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Der Mann, der in Vehlen Fakten schafft

Landkreis (ab). Nein, nein, an einem Porträt seiner Person in der Zeitung möchte er lieber nicht mitwirken, sagt Georg von Luckwald. Das Thema Gesamtklinikum Schaumburger Land sei schließlich „nicht einfach“, ja geradezu „anspruchsvoll“. Da bleibe er lieber „misstrauisch“.

veröffentlicht am 12.07.2012 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 07.12.2012 um 15:07 Uhr

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So ist dieses Porträt des Landschaftsarchitekten Georg von Luckwald entstanden, ohne mit Georg von Luckwald länger gesprochen zu haben, als ein unerquickliches Telefonat nun mal dauert. Zum einen könnte er als Fachmann sicher gut auseinanderklamüsern, wie man ein Bauwerk so in eine Landschaft pflanzt, dass der Nutzen den Schaden deutlich überwiegt – und zwar losgelöst von dem politischen Streit, der das Projekt belastet. Zum anderen liefern die Auftritte des Georg von Luckwald Hinweise darauf, dass er das mit dem Erklären komplizierter Zusammenhänge beherrscht.

Wer also ist Georg von Luckwald? Sein „LandschaftsArchitekturbüro“ mit Sitz in Hameln gibt es ausweislich der Internetseite seit 1985; unter anderem arbeiten in dem Büro fünf Landschaftsarchitekten. Mithilfe der „querschnittsorientierten Fachkenntnisse der Mitarbeiter“ könne man „das gesamte Spektrum umweltbezogener Ingenieurleistungen von der Landschaftsarchitektur über die städtebauliche Planung bis zu Wasserwirtschaft und Tiefbau abdecken“. Über 500 Projekte hat das „LandschaftsArchitekturbüro“ laut Selbstauskunft bislang abgearbeitet. Als Referenz-Objekte hebt man die Planung eines Forschungszentrums in Hannover und eines Werks zur Herstellung von Blutplasma in Springe hervor.

In Schaumburg ist Georg von Luckwald nicht nur damit befasst, das Gesamtklinikum auf festen Grund zu stellen. Er betreut auch den Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens in Südhorsten und die Anlage einer Naturschutzfläche in Nienstädt; zudem kümmert er sich im Nienstädter Auftrag um die Erschließung „Im Winkel“.

Vehlener Feldmark: Hier soll 2013 die Großbaustelle für das Klinikum entstehen. Fotos: rnk

Aber was ist denn nun eigentlich Landschaftsarchitektur? Die Antwort liefert ein Verband, der sich vor fast 100 Jahren in Frankfurt als „Bund Deutscher Gartenarchitekten“ gründete und heute als „Bund Deutscher Landschaftsarchitekten“ (bdla) firmiert. Die Namensänderung macht eigentlich schon deutlich, was Landschaftsarchitektur früher war und was sie heute darstellt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts ging es vor allem darum, Gärten und Volksparks anzulegen; Grünkünstler wie Peter Joseph Lenné stehen für diese Ausrichtung. Heute ballen sich die Fachwörter, wenn der bdla umschreibt, auf welchen Gebieten sich Mitglieder wie Georg von Luckwald tummeln. Hier ein Auszug: Objekt- und Freiraumplanung, Sport-, Spiel- und Freizeitanlagen, Stadt- und Bauleitplanung, Dorfentwicklung, Raumordnung, Gartendenkmalpflege, Projektsteuerung, Moderation.

Und was ist Georg von Luckwalds Aufgabe beim Gesamtklinikum Schaumburger Land? Er „überplant“ die Vehlener Feldmark, die derzeit noch aus ein paar Äckern, ein paar Feldwegen und einem Bach besteht, sodass dort ein voll funktionsfähiges 130-Millionen-Euro-Klinikum arbeiten kann, in dem mehr als 400 Betten stehen. Dazu zählen die Ver- und Entsorgung des Gebäudes, aber auch die Verkehrswege: Das Ding muss schließlich leicht – im Notfall sogar eilig – erreichbar sein. Außerdem darf das Klinikum nicht wie ein Fremdkörper auf dem Land lasten. Einige Anrainer schätzen die Feldmark schließlich für das, was Planer mit „Naherholung“ umreißen. Den Auftrag hat Georg von Luckwald von der Stiftung Krankenhaus Bethel aus Bückeburg bekommen, die das Klinikum führen soll.

