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Pastor Hans-Joachim Lange wird dort in den Ruhestand verabschiedet, wo er einst begann: in Kathrinhagen

"Der Glaube hilft im Leben und im Sterben"

Auetal/Rinteln. Wenn Hans-Joachim Lange am 26. Januar in Kathrinhagen in den Ruhestand verabschiedet wird, dann schließt sich ein Kreis. Schließlich hat er hier einst seine berufliche Laufbahn begonnen, als Pastor in Kathrinhagen.

veröffentlicht am 18.01.2008 um 00:00 Uhr

Auch wenn Hans-Joachim Lange am 26. Januar in Kathrinhagen in de

Autor:

frank westermann

Geboren 1943 in Lübeck, Abitur, danach das Studium der Theologie, Philosophie und Soziologie in Bielefeld, Heidelberg, Zürich und Münster, Staatsexamen 1968 - und nach der Heirat im gleichen Jahr kam er nach Rinteln, wo er als Vikar erste Erfahrungen im Dienste der Kirche sammeln durfte. In Kathrinhagen haben sie Lange mit offenen Armen empfangen. Sein Vorgänger war 32 Jahre im Amt, "machen Sie was Neues", haben sie damals zu ihm gesagt. Und Lange ließ sich nicht zweimal bitten. Konfirmanden- und Bibelfreizeiten hat er aufgebaut, in der Jugendarbeit hat er sich schon damals stark engagiert, Ehrenamtlichezu Lektoren und Prädikanten ausgebildet, die selbstständig Gottesdienste leiten. 1984, während eines Studiensemesters in Göttingen, hat Lange dann erfahren, dass in Kathrinhagen die halbe Stelle gestrichen wird. Er ist daher nach Todenmann gewechselt, wo es zwar auch nur eine 50-prozentige Stelle gab, aber dazu kam der Urlauberdienst, die "Kirche unterwegs" und die Kurseelsorge in der Geschäftsführung des "Arbeitskreises Weserbergland/Mittelweser", Kirche im Tourismus im Haus kirchlicher Dienste. Im Kirschendorf haben sie ihn ebenfalls mit offenen Armen empfangen, "das war ja auch ein Dorf für sich", erinnert sich Lange gerne. Ihm hat es dort gefallen, auch, weil es dort eine gut aufgebaute Jugendarbeit gab, die er weiterentwickeln konnte. Dass sie im Laufe der Jahre zurückging, ist der gesellschaftlichen Entwicklung, der Autonomie der Jugendlichen zuzuschreiben: "Sie möchten selber entscheiden, was sie machen. Und damit fehlt die Verlässlichkeit. Wie im Sport ist aber die Jugendarbeit auf Verlässlichkeit angewiesen. Das gilt noch stärker, wenn die Jugendlichen für andere tätig sein sollen, wie bei "Kirche unterwegs". Trotzdem: An die engagierte Arbeit der Jugendlichen in den 70er und 80er Jahren, als er noch Kreisjugendpastor war, denkt er gern zurück. Das Engagement ist ihm damals verstärkt auch am Doktorsee aufgefallen, wo die Jugendlichen die "Kirche unterwegs" vertraten. Natürlich hat sich die Kirche in den vier Jahrzehnten seit seinem Staatsexamen verändert: "Sehr viele Menschen denken heute einzeln oder in kleinen Gruppen über den Glauben neu nach." Die Kirche sei missionarischer geworden in all' den Jahren und vielfältiger, kreativer. In welchem Sinne? "Heute wird stärker betont, dass die Menschen eingeladen sind, das mit dem Glauben zum Beispiel im Urlaub auszuprobieren." Lange war Zeit seines Lebens jemand, der einen Schritt weiter dachte, der sich neu erfand, um sich treu zu bleiben. Schon 1987 warb er für Kirchenöffnungen außerhalb der Gottesdienste für die Gemeinde und für touristische Gäste und auch seine Anregung, in Heften für die Touristen die evangelischen Kirchen als Stätten der Begegnung und der Besinnung darzustellen, wurde von der Landeskirche gerne aufgegriffen. Als eine halbe Stelle für den Urlauber und Kurgastdienst im Osnabrücker Land und im Kirchenkreis Emsland-Bentheim vakant wurde, hat er sich dort ebenfalls beworben und wie im Weserbergland die Strukturen für einen durch Ehrenamtliche geleisteten gemeindeorientierten Urlauber- und Kurgastdienst aufgebaut. 1993 hat er zudem noch einen Lehrauftrag für Soziologie (besonders Soziologie der Freizeit) übernommen "und einschließlich der Prüfungsverpflichtungen mit großer Freude bis 2001 durchgeführt". Auch, wenn Lange, den alle nur Jochen nennen, heute die Welt mit seiner fast 65-jährigen Erfahrung nicht mehr ganz so ernst nimmt und ein bisschen spottet über die Fülle von Lifestyles, die angeboten werden, damit sie überhaupt in der Welt sind, denn nicht mehr auf den Inhalt, sondern auf die Verpackung komme es ja heute an, so ist Lange doch von einem tief überzeugt: "DerGlaube hilft im Leben und im Sterben." Und wenn er von Arend de Vries in den Ruhestand verabschiedet werden soll, langweilig wird es ihm nicht werden: Die wissenschaftliche Arbeit, die er immer gern getan hat, bleibt. Vorträge, weitere noch zu verfassende Aufsätze warten: "Solange es Gott gefällt, mich in diesem Leben zu lassen." Denn Zeit ist Gnade. Hans-Joachim Lange weiß das.



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