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Wanderung im Teufelsbad: Wo einst Vieh und Töchter versteckt wurden

Der Duft, auf den Fliegen fliegen

Jenseits der Wege sind die Spuren des Orkans noch deutlich erkennbar. Foto: rnk Von Frank Westermann

veröffentlicht am 30.04.2007 um 00:00 Uhr

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Krainhagen. Er neigt sich leicht zur Seite, verharrt einen Moment, als wolle er es sich noch einmalüberlegen - und gibt dann doch den Gesetzen der Schwerkraft nach: Mit einem lauten "Rumms" kippt der Baum im Naturschutzgebiet "Teufelsbad" zur Seite. Und ein Dutzend rund zehn Meter entfernt stehende Naturkundler wissen jetzt, warum Forstleute noch immer davor warnen, durch die von "Kyrill" verwüsteten Wälder zu flanieren: Mit ihren wackeligen Wurzeln krallen sich die Bäume in den trockenen Boden wie Politiker ans Geld, aber manchmal reicht es nicht - und dann macht es rumms. Passiert ist niemandem etwas, natürlich nicht. Denn alle Bäume, die auf die Hauptwege stürzen könnten, sind längst in kaminkompatible Stückchen zerlegt. Aber einen kleinen Moment scheint es so, als wollte die Natur demonstrieren, was sie auch ist: unbeherrschbar - einen Herzschlag lang dreht sich die Welt ein bisschen langsamer. 60 Quadratmeter ist das Naturschutzgebiet groß, alle vier Kernbereiche können auf den Hauptwegen durchwandert werden, gerade jetzt lohnt sich das, denn die Natur ist gut und gerne einen Monat weiter als der Kalender. War es früher oft schwer, wenn nicht sogar unmöglich, für die damaligen DGB-Kundgebungen in der Liethhalle grüne Schmuckzweige zu finden, so haben die Bäume in diesem Jahr schon im März, Anfang April ihr grünes Frühlingskleid angelegt. Zu sehen gibt es viel. Die wilden Maiglöckchen blühen, das Wiesen-Schaumkraut auch. Der Aurora-Falter, so erzählt Reiner Kreuter, der die Wanderung führt, der Autrora-Falter liebt das Wiesen-Schaumkraut. Es ist sehr nektarreich, zudem kann der Schmetterling hier seine Eier meist an der Blattunterseite ablegen. Die Raupen fressen an diesen Pflanzen bis Juli oder August, verpuppen sich zu einer so genannten Gürtelpuppe und überwintern dann. Ein weiterer Star der Wanderung ist der Aronstab: Unscheinbar undübelriechend, doch auf diesen Duft fliegen Fliegen und Mücken: Sie werden durch den intensiven Geruch angelockt. Durch die Form der Blüte, die auch als Fliegenkesselfalle bezeichnet wird, gelangt ein einmal angelocktes Insekt immer an den Stempel, wodurch eine Übertragung der Pollen sicher gewährleistet wird. Und tschüs. Der Gundermann ist eine krautige, mehrjährige und immergrüne Pflanzen, die flach auf dem Boden kriecht. Und schmeckt bestens mit Forelle, erklärt Werner Asmus: Den Fisch ausnehmen, mit Gundermann fühlen und dann braten oder grillen - ein Gedicht. Wer mehr wissen möchte: Morgen feiert der Nabu Obernkirchen sein Kräuterfest - ab 10 Uhr im Garten der Familie Asmus in Südhorsten. Vorbei an alten, längst abgestorbenen Ulmen, geht es nach gut zwei Stunden an einem Tal entlang zum Schlusspunkt der Wanderung. Da unten, erzählt Kreuter, da unten ist der Kuhstall. Den Namen hat das Tal schon seit dem Dreißigjährigen Krieg. Aus Furcht vor marodierenden Söldnerheeren haben die Menschen ihr Viehund ihre Töchter dort versteckt. Eine schöne Geschichte zum Abschluss einer schönen Sonntagsmorgenwanderung. Das passt.



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