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Kuchen bei "Kroaken" und in "Viets Dorfcafé" / Weite Ausblicke vom Kirchturm

Denkmalstag: Cammer und Frille erstmals im Programm

Bückeburg (bus). Der "Tag des offenen Denkmals" lenkt in diesem Jahr das Hauptaugenmerk der historisch Interessierten auf den Schaumburger Wald. Die organisierende Schaumburger Landschaft hat jetzt einen Prospekt aufgelegt, der insgesamt 28 Sehenswürdigkeiten vorstellt. Erstmals im Programm des bundesweit von der Deutsche Stiftung Denkmalschutz ausgerichteten Tages sind die Ortschaften Cammer und Frille. Hier öffnen am Sonntag, 10. September, jeweils von 10 bis 18 Uhr der Hof Barthold und die Leibzucht Prange (Cammer) sowie die evangelisch-lutherische Kirche, Viets Dorfcafé und der Jüdische Friedhof (Frille) ihre Pforten.

veröffentlicht am 23.08.2006 um 00:00 Uhr

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Der heutige Schaumburger Wald ist der Rest des Dülwaldes, der ursprünglich die gesamte Schaumburger Tiefebene bedeckte. Bereits zur Urzeit der Sesshaftwerdung der Menschen um 4000 vor unserer Zeitrechnung begann das Zurückdrängen des Waldes, die ihren ersten Höhepunkt im 13. Jahrhundert erreichte. Außer der eigentlichen Rodung unterlag derverbleibende Baumbestand immer schon intensiver menschlicher Einflussnahme. Dabei war es häufig nicht nur die eigentliche Holznutzung, die den Wald prägte, vielmehr diente er zusätzlich als Weidefläche für das Großvieh und in vorindustrieller Zeit als Lieferant wichtiger Rohstoffe. In Cammer, von Bewohnern der Bückeburger Kernstadt gern "jenseits des Waldes" angesiedelt, wo die belegte Geschichte mit der Ersterwähnung des Cammerhofes 1562 beginnt, ist die Existenz der Hofstelle Prange (Dankerser Straße 32) bis 1777 zurückzuverfolgen. Als erster Eigentümer wir Berend Meier genannt. In der vor vier Jahren sanierten Leibzucht steht der aktuelle Besitzer für die Erläuterung der Sanierung zur Verfügung. Bis ins Jahr 1567 sind die Besitzverhältnisse des Hofes Barthold (Dankerser Straße 26) zurückzuverfolgen. Bei "Kroaken", so der auf den Mindener Schuhmacher Bernd Kräcken zurückgehende örtliche Beiname des Anwesens, werden Bau- und Bodenfunde vorgestellt und auf der alten Lehmdiele Kaffee und Kuchen angeboten. Im 1168 erstmals schriftlich erwähnten Frille prägt die weithin sichtbare evangelisch-lutherische Kirche das Ortsbild. Das 1910 errichtete Gotteshaus präsentiert sich als neuromanische einschiffige Sandstein-Kreuzkirche mit Elementen des Jugendstils und einem 25 Meter hohen Turm. Die Gemeinde lädt um 10 Uhr zu einem Gottesdienst und anschließend zu Führungen ein. Der prächtige Ausblicke bietende Kirchturm ist geöffnet. Von Viets Hofstätte wird bereits im Dreißigjährigen Krieg berichtet. 2001 richtete die Dorfwerkstatt Frille in dem Vierständer-Fachwerkhaus das Dorfcafé ein. Am Denkmalstag werden Mitglieder des Vereins über das Gebäude, die Geschichte des Dorfes und insbesondere über die ehemalige Landesgrenze berichten. Zum Jüdischen Friedhof geht es über den Brunnenweg, der 1672 als "Judenstraße" in den Annalen steht. Historiker gehen davon aus, dass schon im 17. Jahrhundert jüdische Familien in Frille wohnten. 1933 lebten hier 19 Bürger jüdischen Glaubens, in Cammer sechs und in Quetzen elf. Am Friedhof wird über dessen Historie und die der jüdischen Gemeinde informiert.

Die Friller Kirche wurde 1910 errichtet. Der Turm misst 25 Meter
  • Die Friller Kirche wurde 1910 errichtet. Der Turm misst 25 Meter.
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