Die Planung des Gesamtklinikums Schaumburger Land leidet unter Aufschüben und Verzögerungen. Das hat nichts mit Georg von Luckwald zu tun. Schuld ist die wirtschaftliche Verdrückung, in die das Projekt geraten ist. Der Stand der Dinge in Sachen Planung: Der für die Bauleitplanung zuständige Rat Obernkirchen hat den Flächennutzungsplan geändert, sodass man dort Menschen heilen darf, statt Felder zu beackern. Auch den Bebauungsplan, auf dessen Grundlage das Klinikum in die Höhe gezogen werden soll, hat der Rat inzwischen glatt befürwortet. Im Frühjahr 2013 soll Baubeginn sein, so die offizielle Sprachregelung.

Nicht beendet ist derzeit noch das Planfeststellungsverfahren, auf dessen Grundlage die Kreisstraße 73 von Ahnsen umgestaltet wird. Sie soll den Verkehr zum Klinikum regeln. Dieses Verfahren betreut der Landkreis Schaumburg, weil die Gemeinde Ahnsen sich nicht in der Lage sah, ein fachlich derart kompliziertes und politisch strittiges Verfahren durchzuführen. Ein Ahnser Politiker, überzeugter Pro-Vehlen-Mann, sagt: „Es wird Jahre dauern, die Gräben wieder zuzuschütten, die die Klinikumsplanung bei uns im Ort aufgerissen hat.“ Das Beispiel illustriert: Georg von Luckwald bewegt sich in der Vehlener Feldmark auf vermintem Gelände.

Als der Obernkirchener Ausschuss für Stadtentwicklung und der Vehlener Ortsrat jüngst die Einwendungen von Bürgern und Behörden gegen den Bebauungsplan wägen, ist die Atmosphäre nicht mehr ganz so hitzig wie noch vor Monaten. Auf den Ausschuss- und Ratsstühlen sitzen fast ausschließlich Befürworter des Projekts, auf den Zuschauerstühlen sitzt ein knappes Dutzend Mitglieder von „Landschaftsschutz Schaumburg“. Die sind gegen den Standort Vehlen. Man kennt sich vom Gartenzaun, man kennt die Argumente des anderen aus vielen, vielen Sitzungen. Dass aber immer noch Gift im Thema steckt, wird deutlich, als sich Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer zwischendurch mit ein paar erklärenden Worten an die Besucher richtet. Was er sagt, ist nur gut gemeint, zudem ist es weder inhaltlich wichtig noch politisch brisant. Trotzdem zischt ihn ein Teil der Vehlen-Gegner sofort aus: „Traurig ist das!“

Wir erinnern uns an die Berufsbeschreibung von Landschaftsarchitekten, die deren Verband formuliert hat: „Moderator“ soll so ein Architekt heutzutage unter anderem sein. Wie also verhält sich Georg von Luckwald im Streit um das Gesamtklinikum Schaumburg?

Seine Rolle ist klar definiert: Er ist von der Stiftung Krankenhaus Bethel eingekauft worden, um die Vehlener Feldmark planerisch auf den Klinikumsbau vorzubereiten. Bei der Sitzung von Rat und Ausschuss trägt Georg von Luckwald die Einwendungen einzeln vor. Für jede Wortmeldung steht er auf. Mit ruhiger Stimme erklärt er den Sachverhalt, den ein Beamer in geraffter Form an die Wand des Dorfgemeinschaftshauses projiziert. Der Mann spricht ein klares, bürgernahes Deutsch. Wenn sich doch mal ein Fachausdruck aus der Welt der Landschaftsarchitektur oder des Planungsrechts in seine Rede verirrt, merkt er das selbst und erklärt ihn.

Der Landschaftsarchitekt Georg von Luckwald hat kein politisches Mandat. Zugespitzt könnte man sagen, dass er im Dschungel der Meinungen und Gerüchte den Faktenmann geben soll. Zumindest in öffentlicher Sitzung achtet er peinlich genau darauf, seine Rolle nicht zu überdehnen. Wenn Politiker nachfragen, schickt Georg von Luckwald seiner Antwort oft den Zusatz hinterher: „... aber das entscheiden letztlich Sie!“ Man muss schon sehr, sehr genau die Ohren spitzen, um aus einer Luckwald-Antwort herauszuhören, dass er Ungemach für seine Auftraggeber wittert; aber vielleicht bildet man sich das auch nur ein.

Als Georg von Luckwald alle Einwendungen referiert hat, setzt er sich wieder hin, damit die Vorsitzenden die Beschlussempfehlung zu der jeweiligen Einwendung vortragen können. Die Einwendungen werden fast ausnahmslos verworfen.

