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„Der Staat könnte seinen Fachkräftemangel selbst lösen“

Alexander Burstedde, Referent für Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte am Institut der deutschen Wirtschaft, über den Personalmangel im öffentlichen Dienst.

veröffentlicht am 05.06.2019 um 12:54 Uhr
aktualisiert am 19.06.2019 um 14:17 Uhr

Herr Burstedde, warum steuert der öffentliche Dienst auf einen so großen Mangel an qualifizierten Mitarbeitern zu?

Dem Staat mangelt es häufig an Fachkräften, für deren Ausbildung er selbst zuständig ist. Die meisten Verwaltungsberufe etwa bildet der öffentliche Dienst selbst aus. Für die schulische Ausbildung beispielsweise von Erziehern und Pflegern sind in der Regel die Länder verantwortlich. Auch das Angebot an Studienplätzen kann der Staat steuern, beispielsweise um mehr Sozialpädagogen oder Berufsschullehrerinnen auszubilden. Der Staat könnte seinen Fachkräftemangel durch ein größeres und attraktiveres Ausbildungsangebot häufig selbst lösen.

Welche Rolle spielt die Konkurrenz durch private Arbeitgeber?

Der öffentliche Dienst punktete lange mit Jobsicherheit und einer guten Work-Life-Balance. In Zeiten des Fachkräftemangels werden aber auch private Arbeitgeber in diesen Bereichen attraktiver. Während der Fachkräftemangel in manchen Bereichen des öffentlichen Dienstes zu einer hohen Arbeitsbelastung führt, versuchen viele private Arbeitgeber bessere Arbeitsbedingungen anzubieten. Juristen mit der Befähigung zum Richteramt etwa haben in der freien Wirtschaft sehr attraktive Alternativen.

Mit den Privaten wird der öffentliche Dienst aber doch in vielen Punkten immer schwerlich konkurrieren können, oder?

Der öffentliche Dienst muss nicht in allen Punkten besser sein. Wie jeder Arbeitgeber kann er Stärken betonen und Schwächen abbauen. Manchmal würde es schon reichen, wenn die Rekrutierungsprozesse schlanker würden. Wenn nach Bewerbungseingang Monate vergehen, bis eine Einladung oder gar Zusage erfolgt, sind gute Kandidaten längst abgesprungen. Personalverantwortliche brauchen Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume, um sich im Wettbewerb um Fachkräfte behaupten zu können.

Ist es am Ende nicht vor allem eine Frage des Geldes? Wären höhere Löhne nicht der beste Weg, um Mitarbeiter für den öffentlichen Dienst zu gewinnen?

Die Löhne sind vor allem dann ein Faktor, wenn die selbe Qualifikation in der Privatwirtschaft deutlich höher vergütet wird, beispielsweise bei Bauingenieuren. Häufig ist die Lohnhöhe jedoch nicht ausschlaggebend. Jugendlichen etwa ist bei der Wahl des Ausbildungsberufes vor allem das Image und Arbeitsklima des Ausbildungsbetriebs wichtig. Auch Betriebe des öffentlichen Dienstes können sich im Rahmen eines Employer Branding-Prozesses als attraktive Arbeitgeber aufstellen.

Wie aber beweist man ein  gutes  Arbeitsklima?

Ein guter Ansatz sind Fotos und Videos zufriedener Mitarbeiter bei der Arbeit. Einblicke in den Betriebsalltag zeigen Bewerbern was sie erwartet und können ein positives Gefühl erzeugen. Auch gilt es sein Image mit modernen Rekrutierungsmethoden im Internet zu verbreiten. Mehr Tipps für eine bessere Personalarbeit gibt es bei unseren Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung auf www.kofa.de.



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