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Leider mehr Schwächen als vermutet / Emblem-Geschenk von Dr. Volker Bormann

Der Dewezet-Käfer: Da flog ihm dann das Blech weg

Ein Oldtimer wird Redaktionsauto: Der DEWEZET-Käfer, Baujahr 1967, fährt noch nicht. Aber aus dem Dornröschenschlaf ist er schon geweckt worden. Jetzt geht’s daran, ihn auf Kurs zu bringen – immerhin findet im Juni dieses Jahres das weltgrößte Uraltkäfer-Treffen in Hessisch Oldendorf statt. Die Zeitung fährt dann zwar nicht im Uraltmobil, aber doch immerhin standesgemäß im 67er vor – ist jeden falls so geplant, wenn da nicht der Rostfraß wäre… Teil 5 unserer Reportage.

veröffentlicht am 07.04.2017 um 08:00 Uhr
aktualisiert am 07.04.2017 um 16:50 Uhr

Axel Arve (rechts), Mitarbeiter beim Karosserie- und Lackierzentrum Kaspar, montiert zurzeit die neuen Bodenbleche. Hier packt der Chef Oliver Scholz (links) auch selber mit an. Foto: ey

Autor:

Jens F. Meyer

Sachen gibt’s… Als Dr. Volker Bormann von der Restaurierung des 1967er VW Käfers durch die Dewezet erfuhr, fing er an zu suchen, zu suchen in seiner Erinnerung, zu suchen in Schreibtischschubladen, zu finden in der Geschichte seiner Familie. „Ich habe da etwas für Sie, das könnte Sie interessieren“, ließ er per E-Mail wissen, und weil der Hamelner Kieferorthopäde sich gar nicht so sehr in den Vordergrund drängen wollte, fuhr er flugs zu Frank Danger und überreichte dem Geschäftsführer der Danger Fahrzeugtechnik und Bereifung GmbH eine besondere VW-Plakette. Nett von ihm, sehr aufmerksam, denn schließlich hatte er über die Zeitungsserie zum Dewezet-Käfer erfahren, dass dem Oldtimer das VW-Emblem auf der Kofferraumhaube fehlt. Übergab das gute Stück und fuhr wieder fort.

Bei aller Bescheidenheit: Der edle Spender musste auf Drängen der Dewezet dann aber doch noch einmal anrücken zum Fototermin, denn wer so großzügig ein Stück Familiengeschichte herausgibt, um das Käfer-Projekt der Tageszeitung zu unterstützen, hat zweifelsohne Beachtung verdient. Volker Bormann parkte also abermals auf dem Hof des Kfz-Unternehmens an der Kuhlmannstraße und begann zu erzählen, worum es sich handelt. „Dieses VW-Abzeichen wurde mir von meiner Tante geschenkt. Sie ist Anfang der Sechzigerjahre in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Der Frachter, mit dem sie gefahren ist, geriet in einen Orkan. Es war eine schwere Überfahrt. Zur Erinnerung und sicher auch froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist, hat der Kapitän allen Passagieren ein solches VW-Abzeichen geschenkt“, erinnert sich Volker Bormann. Aber warum wohl gerade ein VW-Emblem? „Der Frachter hatte Ersatzteile für Volkswagen in den USA an Bord.“ Die See war rau, der Sturm war schwer, die Fracht fiel mutmaßlich hin und her und nahm dabei auch Schaden. Und der Kapitän fackelte nicht lange…

Frank Danger ist begeistert: „Eine tolle Geschichte. Der Dewezet-Käfer und alles, was damit zu tun hat, steckt eben voller Überraschungen“, sagt der Kfz-Profi. Dass es sich nicht um ein VW-Emblem für die Kofferraumhaube handelt, sondern um das Wolfsburg-Wappen, sei zwar schade und auf der Haube auch nicht zu integrieren, „aber irgendetwas Hübsches werden wir damit schon anstellen, denn die Geschichte, die sich darum rankt, ist zu abenteuerlich, als dass wir daraus jetzt nichts machen würden“, verspricht Danger.

Das Wolfsburg-Emblem. Foto: ey
  • Das Wolfsburg-Emblem. Foto: ey
Oliver Scholz hat die Karosserie aufgebockt. Sie ist aufgrund der großen Schäden am Unterboden vom Chassis getrennt worden. Foto: ey
  • Oliver Scholz hat die Karosserie aufgebockt. Sie ist aufgrund der großen Schäden am Unterboden vom Chassis getrennt worden. Foto: ey
Aus dem Familienschatz: Dr. Volker Bormann (l.) übergibt das Wolfsburg-Emblem (kleines Foto links) an Frank Danger. Foto: ey
  • Aus dem Familienschatz: Dr. Volker Bormann (l.) übergibt das Wolfsburg-Emblem (kleines Foto links) an Frank Danger. Foto: ey

Abenteuerlich im positivsten Sinn, versteht sich. Im Kontext der Restaurierung des 1967er Volkswagens vermag der abenteuerliche Faktor zurzeit eher weniger optimistische Züge zu tragen. Von Resignation keine Spur, jedoch der Unterboden, den Oliver Scholz mit seinen Mitarbeitern vom Karosserie- und Lackierzentrum Kaspar eigentlich hatte retten wollen, unrettbar war. Das bringt den Zeitplan durcheinander. „Wir wussten, dass es schwierig wird, und wir haben wirklich alles versucht, aber an entscheidenden Stellen hat der Rost doch mehr Schaden angerichtet, als das vorher einzuschätzen war“, sagt Oliver Scholz. Dies wird im Zuge der Käfer-Sanierung ohne Zweifel nicht die einzige schlechte Nachricht bleiben, „da liegt noch viel Wegstrecke vor uns“, aber (mindestens) eine gute Nachricht gibt es auch: Die Bodenbleche sitzen, passen und haben keine Luft. Dafür gesorgt hat Axel Arve. Nach 38 Jahren Karosseriearbeit zwingt den Kfz-Mechaniker auch ein teilverrotteter Käfer nicht in die Knie. „Obwohl das hier schon eine große Herausforderung ist“, sagt der Spezialist. Teils seien die Teile doch so sehr verrostet, dass auch die beste Schweißarbeit nichts mehr genützt hätte. „Also neue Teile verbauen, das geht gar nicht anders, denn das Auto will ja von Euch auch gefahren werden“, sagt Chef Scholz. Mit „euch“ meint er die Dewezet-Redakteure.

Der arme, arme Dewezet-Käfer… Gerade steht er in zwei Hallen. Das Chassis mit neuen Reifen, neuen Blechen und funktionierendem Motor sieht aus wie die Vorstufe für einen Buggy oder Rennwagen. Die davon enthobene Karosserie, noch verdammt lädiert und mit weiteren Rostproblemen eher ein Sinnbild für untergehende Schönheit, haben die Kaspar-Mitarbeiter in Halle 1 abgestellt, hinten am Fenster, von durchsichtiger Plane überdeckt. „Das ist kein wirklich schönes Bild, das weiß ich, aber es ist Fakt, dass auch hier einige Löcher zu beklagen sind.“ Einige weniger wären besser gewesen, sagt Oliver Scholz, „aber manches böse Detail deckt man erst während der laufenden Restaurierung auf, und da müssen wir jetzt durch“.

Das Dewezet-Käfer-Projekt läuft auf Hochtouren. Der überschwängliche Optimismus ist aber längst einem Realismus gewichen.

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