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Hamelner Bankchefs beruhigen die Anleger: Eine Inflation ist auf absehbare Zeit ausgeschlossen

Der Euro bröckelt – was passiert mit dem Geld?

Hameln/Brüssel. Kaum ist das von EU und Internationalem Währungsfonds geschnürte 750-Millionen-Hilfspaket auf die Reise geschickt, der Rettungsschirm für von Insolvenz bedrohte EU-Staaten gespannt, sinkt der Euro-Kurs weiter. Jetzt fürchten die Menschen um ihr Geld, haben sogar Angst vor einer Inflation. Eine solche Entwicklung sei zwar nicht auszuschließen, weil noch nicht absehbar ist, welches Ausmaß die Krise nähme und ob nicht noch andere Länder von einem Staatsbankrott bedroht werden könnten, die Gefahr allerdings sei relativ gering.

veröffentlicht am 12.05.2010 um 12:08 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Von Hans-Joachim Weiß

Hameln/Brüssel. Kaum ist das von EU und Internationalem Währungsfonds geschnürte 750-Millionen-Hilfspaket auf die Reise geschickt, der Rettungsschirm für von Insolvenz bedrohte EU-Staaten gespannt, sinkt der Euro-Kurs weiter. Jetzt fürchten die Menschen um ihr Geld, haben sogar Angst vor einer Inflation. Eine solche Entwicklung sei zwar nicht auszuschließen, weil noch nicht absehbar ist, welches Ausmaß die Krise nähme und ob nicht noch andere Länder von einem Staatsbankrott bedroht werden könnten, die Gefahr allerdings sei relativ gering. Auch in den Hamelner Kreditinstituten wird von einer drohenden Inflation nicht gesprochen. „Dafür gibt es nicht die geringsten Anzeichen“, sagen Friedrich-Wilhelm Kaup, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Weserbergland, und Markus Eimecke, Leiter des Investment- und Finanzcenters der Deutschen Bank Hameln, unisono.

„Ich habe volles Vertrauen in die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die ganz sicher weiter auf die Stabilität der Währung ausgerichtet sein wird“, unterstreicht auch Burkhard Balz (CDU). Der heimische Europaparlamentarier aus Stadthagen, ein gelernter Bankkaufmann, sieht die Milliardenhilfe trotz anhaltender Euro-Schwäche auch nicht verpufft: „Die Märkte schauen sich zunächst einmal an, wie sich die Hilfe der Staaten auswirkt. Das ist ein normaler Vorgang. Vom Verpuffen der Hilfe kann keine Rede sein.“ Allerdings fordert Burkhard Balz ein schnelles und schlüssiges Handeln der EU: „Neben der Währungsunion muss die Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich intensiviert werden.“ Inzwischen sei es so, dass die immer noch national ausgerichtete Politik innerhalb der EU den globalen Märkten hinterherlaufe, nicht mehr agieren, sondern zum Reagieren gezwungen werde. „Deshalb muss überlegt werden, wie in diesem Bereich Zusammenarbeit vertieft werden kann“, so Balz.

Dass die EU in der Vergangenheit falsche Prioritäten gesetzt und sich mehr der Krümmung von Gurken und Bananen denn der Stabilität des Euro zugewandt habe, schließt der Europapolitiker aus, räumt allerdings ein: „Die gelieferten Daten und Zahlen einzelner EU-Mitgliedsländer hätten schon intensiver angeschaut und überprüft werden müssen.“

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Markus Eimecke. Fotos: Dana

Wenn auch die Banker eine gewisse Nervosität ihrer Kunden nachvollziehen können, betonen sie, dass nach ihrem derzeitigen Kenntnisstand der Euro nicht in Gefahr sei. „Sparkassen arbeiten nach einem bewährten Geschäftsmodell, das ihnen stabile Betriebsergebnisse bei beherrschbaren Risiken ermöglicht. Sie verwenden die Gelder ihrer Kunden in erster Linie für die Vergabe von Wohnungsbaukrediten an Privatkunden in Deutschland und für die Vergabe von Geschäftskrediten an die mittelständischen Unternehmen in der Region“, unterstreicht Kaup. Zudem sichere der Haftungsverbund der Sparkassen-Finanzgruppe die Einlagen der Kunden zu einhundert Prozent. Auch Eimecke rät seinen Kunden, sich keine Sorgen zu machen, wenn es um die Geldanlage geht. Er warnt allerdings vor Geschäften, die mit einem zu hohen Risiko behaftet sind, und empfiehlt, auch Gold mit ins Portfolio zu legen. Der beste Schutz vor Inflation sei weiterhin, über einen Fonds auch in Sachwerte wie Immobilien oder Aktien zu investieren, unterstreicht Kaup.

Aktionärsschützer legen Kleinanlegern jedoch dringend erhöhte Wachsamkeit ans Herz. „Grundsätzlich ist es nie falsch, am Kapitalmarkt Ruhe und einen kühlen Kopf zu bewahren“, sagt Klaus Nieding vom Deutschen Anlegerschutzbund. Es komme aber stark darauf an, in welche Anlagen man investiert habe: „Wer in griechische Staatsanleihen investiert hat, der hat jetzt natürlich Schweiß auf der Stirn.“

Der Aktienmarkt reagiere besonders sensibel, „wenn eine Krise das Finanz- und Währungssystem insgesamt betrifft. Insofern sollte man als Aktionär jetzt hellwach sein. Nicht panisch, aber hellwach“, rät Nieding. „Die alte Strategie von Börsenlegende André Kostolany – ’Aktien kaufen, 30 Jahre lang vergessen, dann aufwachen und reich sein‘ – gilt nicht mehr.“

Für das Deutsche Aktieninstitut dagegen bedeutet die Griechenland-Krise noch lange nicht, dass Kleinaktionäre jetzt aus ihren Aktien flüchten sollten. Experte Franz-Josef Leven: „Ein Anleger, der kurzfristige Turbulenzen an den Märkten befürchtet, könnte versuchen, das jetzige Kursniveau zu sichern, indem er seine Aktien verkauft und später wieder einsteigt.“ Das Kunststück daran sei nur, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Wer dagegen die allerschlimmsten Konsequenzen der Griechenland-Krise erwarte – einen Währungsverfall oder gar eine Inflation – „der hätte einen guten Grund, jetzt in Aktien zu investieren“, findet Leven. Denn das sei besser, als viel Geld auf dem Konto liegen zu lassen. Dass der Dax trotz Griechenland-Krise bei etwa 6000 Punkten liege, deute darauf hin, dass Anleger – zumindest institutionelle – derzeit eher Aktien hielten oder kauften, anstatt sie abzustoßen.

Verbraucherschützer setzen auf die Politik, erwarten aber mehr als eine Garantie-Erklärung: „Die Bundesregierung muss die Finanzaufsicht stärken, damit Vertrauen in die Märkte zurückkehrt“, fordert Lars Gatschke von den Verbraucherzentralen. Zwar gebe es auch bei der Griechenland-Krise „chirurgische Noteingriffe, um die Katastrophe zu verhindern“. „Was wir Verbraucherschützer jedoch vermissen, ist ein Polizist, der auf internationalen Kapitalmärkten die Messerstecherei unterbindet und die Verbraucher vor den Folgen dieser Exzesse schützt.“



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