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Zu: „Hunderte Bäume sollen fallen“, vom 14. Oktober, „Scheibchenweise liefert die Stadt Hameln Begründungen für ihr Vorhaben, 260 Buchen zu fällen.

veröffentlicht am 23.10.2020 um 18:25 Uhr

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1. „Verkehrssicherheit“ heißt die erste hehre Begründung. Gibt es Zahlenmaterial, Statistiken, Untersuchungen, wie- viel Schaden, wie viele Verletzungen oder Todesfälle durch Bäume verursacht werden? Und wie viele im Vergleich dazu durch unangemessene Geschwindigkeit oder Unachtsamkeit, zum Beispiel Ablenkung durch Handys? Die Schäden durch den menschengemachten Klimawandel, zum Beispiel Zunahme von Trockenheit, dienen jetzt zur Begründung, Bäume vermehrt zu fällen. Vielleicht werden demnächst die Wälder und die Bäume im Stadtgebiet abgeholzt, oder wir dürfen sie nicht mehr betreten – weil zu gefährlich. Ich kann nur sagen: „Wehret den Anfängen“! Jeder Baum ist wichtig für das Gesamtökosystem, für Wasserhaushalt und Luftqualität. Werden die Menschen immer ängstlicher, die Umwelt und Natur immer mehr als feindlich angesehen – von Straßen überquerendem Wild, von
Zecken, Fuchsbandwürmern, Viren etc. mal abgesehen?


2. „Wir lassen der Natur freien Lauf“, heißt es. Der Vorgang, dass in Wäldern natürliche Waldgemeinschaften entstehen können, nennt man „Naturverjüngung“, das heißt, dass sich das vorhandene Samenpotenzial entfalten kann in Abhängigkeit vom Boden, Lage und Wasserhaushalt. Das sind in guten Lagen in Mitteleuropa die Buchengesellschaften, weil sie konkurrenzstark sind. Das beeinhaltet gleichzeitig das Zulassen von Sukzessionsflächen auf von Bäumen entfernten Flächen, (zum Beispiel Entfaltung von Fingerhutbeständen in Lichtungen), die zeitweilig die Artenvielfalt erhöhen. Dann entfalten sich die Baum- und Strauch-Sämlinge und bilden im Laufe der Zeit wieder einen natürlichen Wald – denn das ist ohne Eingreifen des Menschen der Lauf der Entwicklung in Richtung der potenziell natürlichen Vegetation, die sich in ihrer Zusammensetzung aufgrund des Klimawandels ändert. Bei der Fällung von 260 alten Buchen mit maschineller Methodik wird der Boden ver- dichtet, viele be-

nachbarte Gehölze verletzt oder mitgerissen, sodass sich die Standortverhältnisse ändern. Vielleicht sind dann möglicherweise robuste Brombeeren-Dickichte die Antwort der Natur?
3. „Wirtschaftlichkeit“ – aha: Jetzt kommt es heraus: Es gab eine Kostenberechnung! Dazu kann ich nur E. F. Schumacher („Small is beautiful“, 1977) zitieren: „Es gibt im gegenwärtigen Wortschatz für den Ausdruck der Geringschätzung nur wenige Wörter, die so endgültig verdammen wie das Wort ,unwirtschaftlich’.“ Das ist immer noch aktuell: Die Ökologie wird nach wie vor der Ökonomie untergeordnet, statt: Langzeitökonomie = Ökologie, im Sinne von Nachhaltigkeit in diesen nicht einfachen Zeiten.

Ich schließe mich der Argumentation von Dr. Bergner in dem Artikel vom 20. Oktober an: Warum nicht behutsames Begutachten und Eingreifen? Artenreiche Wald- und Wiesensaumgesellschaften wären an so vielen anderen Standorten wünschenswert zu verwirklichen. Aber einen schönen Buchenwald in Ruhe lassen! Sie werden wahrscheinlich klimabedingt sowieso „ausgedünnt“…, wie so vieles…, leider…



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