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Marko B.: Arbeitsangebot mit Führerschein Klasse D – aber Job-Center will zunächst nicht helfen

Der schwierige Weg weg von Hartz IV

Salzhemmendorf. Marko B. aus dem Flecken Salzhemmendorf schrieb an die Dewezet: „Ich bin ein Mensch, der arbeiten muss, sonst werde ich krank.“ Und dann schildert er seine mühsamen Versuche, mithilfe des Job-Centers Hameln wieder zu einer Arbeit zu kommen. Dabei wird auch deutlich, wie hilflos sich jemand fühlen kann, dessen Existenz weitgehend vom Ermessen dieser Institution abhängt.

veröffentlicht am 11.08.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Markos Geschichte: Er arbeitete mit unbefristetem Arbeitsvertrag als Kraftfahrer in München. Ein Sturz von einer Rampe, bei dem er einen komplizierten Armbruch erlitt, brachte ihn aus dem Tritt. Als er nach der Krankenpause zurückkam, saß ein anderer auf seinem Platz und er erhielt die Kündigung. Weil seine Partnerin im Landkreis Hameln-Pyrmont wohnte, kam er nach Salzhemmendorf. Nach 14 Tagen hatte er einen neuen Job. Der hielt leider nur zweieinhalb Monate. Vom Unfall war ein Metallteil in seinem Arm verblieben, das beim Bedienen des Hubwagens erhebliche Schmerzen verursachte. Er wollte mit Zustimmung des Arztes den Fremdkörper herausnehmen lassen. Der Arbeitgeber aber hatte keine Lust, auf das Ergebnis zu warten.

Erste Bewerbungen noch voller Optimismus

Das war im November letzten Jahres und begann mit Arbeitslosengeld. Die ersten Bewerbungen verschickte er noch voller Optimismus. Ohne Erfolg. Da er bereits im Jahr 2002 eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert hatte, versuchte er es damit und fand einen Arbeitgeber. Einziger Nachteil: Ihm fehlte als Arbeitsvoraussetzung der Personenbeförderungsschein. Den hatte B. nicht. Das Arbeitsamt wollte die Kosten nicht übernehmen. Der zugesagte Job war weg. „Hätte ich damals gewusst, dass der Schein nur wenige hundert Euro kostet, hätte ich eine Möglichkeit gefunden“, sagt er heute bitter. Seit Mai ist er auf der untersten Einkommensstufe angelangt: Hartz IV.

In der Zeitung fand er die Werbung einer Fahrschule, die eine Ausbildung für den Führerschein Klasse D anbot und darauf hinwies, dass diese unter bestimmten Voraussetzungen vom Job-Center bezahlt werde.

Er machte sich kundig: Dreieinhalb Monate Ausbildung. Darin enthalten ein Praktikum. Er fand eine Praktikantenstelle bei einem Busunternehmen, das ihn danach als Aushilfsfahrer bei monatlichen Festbezügen von 700 Euro mit der Option auf eine Festanstellung beschäftigen wollte. Das hieß auch: Weg vom Arbeitslosengeld.

Seine Vermittlerin beim Job-Center, mit der er seit Beginn seiner Arbeitslosigkeit im Mai zum ersten Mal persönlich sprechen konnte, sagte „Nein“. Er solle sich eine Stelle als Kraftfahrer suchen. Die beiden Adressen, die sie ihm mitgab, erwiesen sich als taube Nüsse, weil hier Fahrer mit technischen Spezialkenntnissen für Spezialfahrzeuge gesucht wurden.

B. wollte nicht mehr stillhalten. Er kündigte an, dass er sich an die Presse und die Öffentlichkeit wenden werde. Die Stellenvermittler beeindruckte das nicht. Sie betonten, dass es mit Herrn B. nie Unstimmigkeiten gegeben habe. Die Korrespondenz der letzten Wochen, die der Dewezet vorliegt, spricht eine andere Sprache. Die Suche nach Gründen und Hintergründen für die Probleme zwischen dem Job-Center und dem Kunden konnte die Fronten nicht aufweichen.

