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Orangerie in Exten wird 200 Jahre alt – das soll mit einem großen Gartenfest gefeiert werden

Der Erbauer musste nach Amerika fliehen

Exten (wm). So um 1810 fand im Garten der Orangerie in Exten ein Duell unter Ehrenmännern statt, bei dem Gisbert von Wartenberg den französischen Präfekten der Stadt Rinteln erschossen hat. Die Obrigkeit fand es weniger ehrenhaft, von Wartenberg flüchtete nach Amerika und verkaufte das Anwesen für 40 000 Taler; von seiner Orangerie, die von Wartenberg hat erbauen lassen, hatte er nichts mehr. Eine Geschichte, die der Rintelner Hobbyheimatforscher Walter Maack aus Archiven ausgegraben und veröffentlicht hat.

veröffentlicht am 14.12.2009 um 10:40 Uhr

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Doch nicht das Duell vor 200 Jahren, sondern der 200-jährige Geburtstag dieses ganz besonderen Gartenhauses ist für Dietrich von Blomberg der Anlass, im nächsten Jahr, am 27. August, ein großes Gartenfest, ein „Jardin ouvert“ zu feiern, eine Landpartie in Exten.

Was Dietrich von Blomberg mit dem Orangerie-Erbauer gemein hat: Er war wie von Blomberg Seemann. Böse Zungen haben in Exten behauptet, von Wartenberg habe sein Geld für den Orangerie-Bau als Seeräuber verdient. Orangen sind in der Orangerie dann auch tatsächlich noch gezüchtet worden – von dem späteren Eigentümer, vor allem aber Myrtenbäume. Schaumburger Brautpaare bezogen aus Exten ihre Hochzeitskränze.

Rund hundert Aussteller hätten im nächsten Jahr im Park rund um die Orangerie Platz, hat von Blomberg schon mal ermitteln lassen, ehe er mit der Idee zu Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und Stefan Reineking, dem Vorsitzenden des Marketingvereins Pro Rinteln gegangen ist. Beide haben ihre Unterstützung zugesagt.

Auch erste Aussteller haben schon Interesse angemeldet, so Slow Food, das regionale Produkte vertreibt und sich dem Motto verschrieben hat: „Ich möchte die Geschichte einer Speise kennen. Ich möchte wissen, woher die Nahrung kommt. Ich stelle mir gerne die Hände derer vor, die das, was ich esse, angebaut, verarbeitet und gekocht haben.“

Landpartien sind übrigens nicht in Bückeburg erfunden worden, sondern auf Schloss Ibbenbüren, und seitdem haben sich die Verkaufsausstellungen unter freiem Himmel ein großes Publikum erobert.

Von Blomberg betont, Park und Orangerie mit zusammen rund 20 000 Quadratmetern Fläche und unverwechselbarer Atmosphäre gäben den Rahmen vor, der auch das Niveau der Aussteller bestimme. Wobei er darauf Wert legt, keine „Landpartie“, sondern einen „geöffneten Garten“, eben einen „Jardin ouvert“ zu präsentieren.

Der Park, in dem schon der Dichterfürst Goethe wandelte, an seiner Seite eine reizende junge Frau – aus der Affäre wurde aber nichts –, ist nach Versailler Vorbild angelegt. Das zeigt eine Grundrisszeichnung aus dem Jahr 1755 – damals übrigens mit einem lauschigen Heckenlabyrinth.

Ohne von Blomberg gäbe es die Orangerie nicht mehr. Das historische Gebäude war 1989 eine Ruine, an der niemand großes Interesse hatte. So stießen seine Pläne einer grundlegenden Sanierung dieses Hauses mit den typischen hohen Fenstern zunächst auf Skepsis, und er musste im Laufe der Zeit manche Hindernisse überwinden.

Die Orangerie heute – als Dietrich von Blomberg sie 1989 übernommen hat, war das Gebäude eine Ruine. Foto: pr

So könnte sich das Duell im Park in Exten abgespielt haben, wie diese zeitgenössische Zeichnung zeigt – zu den Duellisten gehörten die Sekundanten, die auf die Einhaltung der Regeln zu achten hatten. Offiziell übrigens waren um 1800 Duells schon längst verboten.



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