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Bückeburg wehrt sich gegen rechte und linke Jugendgewalt – breites Bündnis wird geschmiedet

„Den Kampf um die Köpfe aufnehmen“

Bückeburg (rc). Die Stadt wird „den Kampf um die Straße und um die Köpfe“ aufnehmen und so auf die eskalierende Gewalt unter Jugendlichen, insbesondere Rechtsradikaler, reagieren. Mitte April wird es einen Runden Tisch geben, an dem im größeren Kreis über die Probleme rechter und linker Gewalt diskutiert und informiert wird. Im Ausschuss für Jugend und Familie gab DGB-Jugendreferent Dirk Assel bereits Informationen über Neonazis und ihre Erscheinungsformen.

veröffentlicht am 26.03.2011 um 13:04 Uhr
aktualisiert am 26.11.2012 um 17:23 Uhr

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Das Fazit am Ende des 30-minütigen Vortrags und Diskussion, gezogen vom Grünen Ratsherrn Bernd Schierhorn: „Wir werden gegen rechts kämpfen. Wir werden aus der Mitte der Gesellschaft gegen diese Gewalt und radikales Gedankengut vorgehen und diesem Vorgehen eine breite Grundlage verschaffen.“ Dirk Assel: „Angstfrei und gewaltfrei hier in Bückeburg leben und wohnen. Darum geht es.“ Und schlug eine „Bückeburger Erklärung“ gegen jegliche Formen von Gewalt vor.

Die Ausschussvorsitzende Anka Knechtel (SPD) bezeichnete es als „absolut wichtig, sofort anzufangen und zu handeln und ein breites Bündnis zu etablieren“. Bückeburg könne froh sein, dass es das „Lokale Bündnis“ eingerichtet hat: „Das Forum, um alle Altersgruppen an einen Tisch zu holen und Arbeitsgruppen zu bilden.“ Es werde entschieden gegen rechte und linke Gewalt vorgegangen, für „ein liebens- und lebenswertes Bückeburg“.

Was nicht so ganz einfach wird, wie im Ausschuss, aber auch in Gesprächen mit unserer Redaktion deutlich wurde. Zwar hat es in den vergangenen Wochen keine gewalttätigen Übergriffe von Rechten mehr gegeben. Wohl aber scheinen insbesondere Neonazis Anhängern der linken Szene und der Antifa aufzulauern, sie zu bedrohen und zu verfolgen, wie mehrfach berichtet wurde. „Ganz ruhig ist es nicht, es gibt Bedrohungen und Verfolgungen“, stellte auch Anka Knechtel im Ausschuss fest.

Dirk Assel mahnte in seinem Referat, die Demokratie, die Zivilgesellschaft müsse sich zeigen und sichtbar werden und sich der Gewalt entgegenstellen: „Die Geschehnisse dürfen nicht als normal eingestuft werden.“ Die Täter müssten sozial geächtet werden. Auch wenn es in Bückeburg – nach dem Bericht unserer Zeitung – derzeit so scheine, als ob es eine Balance gebe, müsse man wachsam sein. Offene Auseinandersetzung sei gefragt, der Einfluss im öffentlichen Raum müsse übernommen werden, die Hoheit über den Stammtischen erobert werden: „Radikalen Äußerungen muss sofort widersprochen werden.“ Bückeburg – und die Gesellschaft – müssten zivile Umgangsformen einfordern, nichts dürfe unter den Teppich gekehrt werden: „Im Alltag Flagge zeigen. Null Toleranz. Gelebte Demokratie ist der beste Schutzfaktor.“ Und: „Das Gewaltmonopol ist durchzusetzen.“

Wie Assel sagte, gebe es auch in der Wahrnehmung der Neonazis einen „Veränderungsdruck“ seitens der Gesellschaft: „Die kommen heute nur noch selten mit kahl geschoren Köpfen und Springerstiefeln daher.“ Rechtsextremismus habe sich inzwischen zu einer sozialen Bewegung insbesondere im ländlichen Raum entwickelt mit unterschiedlichen Ausprägungsformen und unterschiedlichen Strukturen. Neonazis würden eher weniger öffentlich auftreten und durch ihr biederes Erscheinungsbild Normalität ausstrahlen; etwa als Kinder- oder Jugendbetreuer in Vereinen oder Jugendwehren – direkt an der Basis also.

Andererseits böten Neonazis „alternative Erlebniswelten“ wie Protestereignisse im öffentlichen Raum, das – verbotene – Hören rechtsradikaler Musik oder Radiosender, bestimmte Lifestyle-Formen oder Provokationen: „Allem hängt der Reiz des verbotenen an. Was es für Jugendliche und Heranwachsende interessant macht.“

Rechtsradikale Musik bezeichnete Assel als „die Einstiegsdroge in die rechte Szene“. Inzwischen werden gezielt Zehn- bis 14-Jährige angesprochen, nachdem die Neonazis gemerkt haben, dass ihre Strategie bei den älteren Jugendlichen nicht so wirkt. Rechtsrock sei nicht überall zu kaufen: „Beim Beschaffen entsteht eine konspirative Verschwörungsgemeinschaft.“



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