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Karl Stramer (57), der musikalische Kneipenwirt der "Marktwirtschaft"

"Der Spaßfaktor überwiegt!"

Rinteln. Brechend voll ist die "Marktwirtschaft" an den Samstagen, man weiß kaum, wie man sich reindrängeln konnte und wie man je wieder rauskommen soll, wenn der Wirt und Gitarrist Karl Stramer (57) zusammen mit Musikerkollege Paul Ritchie all' die guten Songs aus den 50-er bis 80-er Jahren spielt. "Klar sind diese Konzerte anstrengend", sagt er, "aber der Spaßfaktorüberwiegt!" Das merkt man.

veröffentlicht am 06.06.2007 um 00:00 Uhr

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Autor:

Cornelia Kurth

Seit seinen Teenagerjahren macht Karl Stramer Musik, mit Gitarre, Schlagzeug und seiner sonoren Stimme, der man immer noch ein bisschen anhört, dass er ursprünglich aus dem nahe an der Grenze zu Thüringen gelegenen Städtchen Witzenhausen stammt, das übrigens durch die oft sehr unkonventionellen Studenten der dortigen Landwirtschaftlichen Hochschule von jeher eine lustige, bunte Kulturszene besaß. Er spielte auf Stadt- und Dorfbühnen, in Rockkneipen, auf Hochzeiten, Betriebsfesten und in den Sommern regelmäßig für die Badegäste der Insel Juist. Als er vor etwa 10 Jahren in Bad Eilsen das "Cafe am Kurpark" und das "Tanzcafe Königsberg" übernahm, da lebten diese beiden Örtlichkeiten davon, dass er mindestens dreimalin der Woche selber auftrat und die unterschiedlichsten Gäste auf unnachahmlich coole Entertainerart mit ihrer Lieblingsmusik bediente und zum Tanzen animierte. Umsoüberraschender ist es zu hören, dass dieser Vollblutmusiker und begabte Wirt einst eine Fleischerlehre absolvierte. Da seine Mutter früh gestorben war, hatte er damals eher wahllos eine Lehrstelle angenommen und dann, wie er sagt, einfach das Beste daraus gemacht. Mit 24 Jahren war er Abteilungsleiter in einem Supermarkt, machte seinen Meister und wurde Fachberater bei Edeka. Die Musik kam dabei nicht zu kurz. Mit dem studierten Pianisten Paul Ritchie gründete er das "Duo Champagne". und tatsächlich ließ er dann die Fleischerei ganz hinter sich, so erfolgreich waren sie als Musikerteam.Die Krise kam in den 90-er Jahren, als die Musikinstrumentenindustrie Keyboards entwickelte, die es mit maschinell erstellten Playbacks jedem x-beliebigen DJ ermöglichten, Musikabende wie mit Links zu gestalten. Die Nachfrage für handgemachte Musik ging zurück. "Aber wenn man sein Instrument nicht selbst spielt, dann ist die Musik tot", meint Karl Stramer. "Auch was in der Musikszene an Neuem entstand, Computermusik und Techno-Drum-Maschinen, das hat in meinen Augen seine Seele verloren, solche Musik transportiert nur noch Aggressionen." Er selbst liebt Musik, in der die Gitarre und eine Melodie die Hauptrolle spielen. "Musik, die gut ist, ist vollgepackt mit Harmonien", sagt er. Über der "Marktwirtschaft" gibt es einen Saal, der soll, wenn alles gut geht, umgebaut werden im 70er-Jahre-Retro-Stil. Da wäre dann endlich auch ein Platz zum Tanzen, den sich so viele wünschen, die es nicht unbedingt in die einzige Disko am Ort zieht. Gedrängel gibt es dann sicher auch wieder mehr als genug. Aber das wäre es wert.



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