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Ex-Fraktionschef spricht von "Ellenbogenfraktion" / Keine Kandidatur mehr

Der Frust sitzt tief: Horst Requardt will der CDU den Rücken kehren

Rinteln (wer). Offene Gräben in Rintelns CDU. Horst Requardt, ehemaliger Fraktionschef der Partei, will für kein Mandat mehr antreten. Sichtlich frustriert zog Requardt gestern im Gespräch mit unserer Zeitung nach 15 Jahren in Ortsrat, Stadtrat und Kreistag einen Schlussstrich unter seine politische Karriere. Teilen der Partei wirft er Ellenbogenmentalität vor: "Das ist nicht mehr die Partei, für die ich lange Jahre Fraktionsvorsitzender war."

veröffentlicht am 20.04.2006 um 00:00 Uhr

Requardt reagiert auf die Listenvorschläge des Stadtverbandsvorstandes. Die Einlistung der Kandidaten hat parteiintern zu heftigen Diskussionen geführt. Vor allem die Kreistagsliste war umstritten und gab Anlass zu Wortgefechten. Im Ergebnis will der CDU-Vorstand nach Informationen unserer Zeitung mit Franz-Josef Stöckl auf dem ersten Listenplatz in den Kreistagswahlkampf ziehen, auf den folgenden Plätzen stehen Udo Schobeß, Dagmar König, Günther Maack, (bislang) Horst Requardt, Martin Zerth und Ulrich Goebel. In der Regel schaffen es drei Rintelner in den Kreistag, davon nur einer über die Liste. Das letzte Mal stand Dagmar König auf dem ersten Listenplatz. Die Abgeordnete, auf der entscheidenden Sitzung selbst mit Grippe im Bett, wurde nach erregter Debatte zunächst auf Platz zwei, dann auf Platz drei abgestuft. Auch Requardt erhielt nur einen hinteren Platz. Dafür haben die anwesenden Vorstandsmitglieder Udo Schobeß auf den sicheren zweiten Listenplatz gesetzt. Für die bisherigen Kreistagsmitglieder ein Affront. "Ich bin nicht bereit, das mitzumachen", wirft Requardt das Handtuch. Ohne Namen zu nennen, kritisiert er die "Ellenbogenfraktion" in der Partei. Leute aus dem "zweiten Glied" seien in den Vordergrund gedrängt worden, die "die Kreispolitik nie mitgeprägt haben". Vor allem an Udo Schobeß entzündet sich Streit. Das gemeinsam mit Bürgermeisterkandidat Dr. Marc Lemmermann vorgestellte Konzept "Rinteln Anno 2030" hat bei vielen CDU-Ratsmitgliedern nur Kopfschütteln ausgelöst. In der internen Bewertung gilt der Entwurf nicht gerade als Kompetenznachweis. Einen Fürsprecher soll Schobeß im Vorstand dagegen vor allem in Ortsbürgermeister Ulrich Goebel gefunden haben. Requardt hatüber seinen Rückzug länger nachgedacht, er kehrt gerade aus einem Karibikurlaub zurück. Und lässt verlauten, dass er selbst im Ortsrat Steinbergen für keine weitere Legislaturperiode zur Verfügung stehe. Nur noch bis zur Kommunalwahl wolle er seine Mandate ausüben, dann der Politik den Rücken kehren. Auch Dagmar König ist enttäuscht über die Listenvorschläge des Vorstandes. Sie hat noch nicht entschieden, ob sie an ihren Kandidaturambitionen festhält: "Ich überlege noch", erklärt sie auf Anfrage unserer Zeitung. Am 26. April entscheiden die Mitgliederüber die Listenvorschläge des Vorstandes. Die Sitzung könnte turbulent werden. CDU-Stadtverbands- und Fraktionschef Thorsten Frühmark war gestern nicht mehr zu erreichen. Er hat schon vor längerer Zeit intern angekündigt, für den Vorsitz des Stadtverbandes nicht mehr anzutreten. Mit der Wahleines neuen Parteivorsitzenden kann sich die CDU indes bis nach der Kommunalwahl am 10. September Zeit lassen.

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