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Heike Decher (47) setzt mit ihrem Architektur-Büro "Atrium 7" aufs Geomantie-Konzept

"Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen"

Rinteln. Viele Rintelner kennen das durchaus kühn entworfene weiß-blaue Haus am Dingelstedtwall, dessen Orientierung am kühlen Bauhaus-Stil in den ersten Jahren eine ziemlich kontroverse Diskussion hervorrief. Entstanden ist es am Reißbrett der Architektin Heike Decher (47), die auch sonst keine Angst hat, ungewöhnliche Wege zu gehen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 10:25 Uhr

Geht gerne ungewöhnliche Wege, nicht nur mit dem weiß-blauen Woh

Autor:

Cornelia Kurth

"Das war 1997 meine erste große Visitenkarte in Rinteln", sagt sie. "Und die kontroversen Gespräche darüber, die fand ich wunderbar!" Damals hatte sie sich wenige Jahre zuvor mit ihrem eigenen Architektenbüro in der Ostertorstraße selbstständig gemacht, und tatsächlich gelang es ihr schnell, Aufmerksamkeit zu erregen und sich einen guten Namen zu machen: Auch die neue Agentur für Arbeit an der Dauestraße legt davon Zeugnis ab. Dabei war es für sie gar nicht einfach gewesen, nach Jahren einer sehr anregenden Tätigkeit in einem Hamburger Architektenbüro und der Arbeit für große Baustellen, unter anderem in Berlin, mit 33 Jahren in ihre Heimatstadt Rinteln zurückzukehren, aus der sie einst aufgebrochen war, um vielleicht, so war esder Traum, sogar mal nach New York zu gehen. Sie hatte ein kleines Kind dabei, dem bald ein zweites folgte. Ihr Mann war beruflich ständig unterwegs. "Ich kannte hier niemanden mehr", sagt sie. "Ich hatte nur dieses Baby, das noch keine Antworten geben konnte." Trotzdem war es aber eine bewusste Entscheidung, Kinder zu bekommen, Mutter zu sein, den Beruf für eine Weile in den Hintergrund treten zu lassen. Eine eher kleine Weile übrigens, denn schon bald übernahm sie wieder Aufträge als freie Architektin, arbeitete in der Nacht ("ich bin eh ein Nachtmensch") und tat alles dafür, sich weiterzubilden, in der aktuellen Diskussion zu bleiben, Lehraufträge an der Uni Hannover zu übernehmen. "An der Architektur hat mich immer auch interessiert, dass sie etwas mit unserer Gesellschaft zu tun hat und mit den Menschen, für die wir planen und bauen", so erklärt sie, wie aus der ursprünglichen Lust am Zeichnen und an der Mathematik und einer Abwägung, ob sie vielleicht Grafik-Designerin werden solle, die Entscheidung für ein Architekturstudium fiel. "Hier kommt alles zusammen: Das ganz Pragmatische, dazu ein künstlerischer Anspruch, und schließlich auch meine Neigung, mich mit den Menschen, die mir einen Auftrag zum Hausbau geben, auseinander zu setzen." Diese Kombination führte Heike Decher dazu, sich intensiv mit der so genannten "Geomantie" auseinander zu setzen, die heute einen Schwerpunkt bildet im Angebot ihres 2006 noch einmal neu unter dem Namen "Atrium 7" gegründeten Büros. Geomantie in der Architektur, das bedeutet, baubiologisches Wissen zusammen mit bestimmten Analyse-Methoden zum Aufspüren von "guten Orten" einzusetzen für ein gesundes, harmonisches Wohnen, ein wenig so ähnlich, wie es auch im Feng-Shui praktiziert wird. "Eigentlich habe ich das sowieso immer schon gemacht, intuitiv", sagt sie. "Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen, nicht das Gebäude für sich." Gerade jetzt, da sie wieder neue Aspekte in ihrer Arbeit umsetzt, ist auch ein neuer Mensch in ihr Leben getreten, die knapp zweijährige Tochter Felicitas, ein Wunschkind mit ihrem jungen Lebensgefährten. Schon manches Mal, kurz vor den jeweiligen Lebenswenden, hatte sie sich die Frage gestellt: "Was, das soll alles gewesen sein?" Sieht fast so aus, als müsste man nur immer in Bewegung bleiben, damit gute Dinge geschehen können.

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