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Joey Kelly über seinen Antarktis-Trip

„Den Südpol habe ich jetzt abgehakt“

Es war einer der berühmtesten Wettläufe aller Zeiten: Am 14. Dezember 1911 erreichte der Norweger Roald Amundsen als erster Mensch den Südpol. 35 Tage später kam sein Konkurrent an, der Engländer Robert Falcon Scott. Er und seine Männer starben auf dem Rückweg im ewigen Eis. Zum 100. Jahrestag dieses Duells erinnert das ZDF an die Entdeckung des Südpols: Zwei Teams aus Deutschland und Österreich liefern sich ein Rennen quer durch die Antarktis. Mit dabei ist Deutschlands wohl bekanntester Extremsportler, Joey Kelly. Im Interview spricht der 38-Jährige über den Gewaltmarsch, Körperhygiene bei minus 40 Grad und Benimmregeln im ewigen Eis.

veröffentlicht am 03.03.2011 um 15:50 Uhr

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Herr Kelly, mal ganz ehrlich: Wenn man tagelang durch die Antarktis

zieht, ist das nicht auf Dauer langweilig?

Das ist so, es ist jeden Tag das Gleiche. Dass ich selber, stumpf wie ein Vollidiot, Kopf nach unten, jeden Tag das Gleiche durchziehen kann, weiß ich ja aus Erfahrung. Aber dass die anderen Teammitglieder nicht nach fünf Tagen durchgedreht sind, fand ich großartig.

Wie geht das, Extremsport bei minus 40 Grad?

In der Kälte ist alles furchtbar anstrengend, sogar wenn man nur rumhängt. Für den Körper ist es Stress pur, weil er bei minus 40 Grad seine Kerntemperatur halten muss. Ich hatte vorher bewusst ein paar Kilo zugenommen, damit ich eine Reserve hatte, und habe dann zehn, zwölf Kilo abgenommen. Man verbrennt einfach mehr Kalorien als man zu sich nehmen kann.

Was gab’s denn zu essen?

Gefriergetrocknete Expeditionsnahrung, die mit warmem Wasser angerührt wird. Da gibt es einfach alles, Nudeln, Kartoffeln, Chili con carne. Freiwillig würde ich das nicht essen. Aber ich kenne das von meinen Wüstenläufen: Wenn man Selbstversorger ist und sein ganzes Essen mitschleppen muss, muss man Sachen mit hoher Kalorienzahl und wenig Gewicht mitnehmen.

Und wie läuft es in der Antarktis mit der Hygiene?

Das wird alles mit diesen Feuchttüchern gemacht. Mit denen schafft man es eigentlich, den Körper sehr sauber zu halten. Das ist der Hammer! Man benutzt die auch, wenn man aufs Klo geht, aber dabei muss man natürlich schnell sein. Die Tücher sind ja feucht, und wenn man sie nicht schnell benutzt, sind sie festgefroren und man kann damit Frisbee spielen.

War es Ihr anstrengendster Wettkampf?

Ich hatte zwar einige härtere Wettkämpfe, aber es war schon anstrengend, weil wir ja diese Schlitten ziehen mussten, die 80 bis 100 Kilo wogen. Alles, was man braucht, um zu überleben, war da drauf. Das war unfassbar hart. Abends mussten wir dann unser Zelt aufbauen, Essen kochen und unser Wasser aus Schnee schmelzen. Wir haben teilweise stundenlang Schnee geschmolzen, weil das mit diesen kleinen Benzinkochern nicht so schnell geht. Irre. Dann haben wir maximal fünf Stunden geschlafen, nach dem

Aufstehen schnell Tee und Suppe zubereitet, und dann sind wir bei minus 30, minus 40 Grad weitermarschiert.

Bestand denn jemals Gefahr für die Teilnehmer?

Ja, beim österreichischen Team, mit dem wir uns einen Wettlauf zum Südpol geliefert haben, musste ein Teilnehmer aus dem Rennen aussteigen. Er hatte trotz Handschuhen Erfrierungen an den Fingern. Erst kommen bei großer Kälte ja weiße Verbrennungen, dann schwarze Stellen, und er hatte schon schwarze Stellen an den Fingern. Wenn man das nicht sofort behandelt, kann man hinterher die Finger abschneiden.

Sie sind ein erfahrener Extremsportler, haben schon Wüsten durchquert. Mussten Sie sich extra vorbereiten?

Ja, schon. Ich bin ja mehr Läufer als Skilangläufer, habe deshalb Technik trainiert. Außerdem habe ich bewusst Kraft im Oberkörper aufgebaut, weil wir ja diese Schlitten ziehen mussten. Ich habe lange Zeit in der Kältekammer verbracht und Aufbauwettkämpfe gemacht, um auf den Punkt fit zu sein. Erst einen Deutschlandlauf, 900 Kilometer von Nord nach Süd, dann zwei Marathons und einen Halbmarathon. In der Antarktis mussten wir uns vor dem Start erst fünf Tage akklimatisieren, damit wir nicht höhenkrank werden. Wir waren ja auf einem 3000 Meter hohen Gletscher unterwegs.

War es erhebend, als Sie am Südpol angekommen sind?

Es ist nicht so, dass man total hysterisch wird vor Begeisterung. Man ist einfach froh, dass es vorbei ist.

Und was nehmen Sie mit von diesem Event?

Ich zehre noch heute von dieser unfassbaren Südpol-Natur. Ich habe schon viele Länder gesehen, aber das ist einmalig. Diese ewige Weite kann man nicht beschreiben. Und mit Markus Lanz habe ich einen Freund gewonnen. Ich bin begeistert von seiner Leistung, und dass er sich so quälen kann, das hat mich fasziniert. Wir besuchen uns jetzt öfter privat und telefonieren jede Woche.

Planen Sie schon den nächsten sportlichen Extremeinsatz?

Den Südpol habe ich jetzt abgehakt. Für mich ist es die logische Folge, dass ich nächstes Jahr ein Rennen zum Nordpol mache.

„Der Wettlauf zum Südpol“ beginnt am Dienstag um 20.15 Uhr im ZDF.



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