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Heliopsis – eine verlässliche Größe

Der Sonnenblume gleich

veröffentlicht am 15.06.2018 um 00:00 Uhr

Das Sonnenauge (Heliopsis) gehört zu den verlässlichsten Blütenstauden. Schon Goethe hatte eines in seinem Garten und erfreute sich an den strahlenden Blüten. Foto: ey

Autor:

Saskia Gamander und Jens F. Meyer
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Gehölze gelten als Grundgerüst des Gartens. Stauden aber sind die Kür! Im Wesentlichen handelt es sich um frostharte Pflanzen, deren Pflanzenteile oberirdisch vor jedem Winter absterben, deren Wurzelstock aber überlebt und im Frühling neu austreibt. Umso wichtiger, sie regelmäßig auf dieser Seite näher zu betrachten und jene vorzustellen, auf die kein Gärtner bei der Gestaltung von Beeten und Flächen verzichten sollte. Heute: das Sonnenauge (Heliopsis).

Sich die Sonne in den Garten zu holen, die nicht himmlisch von oben herabscheint, sondern in jedem neuen Frühling ganz irdisch von unten heraufwächst, um ab Juni bis September in einer Höhe zwischen 80 und 150 Zentimetern wochenlang in unzähligen Blüten aufzugehen, das ist unglaublich einfach. Vielfach bemühen Gartenbesitzer dafür die Staudensonnenblumen, die unzweifelhaft zu den Sommerschönheiten gehören. Aber darüber wird das Sonnenauge (Heliopsis) gerne vergessen, obwohl es sich um keine Modepflanze, keinen Emporkömmling handelt: Schon der bekannte deutsche Staudengärtner Karl Foerster hatte 1934 eine dermaßen attraktive Sorte namens ’Goldgrünherz‘ gezüchtet, die auch über 80 Jahre nach ihrer Schöpfung hohe Anerkennung im Kreis der Pflanzenden genießt. Und geht man in der Geschichte dieser Pflanzenart noch weiter zurück, landet man bei Carl von Linné, der sich bereits mit dem Sonnenauge befasst, es aber noch nicht als Heliopsis einstufte, und noch zu Johann Wolfgang von Goethes Zeiten, der ebenfalls ein Sonnenauge in seinem Garten wachsen sah, lautete der botanische Name Helianthus laevis. Erst 1807 veränderte sich die Nomenklatur durch den schwedischen Botaniker Christian Hendrik Persoon in Heliopsis laevis. Im Laufe der Jahre kam zum Gewöhnlichen Sonnenauge (H. helianthoides) noch das Raue Sonnenauge (H. scabra) hinzu, das schließlich Grundlage für viele der heute erhältlichen Züchtungen ist.

Doch genug der Geschichte, denn auch gegenwärtig hat diese Pflanze viel zu bieten. Das Sonnenauge ist eine unkomplizierte, robuste Staude. Die steifen, verzweigten Zweige halten auch starken Sommerstürmen stand, eine Stütze ist nicht zwingend notwendig, kann der Gesamterscheinung aber zu mehr Grazie verhelfen. Schnecken können ein Problem sein. In Jahren, in denen sie vermehrt auftreten, fressen sie gerne an den jungen Trieben und machen dem Sonnenauge das Leben schwer. Es ist nicht so, dass Heliopsis dann nicht blühen würde, aber das attraktive, je nach Sorte dunkel- bis graugrüne Laub, sieht dann löchrig aus. In seiner Heimat, der Prärie Nordamerikas, gibt es verschiedene Arten des Sonnenauges; daraus sind wiederum sehr interessante Sorten kreiert worden, weil Pflanzenzüchter die Vorteile dieser Staude erkannt haben: langlebig, garantierte Blüte und keine hohen Ansprüche an den Standort.

Sonne will es haben. Soll es haben. Tiefgründiger, durchlässiger Boden verhilft dem Sonnenauge in Kombination mit einer Frühjahrsdüngung zum gewohnten Blütenreigen. Heliopsis kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie „der Sonnenblume gleich“. Das ist nicht übertrieben, denn die goldgelben Strahlen- und Körbchenblüten erinnern sehr an Sonnenblumen, die gleiche Forderungen an Standort und Boden stellen. Umso erstaunlicher, dass sie in jedem Pflanzenführer genannt werden, während das Sonnenauge vielen Autoren keine Erwähnung wert ist. Bislang hat weder die Tatsache geholfen, dass selbst Winter mit scharfen Frösten dieser Pflanze genauso wenig ausmachen wie Sommer, die einen Namen tragen, den sie nicht verdienen.

Es gibt Sorten, die fordern schon mal ein wenig mehr Zuwendung, aber grundsätzlich ist es dem Sonnenauge nicht wichtig, ob der Sommer trocken oder feucht, kühl oder warm ist. Und wer Ausgeblühtes ausputzt, darf sich bis in den September hinein über die eine oder andere Blüte freuen, die sich nach der Schnippelei gerne noch entwickelt. Bevor der Frost naht, macht der Schnitt knapp über dem Boden Sinn. Das Sonnenauge legt sich schlafen, hat aber ganz ohne Zweifel den nächsten Frühling schon im Blick.

Das Sonnenauge ist übrigens eine recht stattliche Erscheinung. Selten unterbietet es eine Höhe von 100 Zentimetern, wird sogar bis 160 Zentimeter hoch. Bei einer Beetgestaltung sollte dies unbedingt eine Rolle spielen; in einer tiefen Rabatte stünde es im hinteren Drittel sicher nicht schlecht und kann ein guter Partner zu Sonnenhut (Rudbeckia) und Arznei-Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum) sein.



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