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Ehemaliger Jugendmeister laboriert seit drei Jahren an langwieriger Verletzung

Dennis Roloff steht vor dem Karriere-Ende

Leichtathletik (cwo). "Hey, was machst Du jetzt eigentlich? Läufst Du gar nicht mehr?" - Diese und viele ähnliche Fragen werden dem nach Bückeburg heimgekehrten Dennis Roloff immer wieder gestellt, wenn er in der Bückeburger Fußgängerzone auf leichtathletikinteressierte Schaumburger trifft, die ihn noch als eines der großen schaumburger Mittelstreckentalente kennen.

veröffentlicht am 27.09.2008 um 00:00 Uhr

Immer wieder Schmerzen sorgten für das Karriere-Aus: Dennis Rolo

Dennis Roloff ist unbestritten einer der wenigen schaumburger Leichtathleten, die es in den vergangenen Jahren geschafft haben, in der nationalen Leichtathletikspitze mitzumischen. Im Jahr 2002 war Roloff deutscher Jugendmeisterüber 800 m und sammelte in den Jahren 2002 bis 2004 zahlreiche niedersächsische und norddeutsche Titel auf den Mittelstreckendistanzen. Im Jahr 2005, ein Jahr, in dem für den gebürtigen Bückeburger als Saisonhöhepunkt die U23-Europameisterschaften in Erfurt, bei denen ihm von Experten gute Medaillenchancen eingeräumt wurden, auf dem Programm stehen sollten, traten nach einem DLV-Trainingslager in Portugal jedoch plötzlich und ohne erkennbaren Auslöser Schmerzen im rechten Oberschenkel auf. Was Roloff und sein langjähriger Trainer Erich Vellage erst als Übersäuerung und muskuläre Probleme abtaten, stellte sich bald als schwerer wiegendes Problem heraus. Roloff konnte keine Einheit beschwerdefrei absolvieren und brach daraufhin noch bevor es ins Höhentrainingslager nach St. Moritz ging, die Saison ab, bevor sie richtig begonnen hatte. Von da an begann für Roloff eine Odyssee durch die Wartezimmer und Behandlungsräume der renommiertesten Ärzte, Physiotherapeuten, Heilpraktiker und sonstiger Berufsgruppen, von denen sich das hochgelobte Mittelstreckentalent Hilfe erhoffte. Kontakte zu den Fußballprofis Michael Tarnat und Thomas Brdaric, die er zu seiner Zeit bei Hannover 96, seinem ersten Verein nach der heimischen VT Bückeburg und der LG Schaumburg, geknüpft hatte, öffneten ihm die Tür zur Praxis von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wolfarth inMünchen. Dieser nahm sich als selbst ehemaliger Leichtathlet dem inzwischen für den VfL Wolfsburg, der Roloff bei Volkswagen eine Ausbildung zum Industriekaufmann ermöglichte, startenden Mittelstreckler aufopferungsvoll an und behandelte ihn über Jahre intensiv. Aber auch die beinahe 300 Spritzen von Dr. Müller-Wolfarth, das speziell auf Roloff zugeschnittene physiotherapeutische Training im Reha-Bereich des FC Bayern München, bei dem er Profis wie Oliver Kahn, Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger kennenlernte, sowie spezielle Behandlungen beim DFB-Physiotherapeuten Klaus Eder in Regensburg konnten keine endgültige Beschwerdefreiheit bringen. So musste Roloff im vergangenen Jahr einsehen, dass eine Rückkehr in den leichtathletischen Spitzensport aufgrund der mysteriösen Beschwerden, die vermutlich von einer Durchblutungsstörung im Rückenmarkskanal herrühren, immer unwahrscheinlicher wird. Der ehrgeizige, seine Selbstständigkeit liebende Bückeburger baute sich über die Immobilienfirma Wirtschaftsbüro Kiefer GmbH, das von dem ehemaligen Weltklasse-Surfer Kiefer geführt wird, ein neues sportunabhängiges Standbein auf. Das in Freiburg ansässige Unternehmen, das sich auf steueroptimierte Immobilienanlagen spezialisiert hat, bietet Roloff die Möglichkeit, neben seinem Studium zum Diplom- Immobilien-Ökonom an der Uni Freiburg als freier Mitarbeiter eigenverantwortlich einen Standort des bisher nur in Süd- und Ostdeutschland operierenden Unternehmens in Norddeutschland aufzubauen. Zu diesem Zweck ist Roloff in seine nicht nur sportliche Heimat Bückeburg zurückgekehrt. Beschwerdefrei ist der heute 26-jährige Roloff, der seiner ehemals hageren Läuferstatur inzwischen rund 10 gesunde Kilo mehr gönnt, noch lange nicht. Er sieht aber inzwischen gute Chancen, mithilfe der ihn behandelnden Regina Stefan vom Therapiehof Stefan in Lindhorst zumindest wieder so fit zu werden, aktiv an der SchaumburgerLaufserie teilzunehmen, die er für eine interessante breitensportliche Veranstaltung hält. Auch reizt es ihn, noch einige schaumburger Bahnrekorde zu verbessern. "Durch meine Wechsel zu Hannover 96 und dem VfL Wolfsburg, die mir sehr gute Trainingsmöglichkeiten und finanzielle Unterstützung zurTeilnahme an internationalen Veranstaltungen geben konnten, habe ich es - bis auf einige Rekorde im Schülerbereich - verpasst, mich in der schaumburger Rekordliste zu verewigen. Das ist im Nachhinein sehr schade." Mit seinen bereits als 21-Jähriger gelaufenen Bestzeiten von 2:22,80 min über 1.000 m und 1:50,40 min über 800 m hätte er die bestehenden schaumburger Rekorde deutlich unterbieten können. Und selbst mit den Sprintzeiten (100 min 11,14 sek und 400 m in 49,42 sek), die bei Mittelstrecklern eher als Nebenprodukte anfallen, stände er unter Schaumburgs Allzeit-Besten sehr gut dar.

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