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Der solidarische Blick

Gute Nachricht: Eine britische Soldatin und ihre vierzehn männlichen Kollegen kommen nach 14-tägiger Festnahme im Iran frei. Ein friedliches Ende nach Tagen des Bangens um die Menschen und um den Weltfrieden. Woanders schlechte Nachricht: Geiseln werden getötet. Menschen, die friedliebend ein Land und seine Menschen unterstützen wollen als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.

veröffentlicht am 07.04.2007 um 00:00 Uhr

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Autor:

Pastor Reinhard Koller

Aber neue, nachkommenden Helferinnen und Helfer lassen sich nicht abschrecken. Sie verdienen von uns höchste Anerkennung für ihren Mut. In unserer Welt des Europa, wo wir Krieg und Kriegsfolgen nicht so schnell befürchten müssen, erscheint uns solch persönlicher Einsatz als sehr fern. Wir denken eher an solche Sätze wie: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um!" Wir können uns nicht so recht vorstellen, dass das menschlich-soziale Engagement unter solch schwierigen Lebensbedingungen einen Sinn haben soll, noch dazu für Länder und Menschen, von denen wir wenig wissen und die weit weg von uns sind. Geht es uns mit der nahen Wirklichkeit um uns herum in Deutschland besser? Haben wir das menschlich-soziale Engagement nicht eher zu einem Prestige-Objekt gemacht? Und schreiben wir es auf unsere Fahnen, weil wir damit sicher sein dürfen, ein gutes Image zu erhalten? Politik, Parteien, Verbände, Vereine, Kirchen - alle haben mit der sozialen Verantwortung zu tun und dürften von der Versuchung wissen, lediglich Worthülsen zu produzieren. Das, was wir uns in der Ferne meistens nicht wirklich vorstellen können - kriegen wir's denn bei uns hin? Phrasen über die so genannten "Sozial- oder Hartz-4-Schmarotzer" sind zu hören. Die pauschalen Vorurteile treffen alle Betroffenen, lassen keinen Spielraum für differenzierte Wahrnehmung und Beurteilung. Vergessen wir vielleicht, wie schnell der Zusammenhang von Arbeitsplatzverlust, Krankheit, Mietzahlungsunfähigkeit jeden und jede von uns treffen kann? Solidarität und mitfühlende Sensibilität tun Not, selbst wenn negative Einzelerfahrungen uns das Gegenteil weiszumachen versuchen. Dann kämpfen zwei gegensätzliche Stimmen in uns: "Die haben doch selbst Schuld!" und: "Ich könnte morgen der Nächste der Bedürftigen sein!" Natürlich gibt es viele Beispiele konkreter Hilfe. Wir kümmern uns uneigennützig um Menschen, die Hilfe brauchen. Auch diesen - Gott sei Dank - unverbesserlichen Idealisten unter uns gebührt die Anerkennung und der Dank für ihren Einsatz. Am Osterfest, das Christen als Auferstehungsfest Jesu feiern, gilt es auch, das Leben neu und verändert, nach Gottes guter Sicht auf die Welt und die Menschen zu sehen und zu verstehen. Ein liebender, solidarischer Blick unsererseits auf die neuen Armen der Gesellschaft ist mehr wert als wir zunächst denken. Er wird uns selbst verändern wie eine gute Nachricht, die wir unerwartet erhalten. Ich wünsche Ihnen ein gutes, frohes Osterfest! Reinhard Koller ist Pastor in Engern



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