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Das Bild im Inneren verändert sich jetzt fast stündlich / Eine logistische Herausforderung

Der Endspurt der Stadt-Galerie hat begonnen

Hameln (ni). Der Countdown für die Eröffnung der Hamelner "Stadt-Galerie" am 11. März läuft. Hinter der frisch verputzten Fassade des Centers überbieten sich 260 Handwerker gegenseitig mit dem lautstarken Einsatz von Bohrmaschine, Flex und Elektrosäge. Der Geräuschpegel ist nichts für empfindliche Ohren und das Gewirrder zahllosen Kleinbaustellen nur von Eingeweihten zu durchschauen. Joachim Krautberger vom ECE-Baumanagement behält den Überblick und weiß genau, was gerade an welcher Stelle passiert. Und was wo schief gelaufen ist. Acht Wochen vor der Eröffnung ist selbst der Routinier "dünnhäutiger geworden".

veröffentlicht am 15.01.2008 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 24.05.2013 um 14:00 Uhr

Neonröhren und Baustrahler erhellen die drei Etagen des Shoppingcenters. Grau ist die vorherrschende Farbe: graue Rigipswände markieren die 90 Shops, keiner ist zugeschnitten wie der andere. Graue Spanplatten bedecken den Jura-Marmor aus dem Altmühltal, mit dem die Gänge links und rechts der Rolltreppen belegt sind; graues Fließ verhüllt deren Stufen und Handlauf. Nur die großen Holzkästen vor den Zugängen zu den Rolltreppen sind dunkelbraun - und als Barriere aufgestellt, damit die Handwerker nicht der Versuchung erliegen, "den kürzesten Weg zu nehmen". Mietbereichsübergabe heißt bei ECE die Phase, in der sich die Stadt-Galerie zurzeit befindet. Damit 90 Mieter den Innenausbau ihrer Läden bewältigen können, ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen, muss alles wie am Schnürchen laufen. "Wir haben mit allen Mietern besprochen, wieviel Zeit sie für den Ausbau brauchen und danach für jeden Zeitfenster festgelegt", erklärt Krautberger. Ohne diesen Organisationsplan bräche allein schon bei der Anlieferung des Materials das Chaos aus. Mit ihm wissen die acht "Einweiser" vor dem Center zu jeder Stunde, welchen Zulieferer sie wann und wohin dirigieren müssen. Trotz der minutiösen Planung bleiben unliebsame Überraschungen nicht aus. Ein Mieter hat es sich in letzter Sekunde anders überlegt und den Standort für die Kühltheken um einen Meter verschoben. Jetzt passen die Anschlüsse an die Kälteleitungen nicht mehr, muss die Betondecke aufgeschnitten, der Anschluss umgelegt werden. "Das tut uns weh", sagt Krautberger; der Zeitplan gerate durch so aufwendige Maßnahmen durcheinander. Um die Termine halten zu können, "müssen wir zur Not die Nacht durcharbeiten". Die Mieter bauen ihre Shops in eigener Regie aus. Bei "Christ" steht schon das Traggerüst für die Ladenfassade, bei "Douglas" ein gläsernes Schaufenster-Element. Bei "DM Drogerie" erkennt man die Vorliebe für Rundes: In die abgehängte Gipskartondecke sind runde Löcher gesägt - die ganz kleinen für die Sprinkler, die größeren für die Beleuchtung und ein paar ganz große für die Lüftung. Üblicherweise sind die Lüftungskästen im Center eckig, "aber wir bemühen uns, auch Sonderwünsche unserer Partner zu erfüllen", so Krautberger. Sinn für Außergewöhnliches beweist auch der Mieter im Erdgeschoss unmittelbar am Eingang Pferdemarkt: Er will das freigelegte Bruchstein-Mauerwerk der historischen Kreishausfassade als Blickfang in sein Ladenambiente integrieren. Das Bild in der Galerie verändert sich stündlich. Wo eben noch die gespachtelten Fugen grafische Muster auf die Gipskartonplatten zeichneten, ist plötzlich eine strahlend weiße Wand zu sehen. Und das Estrich-Einerlei der Fußböden verwandelt sich von Tag zu Tag in ein neues Puzzle aus Teppichböden, Laminat und Fliesen.Jede Zustandsbeschreibung ist überholt, bevor man sich einmal um die eigene Achse dreht. Bei "Real" im Tiefgeschoss arbeiteten auf den 4800 Quadratmetern künftiger Verkaufsfläche und den 500 Quadratmetern für Lager und Nebenräume eine Woche vor der für heute geplanten Übergabe noch mehr als 40 Handwerker unter Hochdruck. Real ist der einzige Mieter, für den ECE den Innenausbau erledigt. Und es hat geklappt: Die Handwerker sind auf den letzten Drücker von der Bildfläche verschwunden. Der Endspurt, weiß Krautberger aus Erfahrung, wird für alle Beteiligten zum Härtetest. Mehr als 70 Center hat ECE inzwischen aus dem Boden gestampft - und noch nie wurde ein Eröffnungstermin verschoben.

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