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Die Friedhofskultur ist im Wandel / "Keine Steinwüste" / "Fette Henne" geht auch: Nur Mut beim Bepflanzen

"Denn schöne Orte machen das Trauern leichter"

Auetal/Landkreis (rnk). Viele Jahre, so erzählte die Bäuerin auf dem Friedhof, viele Jahre habe sie sich über ihren Mann eigentlich nur geärgert. Und jetzt, wo er tot sei, da komme auf sein Grab eine schlichte, aber schwere Steinplatte - damit er bloß nicht zurückkommen könne.

veröffentlicht am 28.09.2006 um 00:00 Uhr

Ulrike Tubbe-Neuberg

Es ist eine nette Anekdote, die Ulrike Tubbe-Neuberg von der Außenstelle Stadthagen der Landwirtschaftskammer Hannover im Gemeindehaus Kathrinhagen erzählt, aber sie hat einen ernsten Hintergrund, denn Steinplatten hätte es früher nicht auf den Gräbern gegeben. Doch die Friedhofskultur ist im Wandel - und nicht unbedingt zum Besseren. Zwar hat der Mensch seit jeher seine Toten bestattet, doch der gesellschaftliche Wandeländert auch die Friedhofskultur. Menschen werden im Dorfe geboren und ziehen, aus den unterschiedlichsten Gründen, weg. Zurück bleiben Gräber, die möglichst einfach gepflegt sein wollen - oder wild zuwachsen, weil sich niemand mehr kümmert. Und so sprachen sich 2002 schon 30 Prozent aller Befragten für einen Urnenbestattung aus, acht Prozent immerhin wollten auf See oder in einem Friedwald unter einem Baum ihre letzte Ruhe finden. Nur noch 36 Prozent sprachen sich für die Bestattung in einem Sarg aus, erklärt Tubbe-Neuberg. Die Folge sei auch: angeblich pflegeleichte Steinplatten undKies auf den Gräbern. Doch ein Friedhof, der wie eine Steinwüste aussehe, der gefalle ihr nicht, erklärte Tubbe-Neuberg: "Der Friedhof ist ein Ort der Trauer, aber auch ein Ort im Grünen." Daher, nebenbei bemerkt, sollte auch eine Bank vorhanden sein. Vorbildlich nannte Tubbe-Neuberg den Bückeburger Friedhof, der weniger Ruhestätte als Naturanlage sei, nicht so toll fand sie den Seetorfriedhof in Rinteln, auf dem viel zu viele Nadel- und zu wenig Laubbäume stehen würden. Laubbäume würden zwar Arbeit machen, aber eben auch vom Wandel der Jahreszeiten künden. Ein Friedhof, so Tubbe-Neuberg, sollte immer abgegrenzt sein: Eine Hecke oder Mauer würde immer das Besondere des Platzes unterstreichen. Viele Menschen würde sich ja keine Gedanken über ihr Grab machen: Wer denkt schon gerne an den Tod? Und wenn ein Angehöriger sterbe, dann stünden ja auch andere Fragen im Vordergrund, von Friedhofssatzungen, die bestimmte Formen zuließen oder ausschlössen, ganz zu schweigen. Aber eine Faustregel gebe es schon: Gut die Hälfte eines Grabes sollte durch eine Dauerbepflanzung bedeckt sein, pro Quadratmeter müsse man mit zehn Pflanzen rechnen, sonst dauere es zu lange, bis eine dichte Decke gewachsen sei. Bei der Wechselbepflanzung könne man durchaus Mut beweisen: Gräser seien auch im Winter schön, die "Fette Henne" passe auch zu einem dörflichen Friedhof. Generell gelte: Drei Sorten reichen an einem Grab. Bei einem (viel kleineren) Urnengrab sollte man sich auf eine Sorte beschränken. Und wenn der Stein von einer Hecke umfasst sei und nicht einsam am Grabende stehe, wirke dies deutlich schöner. Denn, so Tubbe-Neuberg, "schöne Orte machen das Trauern leichter". Das Grab sei der zentrale Ort der Trauer. Durch Friedhofsbesuche und Grabpflege hätten die Angehörigen die Möglichkeit, ihre Verbundenheit und Liebe zu dem Verstorbenen über dessen Tod hinaus auszudrücken. Dass diese lang gewachsene Friedhofskultur in den nächsten Jahren nicht schwinde, sei Aufgabe aller, betonte die Referentin. Und auch die erzürnte Landwirtin, die Tubbe-Neuberg vor einiger Zeit auf einem Friedhof traf, hat sich mittlerweile mit ihrem toten Göttergatten wieder versöhnt. Zwar liegt auf seinem Grab die schwere Betonplatte, aber regelmäßig stellt die Witwe Blumen drauf. Sooo schlecht war er ja auch nicht, der Kerl.

Mehr Natur geht nicht: Der schönste Friedhof des Landkreises lie
  • Mehr Natur geht nicht: Der schönste Friedhof des Landkreises liegt in Bückeburg. Fotos: rnk
Wichtig: Ein einladendes Tor.
  • Wichtig: Ein einladendes Tor.
Pflegeleichter? Kies und Stein.
  • Pflegeleichter? Kies und Stein.
Klasse: Eingebetteter Stein
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Wenig Bäume: Borstel ist übersichtlich.
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Klasse: Eingebetteter Stein
Wenig Bäume: Borstel ist übersichtlich.

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