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Warum BHW und Wüstenrot so verbissen um den Platz zwei im Bausparmarkt kämpfen

Der harte Prestige-Kampf zweier Giganten

Hameln (TT). Ring frei für BHW und Wüstenrot: Die beiden Bausparkassen streiten derzeit darum, wer auf dem deutschen Markt die Nummer zwei hinter dem Branchenprimus Schwäbisch Hall ist. Wüstenrot hatte letzte Woche vermeldet, BHW überholt zu haben – BHW konterte gestern und besteht darauf, von seiner Größe, Bedeutung und Marktmacht nichts eingebüßt zu haben.

veröffentlicht am 28.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Die Hamelner Postbank-Tochter BHW hat nach eigener Darstellung 2009 in einem insgesamt schrumpfenden Markt Boden gutgemacht. Das Netto-Neugeschäft der Postbank-Tochter ging im Vergleich zum Rekordjahr 2008 zwar um 4,2 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro zurück, wie BHW mitteilte. Aber aufgrund der Schwäche einiger Konkurrenten haben die Hamelner ihren Marktanteil dennoch von 10,2 auf 10,9 Prozent gesteigert. Der Rückgang im Neugeschäft sei zu erwarten gewesen, sagte Vorstandschef Hans-Joachim Gasda. Schließlich seien ein Jahr zuvor die Kunden in der Finanzkrise scharenweise in sichere Anlagen wie Bausparverträge geflohen – dieser Boom ist mittlerweile jedoch abgeflaut. „Wir haben in einem insgesamt schwierigen Umfeld Marktanteile gewonnen. Dabei waren die Rekordneugeschäftszahlen aus 2008 nicht wiederholbar“, zieht Gasda sein Fazit.

Bei der seit langem unangefochtenen Nummer eins, Schwäbisch Hall, brach das Neugeschäft 2009 um mehr als ein Fünftel auf 25,2 Milliarden Euro ein. Der Marktanteil der „Bauspar-Füchse“ ging um zwei Punkte auf 28 Prozent zurück. Die zum Stuttgarter Finanzkonzern W&W gehörende Wüstenrot profitierte von der Übernahme der Vereinsbank Victoria Bauspar und legte deshalb beim Netto-Neugeschäft um 5,6 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro zu.

Für das laufende Jahr hofft BHW-Chef Gasda wieder auf Zuwächse: „Wir erwarten 2010 eine Normalisierung des Bausparmarktes.“ Hoffnungen setzt er in die 2008 eingeführte staatlich geförderte Eigenheim-Rente („Wohn-Riester“). BHW wolle sich von dem Kuchen zehn Prozent abschneiden.

Im vergangenen Jahr hat BHW 333 000 Bausparverträge über die Summe von 9,7 Milliarden Euro abgeschlossen. Die durchschnittliche Bausparsumme erhöhte sich um sieben Prozent auf 29 100 Euro. Erfreulich habe sich auch der Spargeldeingang entwickelt, berichtete BHW weiter. Die gesamten Bauspareinlagen seien von 15,9 auf 16,1 Milliarden Euro gewachsen. Insgesamt habe BHW im Geschäftsjahr 2009 Baufinanzierungen von rund 5,6 Milliarden Euro (Vorjahr 6,1 Milliarden) zugesagt und gehört damit weiterhin zu den führenden Baufinanzierern in Deutschland. BHW betreut rund drei Millionen Kunden mit 4,1 Millionen Bausparverträgen über ein Volumen von 106,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Marktführer Schwäbisch Hall betreut 6,7 Millionen Kunden mit 7,1 Millionen Verträgen über ein Bausparvolumen von 215 Milliarden Euro.

Der Baufinanzierer der Postbank sieht insgesamt seine Strategie bestätigt. Auch bei der Baufinanzierung sieht sich BHW auf dem richtigen Weg. „Wir sind bei den bausparunterlegten Darlehen weiter stark gewachsen und haben uns auf profitables Wachstum im Baufinanzierungsneugeschäft konzentriert“, so Gasda. BHW hat die Finanzierung von Renovierungs- und Modernisierungsvorhaben ausgeweitet und dabei verstärkt Darlehen für Maßnahmen zur Energieeinsparung gewährt, der Anteil der bausparunabhängigen Finanzierungen in diesem Segment erhöhte sich von 27 auf 33 Prozent.

Was die Hamelner Bausparkasse im vergangenen Jahr unter dem Strich verdient hat, wollten gestern weder Gasda noch die Pressestelle in Einzelheiten verraten. BHW-Sprecher Rüdiger Grimmert erklärte auf Nachfrage: „Es ist auf alle Fälle ein positives Ergebnis, das voraussichtlich über dem Vorjahresergebnis liegt. Mehr können wir im Moment aber noch nicht sagen. Ende Februar wird die Bilanz der Postbank vorgestellt, darin sind dann auch Zahlen für BHW enthalten.“

2008 hatte die BHW Bausparkasse als „ein Erfolgsjahr“ verbucht. Das Ergebnis vor Steuern und vor Gewinnabführung betrug damals 15,8 Millionen Euro und lag damit unter dem Wert von 2007 in Höhe von 26,8 Millionen Euro. Mit 12,4 Milliarden Euro Bausparneugeschäft war das Vorjahresergebnis um 10,5 Prozent übertroffen worden. Bei den Baugeld-Auszahlungen hatte die Bausparkasse mit gut 8,3 Milliarden Euro einen um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbesserten Rekordwert erzielt.

Zweikampf um Platz zwei: BHW und Wüstenrot kämpfen im Bausparmarkt mit harten Bandagen.

Fotomontage: Wal



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