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Seine Rückkehr hat über mehrere Jahre die Justiz beschäftigt

Der Otter: Den Fischern ein Dorn im Auge

Ein kleines Gummiband hat einem langen Streit zwischen Naturschützern und Fischern ein Ende gesetzt. In unserer Serie „Einfach tierisch“ geht es um den Fischotter, der heute von selbst aus Fischreusen gelangt. Früher wäre er darin ertrunken.

veröffentlicht am 25.05.2018 um 17:33 Uhr
aktualisiert am 25.05.2018 um 19:31 Uhr

Seine Hauptnahrung besteht aus Fisch: Deshalb ist der Fischotter bei Fischern nicht gerade beliebt. Der Wassermarder hat für einen jahrelangen Streit zwischen Fischerei und Naturschützern gesorgt. Foto: dpa
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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HAMELN-PYRMONT. Vor über 100 Jahren galt der Fischotter (Lutra lutra) noch als häufiger Bewohner der Flüsse und Bäche in der Region. Auch in den Weserauen fühlte sich der Wassermarder zu Hause. Angesichts seines Fells und seiner Vorliebe für frischen Fisch aber wurde er nach Angaben des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe mehr und mehr intensiv gejagt. Zur Folge – und dazu zählen auch Gewässerverschmutzung, der Einsatz von Fischreusen oder steigender Straßenverkehr – hatte dies: Mitte des 20. Jahrhunderts galten die Tiere hierzulande als fast ausgestorben.

Von großem Glück sprachen da Naturschützer im Jahr 2010, als sich Lutra lutra nicht allzu weit von der Weser entfernt, am Steinhuder Meer, wieder niederließ. Doch die Freude währte nicht lange: Die Fischerei stünde dem Otterschutz im Weg, hieß es. Die Fischer aus Steinhude nämlich fischen mit Reusen – rund 550 an der Zahl. Jagt der heimische Otter nun nach Fisch, so argumentierten die Naturschützer, und folgt seiner Nahrung in die Reuse, so gäbe es keinen Ausweg mehr für den Wassermarder. Der kleine und zu schützende Bestand an Fischottern sei somit stark gefährdet. Die Angelegenheit landete vor Gericht – und beschäftigte mehrere Jahre lang Justiz, Verbände, Politik und Medien.

Der Kernstreit: Ob der Wiederkehr des Otters fürchteten Steinhudes Reusenfischer um ihren Fang. Naturschützer hingegen hatten wegen der Reusen große Sorge um die Existenz der Wasserjäger.

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Was tun? Lange zeichnete sich keine Lösung ab – zuweilen wurde den Fischern sogar per gerichtlichem Eilverfahren das Reusenfischen verboten.

Erst ein Forschungsprojekt des Otter-Zentrums in Hankensbüttel (Kreis Gifhorn) konnte Ende 2017 eine Lösung präsentieren: Die Reusen bekamen sogenannte Otterausstiege verpasst. Einer dieser neuen Ausstiege in den Reusen besteht aus zwei flexiblen Drahtseilen, die mit einem Gummiband zusammengehalten werden.

Wie die Forscher in Tests herausfanden, spürt der Otter, dass das Gummiband auf Druck nachgibt, das Tier drückt die Drahtseile auseinander und kann sich damit aus der Reuse befreien. Weitere Tests verschiedener Institutionen ergaben, dass auch größere Fische nicht aus den Reusen aussteigen können.

Das war die Sorge der Fischer, die kritisierten, dass sie nur noch kleine Fische fangen könnten.



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