„Nein“, sagt der JobCenter-Sprecher Gerhard Durchstecher, „der Kunde ist ausreichend qualifiziert. Stellen für Kraftfahrer sind auf dem Markt vorhanden.“ B. müsse sich nur bemühen und sich zielorientierter bewerben.

Auf einen Antrag gar nicht erst reagiert

„Was soll ich denn noch tun?“, klagt B. Er verschickt „wöchentlich mehrere Bewerbungen“, und findet, dass die vervielfältigten Einheitsbewerbungen aus dem Bewerbungscenter der Arbeitsvermittlung nicht besonders hilfreich sind. Für solche, die er selbst initiiert, gibt es jedoch keine Kostenerstattung.

Besonders irritiert ist der Jobsucher, dass bei anderen, aus seiner Sicht „erheblich arbeitsunwilligen“ Hartz-IV-Empfängern sogar der Führerschein bezahlt werde, und er nennt ein konkretes Beispiel aus seinem Bekanntenkreis. „Mag sein“, kommentiert Durchstecher, das seien eben Einzelentscheidungen, und „das Leben ist bunt“.

Und auch auf den Hinweis, dass B. bereits eine Arbeitszusage gehabt habe, aber dazu den Führerschein D benötigte, antwortet Durchstecher lakonisch: „Er hatte keinen Vertrag; hätte er einen, hätten wir gezahlt.“

„Ich habe ihn nicht bekommen, weil die Fahrerlaubnis fehlte“, entgegnet B. Der Busunternehmer konnte und wollte sich nicht dreieinhalb Monate im Voraus festlegen.

Auf einen anderen Antrag von Marko B hat das Amt gar nicht erst reagiert. Sein altes Auto musste dringend repariert werden. Ohne Auto geht bei der Arbeitssuche im verkehrsfernen Ostkreis gar nichts. B. bat um eine Beihilfe zur letzten Kaufrate und zu den Reparaturkosten. Keine Antwort. Zum Glück gelang es ihm, mit der Werkstatt eine längerfristige Ratenzahlung auszuhandeln. Die Raten müssen auch noch aus den kärglichen 573 Euro Arbeitslosengeld II bestritten werden, und zum TÜV müsste das Auto auch …

Die Nachfragen der Dewezet bringen schließlich doch Bewegung in den Fall: Man werde den Bewerber kurzfristig noch einmal einladen, alles besprechen und „in enger Zusammenarbeit konstruktiv nach vorn gehen“.

Inzwischen hat der angekündigte Kontakt auch sogar stattgefunden. Außer Marco B. und seiner Vermittlerin saßen der Schwiegervater von B. und die Leiterin der Vermittlungsgruppe im Job-Center mit am Tisch. „Das war ein ganz tolles Ding“, schwärmt Marko B. „Die haben verstanden, worum es bei mir geht und machen was.“

Am 2. September wird er in Lauenstein bei einer Maßnahme „Auf die Arbeitsplätze fertig los“ der Akademie Überlingen anfangen. Mit Arbeitslosengeld II und Fahrgelderstattung. Da erfolgt eine qualifizierte Einweisung in Bewerbungstechniken und – das ist dem Jobsucher wichtig – es gibt ganz konkrete Praktikumsangebote, an denen dann auch ein konkreter Job hängt. Man kann sich ausprobieren und ausprobieren lassen. Was nachher dabei herauskomme, sei noch völlig offen, berichtet B., aber er sei ja offen für alles und flexibel. „Mir geht es jetzt richtig gut.“ Daraus klingen ehrliche Freude und Optimismus.

Ohne Auto geht gar nichts bei der Jobsuche. Marko B. aber musste befürchten, dass er sein Auto wieder verkaufen muss.

Foto: haf



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