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Wieso die Stadt nicht sofort reagiert, wenn ihr Wohnungen für Flüchtlinge angeboten werden

„Der Aufwand ist enorm“

Rinteln. Eine Rintelnerin möchte an die Stadt eine Wohnung vermieten, damit dort Flüchtlinge unterkommen können. Sie folgt damit dem im Oktober gestarteten Aufruf der Stadtverwaltung, die auf Anweisung des Landkreises händeringend nach Wohnungen sucht, weil die Unterbringung der Flüchtlinge sonst nicht zu bewältigen ist (wir berichteten). Das Angebot der Eigentümerin klingt gut: zwei eingerichtete Zimmer, Küche, Bad. Es gibt sogar einen Fernseher. Doch zwei Wochen, nachdem die Rintelnerin ihr Angebot Kornelia Budde, der ehrenamtlichen Mitarbeiterin der Stadt, unterbreitete, hat sie immer noch nichts von der Stadt gehört. Jetzt drängt sich ihr die Frage auf: Wenn doch so dringend Wohnungen gesucht werden, wieso bin ich meine Wohnung dann noch nicht los?

veröffentlicht am 05.02.2016 um 00:00 Uhr

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Nein, sagt Ulrich Kipp, Leiter des Amts für Sicherheit und Ordnung, im Gespräch mit unserer Zeitung. So sei es nicht und das Angebot für die Stadt Rinteln auch keinesfalls vom Tisch. „Wenn es für uns in Frage kommt, melden wir uns. Es ist nur so, dass uns sehr viele Wohnungen angeboten werden“, sagt Kipp.

Knapp 50 „größtenteils gute“ Angebote seien bei Vermittlerin Kornelia Budde seit Oktober eingegangen. „Diese Angebote zu bearbeiten, bedeutet einen enormen Aufwand“, sagt Kipp.

Kornelia Budde nimmt die Angebote auf und leitet sie an einen eigens dafür abgestellten Mitarbeiter der Stadt weiter. Der sieht sich die Wohnung zunächst an, um zu prüfen, ob sie überhaupt in Frage kommt. Dafür gibt es eine vom Landkreis erstellte Checkliste. Genügt die Wohnung den Ansprüchen des Landkreises, muss als Nächstes das Bauordnungsamt die Wohnung in Augenschein nehmen. Gibt es auch von dieser Seite grünes Licht, urteilt abschließend das Ordnungsamt, ob die Wohnung bezugsfertig ist.

Erst dann kann sich derselbe Mitarbeiter, der die Wohnung anhand der Checkliste geprüft hat, um die Ausstattung kümmern. Die, so Kipp, muss den Mindestanforderungen genügen. Dafür müssen Stahlrohrbetten, Lattenrost, Matratze, Schränke, Esstisch, Stühle und gegebenenfalls Küche mit Ober- und Unterschränken, Spüle, Herd, Kühlschrank Elektrogeräte, Waschmaschine und Lampen angeschafft werden. Dazu kommt noch die Haushaltsgrundausstattung: Besteck und so weiter. Darum kümmert sich das Kreissozialamt. Für die Einrichtung der Wohnung müssen Mitarbeiter des Bauhofs gestellt werden.

Die Wohnungen werden dem Landkreis gemeldet, der die Zuweisung der Flüchtlinge, die die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen, vornimmt. Empfangen werden die Flüchtlinge in der Wohnung von dem städtischen Sozialarbeiter Norbert Rose. Er übergibt ihnen den Wohnungsschlüssel, erklärt ihnen, wie die Mülltrennung funktioniert, klärt sie über die öffentlichen Verkehrsmittel vor Ort auf, geht mit ihnen im Supermarkt einkaufen, organisiert die Schulanmeldung der Kinder und begleitet sie bei Amts- oder Arztbesuchen. Für die Verwaltung dieses Aufwands sei eine weitere Mitarbeiterin abgestellt.

Diese lange Organisationskette führt dazu, dass bislang erst 26 der knapp 50 Wohnungen von der Stadt angemietet worden sind. 18 Wohnungen sind bereits von 91 Flüchtlingen bezogen worden, in Deckbergen, Steinbergen, Uchtdorf und Engern etwa. Weitere acht werden nächste Woche von etwa 30 weiteren Flüchtlingen bezogen. Dazu kommen sieben stadteigene Wohnungen, die noch renoviert werden müssen. Die übrigen rund 25 Wohnungen müssen erst noch gesichtet werden.

Im Voraus sagen, wer die Wohnung bezieht – ob eine Akademikerfamilie oder eine Gruppe Junggesellen –, das könne die Stadt nicht.

Die Stadt will die Flüchtlinge möglichst gleichmäßig auf Rinteln und die Ortsteile verteilen. Im Idealfall sind die Wohnungen nicht weiter weg als im Umkreis von etwa fünf Kilometern. Aber im Notfall könne eine Familie unter Umständen auch im abgeschiedenen Goldbeck unterkommen.

Vertragspartner für die Vermieter ist die Stadtverwaltung. Sie bekommt das Geld vom Landkreis wieder. Bei Ende des Mietverhältnisses übernimmt die Stadt auf Kosten des Landkreises die Renovierung der Wohnung.

Derzeit sind in Rinteln 323 Flüchtlinge untergebracht, die die Erstaufnahmeeinrichtung bereits verlassen haben und deren Asylverfahren eröffnet worden sind. Sie sind in den Asylheimen im Kerschensteiner Weg und im Bahnhofsweg sowie – der gewünschten dezentralen Unterbringung entsprechend – in Wohnungen untergebracht.

Weitere Flüchtlinge sind wie berichtet angekündigt. Weitere Wohnungen werden gebraucht. Und die Liste mit den Angeboten wird weiter abgearbeitet. pk



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