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Hiddensee gilt für viele als Traumziel an der Ostseeküste – 300 000 Tagestouristen kommen jährlich hierher

Der bekannteste Geheimtipp unter Deutschlands Inseln

Die Hiddenseer messen die Sonnenscheindauer über ihrer Insel genau. Nicht, weil sie dort ein kostbares Gut wäre, die liebe Sonne. Ganz im Gegenteil: Exakt 2168 Stunden hat sie im vergangenen Jahr gestrahlt, das sind umgerechnet 90 komplette Tage. Sonniger ist es an keinem anderen Ort Deutschlands.

veröffentlicht am 05.06.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 09.06.2009 um 08:07 Uhr

Typisch Hiddensee: Der Leuchtturm Dornbusch bestimmt das Bild de

Autor:

Bernd Haase

Quellwolken schaffen es nicht über die Ostsee

Stefan Kreibohm kann erklären, warum das schmale Inselchen in der Ostsee, das manche spöttisch als Rügens Wellenbrecher bezeichnen, so viel Sonne abbekommt. Er ist der Statthalter von Jörg Kachelmann auf Hiddensee. Fernsehzuschauer beim Regionalsender NDR kennen ihn, weil er oft mit dem Puschelmikro vor dem Leuchtturm steht und den Leuten erklärt, warum sie die nicht mehr als 1000 Hiddenseer beneiden müssen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Insel zu klein ist, um Thermik zu entwickeln. Somit können sich keine Quellwolken bilden, und die vom Land schaffen es nicht über die kalte Ostsee.

Andernorts würden die Tourismusmanager mit dem Sonnenrekord gewaltig Werbewind entfachen. Die auf der Insel erwähnen ihn eher nebenbei, man ist hier zurückhaltend. Müsste man ein Prädikat für Hiddensee erfinden, könnte man es den bekanntesten Geheimtipp unter Deutschlands Inseln nennen.

Dass es inspiriert, entdeckten von Mitte des 19. Jahrhunderts an zuerst diejenigen, die Inspiration benötigten: Malerinnen wie Henni Lehmann oder Elisabeth Büchsel gründeten die Kolonie „Blaue Scheune“ in Vitte, einem der Inseldörfer. Der Schriftsteller Gerhart Hauptmann kam 1885 zum ersten Mal dorthin. Später baute er sich in Kloster ein Sommerhaus, das heute ein Museum ist.

Es nimmt sich schon fast bescheiden aus gegen die Lietzenburg, die der ehemalige Holzhändler, spätere Maler und Bonvivant Oskar Kruse – seine Schwägerin war die Puppenfabrikantin Käthe Kruse – im Wald baute. Die verschnörkelte, fast burgähnliche Villa wurde zum Inseltreffpunkt der Kultur- und Geistesgesellschaft. Heute ist sie zum Bedauern der Inselverwaltung ungenutzt. Dafür kann man im Speisesaal des Hotels Hitthim, einem ebenfalls opulenten Fachwerkbau am Hafen, signierte Bilder derjenigen sehen, die nach Hiddensee kamen: Gustav Gründgens und Carl Zuckmayer, Gottfried Benn und Franz Kafka, Albert Einstein und Siegmund Freud, Asta Nielsen und Brigitte Horney, Bert Brecht und Heinrich George.

Heute zählt Hiddensee etwa 300 000 Tagestouristen im Jahr. Sie kommen vor allem in den Sommermonaten mit den Fähren von Schaprode auf Rügen aus über das flache Boddengewässer. Von den Schiffsanlegern in Neuendorf, Vitte und Kloster sind es nicht mehr als 500 Meter zum Strand. Wer mehr will als nur ein Bad in der Ostsee, kann mit einem der 24 von geduldigen Mecklenburger Kaltblutpferden gezogenen Kutschen oder mit einem Leihfahrrad die Insel erkunden. Sie ist nur 16,8 Kilometer lang, ihre Breite schwankt zwischen 300 und 3000 Metern. Weil die Südspitze, der Gellen, Vogelschutzgebiet ist, kann man Hiddensee an einem Tag abklappern – allerdings nicht mit dem Auto; die haben hier nichts zu suchen.

Das Inspirierende und die Kontemplation, die einst die Geistesgrößen anlockte, wird man als Tagestourist nicht finden. Da braucht es länger auf der Insel, auch wenn es zwischen Mitte Juni und Mitte September manchmal schwer sein kann, eines der 3400 Gästebetten zu ergattern. Kutschen- und Fahrradtouren gehören immer dazu, Strandstunden auch, bei denen man faul oder mit einem guten Buch in der Sonne liegt und wegen des manchmal frischen Windes gar nicht aus der Deckung kommen mag.

Sanddorn und Heckenrosen

Wer aber Hiddensee erkunden will, der muss auch wandern. Das geht nicht nur am Spülsaum der Ostsee. Hinter Kloster beispielsweise beginnt das Hiddenseer Hochland, der bis zu 70 Meter hohe Dornbusch. Wer durch Waldgürtel und Wiesen, zwischen Heckenrosen, Ginster und Sanddorn hier hochgelaufen ist, dem legt sich die gesamte Insel vor die Füße. Elisabeth Büchsel musste den legendären Inselblick für ihre Kundschaft so oft malen, dass sie ihn am Ende, wie sie sagte, nicht mehr sehen konnte.

Weitere Informationen: Hiddenseer Hafen- und Kurbetrieb, Norderende 162, 18565 Vitte/Seebad Insel Hiddensee, Tel. (03 83 00) 6 42 26, im Internet www.seebad-hiddensee.de.



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