sondern der Zeitpunkt ihrer Realisierung: "Wir haben uns zu früh in den Markt bewegt." Wann die Politik ihren Kurs korrigiert und eine höhere Beimischung als die aktuellen ein bis 3,5 Prozent ermöglicht, könne man derzeit jedoch nicht absehen, muss auch Gregel einräumen. Die im Stadthaus II an der Langen Straße angemieteten Räume will Gregel anderweitig nutzen: für eigene Projekt- und Vermögensverwaltungs-Gesellschaften, die auch die neun in Bückeburg beschäftigten Mitarbeiter der Etha AG übernommen haben. Auch an den Plänen, in der Kreuzbreite ein Verwaltungsgebäude zu errichten, will der Unternehmer festhalten.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare