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Vor 81 Jahren zwischen Weserbrücke und Münster von der Hitler-Jugend gepflanzt

Der Eiche war es gleichgültig …

Am 7. Mai 1933 pflanzte der Hamelner „Unterbann IV“ der Hitler-Jugend auf dem „Horst-Wessel-Platz“ eine „Hitler-Eiche“ – als „Symbol der neuerwachten Stärke unseres Volkes“, wie es der Holtenser Lehrer Priesmeyer stolz formulierte.

veröffentlicht am 01.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.01.2020 um 12:12 Uhr

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Hitler-Eichen wurden damals allerorten gepflanzt, in Hameln auf dem „Horst-Wessel-Platz“, einem heute nicht mehr existierenden Platz zwischen Weserbrücke und Münster, den der Hamelner Stadtrat am 27. März 1933 nach dem „Märtyrer der Bewegung“ benannt hatte.

Das Foto, das sich von der Pflanzaktion erhalten hat, zeigt uniformierte Hitlerjungen, die einen gedrängten Ring um die Eiche bilden. Im Hintergrund sind die hohen Fenster der Südwand des Münsters sichtbar.

Über die beteiligten Jungen schrieb der wie viele seiner Kollegen vom Nationalsozialismus begeisterte Lehrer Priesmeyer:

„Das Herz schlägt höher, und hoffnungsfreudig geht der Blick in die Zukunft, wenn wir sie marschieren sehen, unsere Jungen und Jüngsten in Braun und Schwarz. In derben Nagelschuhen, ein Kampflied auf den Lippen, den Wimpel stolz voran, so geht es im Gleichschritt den Waldweg entlang oder auf breiter Landstraße dahin. Ein Wille beseelt sie und einem Ziele streben sie zu. Jungdeutschland ist erwacht und bereit, seine schwere Pflicht für Gegenwart und Zukunft zu erfüllen.“

Folgt man Lehrer Priesmeyer, so wurde die Hamelner Hitler-Jugend 1930 gegründet.

„Am 1.12.1930 traten einige Jungen zusammen, die etwas in sich fühlten, was alle anderen nicht besaßen: Eine Idee, einen unverbrüchlichen Glauben an die Zukunft. … Aller Kampf, der offen und versteckt gegen sie geführt wurde, alle Boykottierung von Lehrherren, Eltern und Schule wurde überwunden. Und gleichsam als Lohn für das treue Durchhalten kam das erste große Erlebnis am 22.2.1931. Achtzig Hitler-Jungen aus dem Kreise Hameln-Pyrmont marschierten im braunen Ehrenkleid vor dem Führer. Sie durften ihm ins Auge sehen, der ihrem Leben Wendung und Ziel gegeben.“

Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, setzte ein starker Zustrom zur Hitlerjugend ein. Im Mai 1933, als die Hitler-Eiche gepflanzt wurde, soll der Hamelner „Unterbann IV“ bereits 800 Jungen umfasst haben. Bald wurden andere Jugendverbände gleichgeschaltet und 1939 die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend obligatorisch.

Welcher Werbemethoden sich die Hitlerjugend bedienen konnte, zeigt folgende Begebenheit. Im August 1940 marschierte ein Trupp Jungvolk in das Gymnasium für Jungen, das heutige Schillergymnasium, um die letzten 30 (von 250) Jungen, die noch nicht dem Jungvolk angehörten, zum Beitritt zu bewegen. Ob sie am Wochenende von ihren Eltern spazieren geführt oder lieber mit Gleichaltrigen auf Fahrt gehen wollten!? Oberstudienrat Boeckmann, der Schulleiter, zögerte nicht, die Werbung zu unterstützen.

Schulen, deren Schüler mindestens zu 95 Prozent der Hitlerjugend und dem Jungvolk angehörten, durften die HJ-Flagge hissen. Als erste Hamelner Schule erhielt dieses Vorrecht die Mittelschule, die heutige Wilhelm-Raabe-Schule. Rektor Pottberg in seiner Ansprache: „Gott stellte euch hinein in das nordische ‚stirb und werde‘; laßt deshalb die Fahne nicht los, umklammert sie fest mit euren Händen. Die Fahne muß stehen, wenn der Mann auch fällt.“

Begeisterung, Opferbereitschaft und Kampfeswillen sollten die „Hitler-Jugend“ nach Hitlers Willen prägen. Dass die Idee erfolgreich war, zeigen Äußerungen eines Hamelners, die er im Rückblick auf seine Gefühle im Jahr 1933 tat.

„Das erste Erlebnis war ein Fackelzug der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 in Hameln. Das zweite war meine Schwester. Die war ja ab 33 sofort bei den Jungmädeln, die habe ich glühend beneidet. Wenn die dann erst mit ihrem Knoten, ihrer weißen Bluse und ihrem dunklen Rock, mit Abzeichen und mit ihren Liederbüchern kam – also, ich habe es nicht abwarten können. Ich habe Hakenkreuze in meine Hefte gemalt, da war etwas im Gange, es war, als ob die Sonne aufging, als ob die Sonne mit diesem Hakenkreuz aus dem Dunkel auftauche. Ein Aufbruch. Auf einmal war alles nicht mehr so wirr, es war ein Wollen da, etwas Einheitliches. Ich habe das Bild noch vor mir, wie der Führer durch die Straßen von Hameln fuhr, auf dem Weg zum Erntedankfest auf dem Bückeberg, wie er in seinem Wagen stand, in der bekannten Pose, lachend und strahlend, ein junger Mann noch, und alles schrie und jubelte und war begeistert, und es flogen auch Blumen.“ Am Ende des Krieges wurden fanatisierte Hitlerjungen zum Schrecken der US-Soldaten. In Fischbeck beteiligte sich ein Hitlerjunge als „Werwolf“ an der Ermordung des Landwirts Ferdinand Beißner. Dieser hatte sich gegen die unsinnige Verteidigung seines Dorfes durch die Wehrmacht gewehrt.

Der Eiche am Münster war es übrigens ganz gleichgültig, wem zu Ehren sie vor 81 Jahren gepflanzt wurde. Sie ist bis heute kräftig gewachsen.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Die Eiche 1933 und 2014; links bei der Pflanzung am 7. Mai 1933, unten heute.

Heimatbuch des Kreises /bg



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