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Neues Buch dokumentiert "Geschichte der Erziehung und Bildung in Schaumburg" / Exemplarisches Beispiel

"Der Lehrende sagt alles vor, der Lernende immer ja"

Bückeburg (mig). Pisa, Pisa und kein Ende: Auch in einem neuen Bericht der OECD kommt das deutsche Bildungssystem nicht gut weg. Dass die Kritik am Schulwesen fast so alt ist, wie das Bildungssystem selbst, dokumentiert die gerade erschienene "Geschichte der Erziehung und Bildung in Schaumburg". Der 612 Seiten starke Band ist das Ergebnis des 6. Kolloquiums der Historischen Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg und beschäftigt sich in vier Abschnitten mit "Erziehern und Medien", "Universitäten und Volkshochschulen", "Standeserziehung und berufliche Bildung" und dem "Allgemeinbildenden Schulwesen".

veröffentlicht am 27.02.2009 um 10:37 Uhr

"Was lange währt...": zwei Jahre nach der Tagung erscheint jetzt

Bildung und Erziehung: Es sind vor allem diese beiden Bereiche, in denen Bewahrer und Erneuerer, Traditionalisten und Revolutionäre aufeinander prallen. Während sich im 18. Jahrhundert Rousseau gegen den Rohrstock wehrte, kämpfen heute Internats-Ideologen gegen IGS-Idealisten. Schon Herder hat diese leidvollen Erfahrungen als Aufseher der Schaumburger Stadtschulen machen müssen (nachzulesen im Aufsatz: "Herder als Pädagoge" von Dr. Roswitha Sommer): "Hier (in Bückeburg) aber wisse der Lehrer alles und der Lernende nichts: Jener sagt alles vor, und dieser nur immer ja", geißelte der Aufklärer die konservativen Besitzstandwahrer in seiner Abschiedspredigt. Auch die Texte von Dr. Helge Bei der Wieden ("Humanistische Bildung im 16. und 17. Jahrhundert") und Dr. Stefan Brüdermann (beide Bückeburg) lassen erahnen, dass selbstständiges Denken an Schaumburger Schulen nicht immer erwünscht war. So kommt Brüdermann in seinem Text "Schaumburg-Lippes ländliche Elementarschulen im 18. Jahrhundert" zum Schluss: "Während der aufklärerische Graf (gemeint ist Graf Wilhelm) die Bauern zum Selbst-Denken ermuntern wollte, mochte ihnen sein Regierungsapparat nicht einmal ausgebildete Lehrer zumuten". Trotz aller Widerstände setzte sich aber auch in Schaumburg ein breites Bildungs- und Schulwesen durch, das den Schüler (und später auch den Erwachsenen) ernst nahm. In insgesamt 17 Texten wird der lange Weg bis zur eigenverantwortlichen Bildung abgeschritten: von der Regentenerziehung bis zu sechs Jahrzehnten Volkshochschule. "Insgesamt waren wir bisher von einem befriedigenden Forschungsstand der Bildungsgeschichte in Schaumburg weit entfernt", so Höing, "erst das 6. Kolloquium hat diese Lage verbessert und die gesamte Breite Schaumburger Bildungsgeschichte in den Blick genommen." Neben der beeindruckenden Materialfülle, freute sich der Vorsitzenden der Historischen Arbeitsgemeinschaft auch über die "hervorragende" Ausstattung des Werks (42 Abbildungen und Broschierung). "Dieser Band ist der bisher umfangreichste", bedankte sich Höing bei der Schaumburger Landschaft und der Stiftung Sparkasse Schaumburg für die finanzielle Unterstützung. Sekundiert wurde er von Olaf Eimer (Verlag für Regionalgeschichte), der die "lebendige Geschichtsforschung" im kleinen Schaumburg mit den Worten lobte: "Die hat kaum ein anderer niedersächsischer Landkreis." Die literarische Zeitreise vom 16. Jahrhundert ("Humanistische Bildung") bis ins 20. Jahrhundert ("Landfrau im Internet") ist dank seiner guter Verständlichkeit auch für fachkundige Amateure und Schüler geeignet. Lernen lässt sich so einiges aus dem "Wälzer": Die parabolische Vorgehensweise der 17 Autoren macht Schaumburg zum Spiegel deutscher Bildungsgeschichte. Erschienen ist das Buch im Verlag für Regionalgeschichte unter dem Titel: Zur Geschichte der Erziehung und Bildung in Schaumburg (Hubert Höing (Hg.), Schaumburger Studien 69, ISBN 978-89534-699-6, gebunden, 612 Seiten, 42 Abbildungen, 39 Euro.



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