Geduld ist nicht die geringste der Eigenschaften, die Georg von Luckwald in derartigen Sitzungen abgefordert wird. Manch ein Lokalpolitiker verliert das große Ganze aus dem Blick, das sich so umschreiben lässt: Wie regelt der Landkreis Schaumburg künftig die gesundheitliche Versorgung seiner Bürger, wenn sie ins Krankenhaus müssen? Stattdessen verbeißen sich Rat und Ausschuss mit Hingabe in einen Streit darüber, ob die Stadt Obernkirchen oder der Klinikum-Betreiber das Gras auf solchen Flächen mähen müssen, die zum Ausgleich für das landverschlingende Klinikum ausgesucht wurden.

Wer ein bisschen herumfragt, was die Beteiligten von Georg von Luckwalds Art halten, den Planungsprozess zu moderieren, bekommt den nächsten Beweis geliefert, wie streitbeladen das Thema Gesamtklinikum ist: Die Vehlen-Befürworter loben ihn, die Vehlen-Gegner kritisieren ihn. „Sehr sachlich und fachlich versiert“ habe er die Gremien der Stadt beraten, sagt Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer. „Die Zusammenarbeit“, so Schäfer weiter, „kann man nur als professionell bezeichnen.“ Jörg Hake und Martin Schulze-Elvert, die Vorsitzenden der SPD- und der CDU-Fraktion im Obernkirchener Rat, lassen Anfragen unbeantwortet. Weil beide Fraktionen öffentlich stramm auf „Vehlen“-Kurs sind, darf man aber wohl davon ausgehen, dass sie die Meinung des Bürgermeisters teilen.

Dasselbe gilt für die Stiftung Krankenhaus Bethel, in deren Auftrag Georg von Luckwald tätig ist. Eine an Geschäftsführer Claus Eppmann gerichtete Interview-Anfrage stößt auf taube Ohren. Von Unzufriedenheit der Bethelaner mit ihrem Landschaftsarchitekten ist bislang allerdings nichts nach außen gedrungen.

Christina Steinmann dagegen, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Obernkirchener Rat, übt Kritik an Georg von Luckwald: „Er stellt die Entscheidung für Vehlen stets als ,alternativlos‘ dar, was ich für schlicht falsch halte.“ Vor allem auch als Sprecherin der Initiative „Landschaftsschutz Schaumburg“ zählt Christina Steinmann zu den Standort-Vehlen-Gegnern. „Bei von Luckwald ging es immer in eine Richtung – und zwar in die, die ihm seine Auftraggeber vorgegeben haben.“ Dezente Zweifel an den Inhalten, die der Planer vertritt, dringen sogar aus den Fraktionen von SPD und CDU. Diese Stimmen wollen jedoch anonym bleiben, um das grundsätzliche Ja im Obernkirchener Rat nicht anzukratzen.

Wer die Landwirte befragt, auf deren Grundstücken das Gesamtklinikum gebaut werden soll, erntet zunächst einhelliges Lob: Zweifelsohne kenne sich Georg von Luckwald in der heutigen Welt der Bauern gut aus. Die Urteile über seinen Verhandlungsstil reichen dann allerdings von „jederzeit fair“ bis zu „setzt schnell die Daumenschrauben an“.

Überraschen kann das kaum: Der eine Landwirt steht nun mal stärker unter Druck als der andere. Die künftigen Betreiber haben mit von Luckwalds Hilfe inzwischen fast alle Flächen beieinander, die sie für das Klinikum benötigen. Wer weiß, wie schwer sich Landwirte von der eigenen Scholle trennen, der ahnt, dass der Landschaftsarchitekt – aus Sicht seines Auftraggebers – nicht allzu viel falsch gemacht haben kann.

Merkwürdig erscheint allerdings der Fakt, dass es der Landschaftsarchitekt Georg von Luckwald ist, der mit den Landwirten um Äcker feilscht. Eigentlich müsste diese Aufgabe Claus Eppmann stemmen. Er ist Geschäftsführer der Krankenhausprojektgesellschaft, die den Bau des Klinikums vorbereitet, und er ist Geschäftsführer der Stiftung Krankenhaus Bethel, die das Klinikum betreiben soll.

Eppmann, so ist zu hören, kommt erst auf den Hof, wenn die Verträge unterschriftsreif sind. Jene Landwirte, die sowohl Eppmann als auch von Luckwald kennengelernt haben, sagen allerdings unisono: Wir verhandeln lieber mit Georg von Luckwald als mit Claus Eppmann.



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