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Problem bei der Erlebniswelt Renaissance / Krisensitzung des Aufsichtsrates / Bücher werden geprüft

Der EWR fehlen schon wieder 650 000 Euro

Weserbergland (ni). Neue Hiobsbotschaft aus der Erlebniswelt Renaissance: "Es fehlt Geld, viel Geld. Wir haben ein Riesenproblem", heißt es aus den gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen. Details sind nicht in Erfahrung zu bringen. Der Aufsichtsrat, der Montag zu einer Krisensitzung zusammentrat, hat Stillschweigen vereinbart. EWR-Geschäftsführer Thomas Gersmeier hält sich strikt daran; Gerüchte kursieren trotzdem.

veröffentlicht am 19.10.2006 um 00:00 Uhr

Die Erlebniswelt Renaissance schwebtüber Hameln - stürzt sie ab?

Der Aufsichtsratsvorsitzende, Hameln-Pyrmonts Landrat Rüdiger Butte, bestätigt lediglich, dass der Aufsichtsrat der EWR GmbH getagt habe, "weil eine weitere Finanzierungslücke aufgetaucht ist". In den nächsten Wochen sollen laut Butte alle Unterlagen "geprüft" werden. Am 2. November werde der Aufsichtsrat erneut zusammenkommen "und die notwendigenBeschlüsse fassen". Wie ein Mitglied des Aufsichtsrates bestätigt, handelt es sich bei der neuen Finanzierungslücke um einen Betrag von 650 000 Euro. Das Geld soll unter anderem als Abschlagzahlungen an die m.a.k.-Gruppe gegangen sein, die als Generalunternehmer für die Planung und Realisierung des Tourismusprojektes EWR verantwortlich war - bis sie Ende 2005 Insolvenz anmelden musste. Die den Zahlungen entsprechenden Gegenleistungen in Form von Exponaten - wohl hauptsächlich für die EWR-Standorte Bückeburg und Bevern - sollen nicht geliefert worden sein. Völlig ungeklärt scheint zurzeit zu sein, warum der Fehlbedarf erst jetzt "entdeckt" wurde und nicht schon auffiel, als die EWR im Juli dieses Jahres mit betriebswirtschaftlicher Hilfe der Weserbergland AG angeblich schonungslosen Kassensturz machte. Der daraufhin entwickelte "Masterplan" sah eineneuerliche Finanzspritze in Höhe von einer Million Euro als erforderlich an, um das Überleben der EWR bis Ende 2007 abzusichern (wir berichteten). 500 000 Euro sagte das niedersächsische Wirtschaftministerium zu - unter der Bedingung, dass die Landkreise Hameln-Pyrmont, Schaumburg und Holzminden als die drei Gesellschafter der EWR GmbH die gleiche Summe beisteuern. Am 18. Juli stimmten die Mitglieder des Hameln-Pyrmonter Kreistages zähneknirschend einer Vorlage der Verwaltung zu, der EWR noch einmal mit 300 000 Euro unter die Arme zu greifen. Weitere 200 000 Euro, so erklärte Landrat Rüdiger Butte damals, seien von den beiden Mitgesellschaftern zwar noch nicht beschlossen, aber doch in Aussicht gestellt. Der Hameln-Pyrmonter Kreistag machte seinerzeit unmissverständlich deutlich, dass dies der letzte tiefe Schluck aus der Pulle sein werde, den er der EWR genehmigen will. Zumal da der Landkreis Hameln-Pyrmont in Sachen Erlebniswelt vor den Banken ohnehin schon für übernommene Bürgschaften in Hohe von mehr als zwei Millionen Euro gerade zu stehen habe. Wie gestern aus dem Kreis des Aufsichtsrates verlautete, war man in diesem Gremium "mehr alsüberrascht", gerade mal drei Monate nach der (vermeintlichen) Abwendung eines finanziellen Desasters für das Prestigeprojekt mit einer erneuten Finanzierungslücke in so beträchtlicher Höhe konfrontiert zu werden. Dem Vernehmen nach sollen sich jetzt Finanzexperten aus dem Hameln-Pyrmonter Kreishaus und versierte Banker die Bücher der EWR vornehmen und dem Aufsichtsrat am 2. November Bericht erstatten. Kommen die nach ihrer Prüfung aller Unterlagen zu dem Ergebnis, dass tatsächlich weitere 650 000 Euro für das Überleben der EWR nötig sind, hat die Politik den Schwarzen Peter. Entweder sie schießt noch einmal Geld nach - oder die EWR muss Insolvenz anmelden.

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