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NDR plantöffentliche Diskussionssendung zur Stimmung im Ort / Bürger machen mit Unterschriftenliste Dampf

Den Hohnhorstern reicht's: "Wir wollen Halbschranken!"

Hohnhorst (tes). "Jetzt reicht's", dieser Ausspruch bezeichnet nicht nur den Gemütszustand der Hohnhorster in puncto Halbschranken und Bahnübergänge, sondern ist auch der Titel einer gleichnamigen Sendung im NDR (siehe "Zum Thema"). Längst hat sich der Unmut über Generationen und Ortsgrenzen hinaus verbreitet. Nach dem tragischen Unfalltod einer jungen Familie vor einigenWochen ist das Maß offenbar endgültig voll.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 11:06 Uhr

Die Unterschriftenaktion "Wir wollen Halbschranken" läuft auf Ho

"Musste es erst so weit kommen?": Worte, die seit dem Unfall am unbeschrankten Bahnübergang einen oft gehörten Kommentar der Bürger zitieren. "Besonders die Anwohner, die selber gefährliche Situationen am Bahnübergang erlebt haben, fragen sich das", ist auf den Internetseiten der Gemeinde zu lesen. Derweil gehen im Ort die Bemühungen weiter, den Gefahrenherd an der Hauptverkehrsader zu entschärfen. Politiker setzen sich stärker denn je für eine zügige Lösung ein. Erst recht die Bürger: Diana Bock und Thomas Krethlow, der mit den Verunglückten befreundet war, haben mit ihren Familien und Bekannten schon mehr als 1000 Unterschriften gesammelt, nicht nur aus Hohnhorst. Längst zeigen sich die Nachbarorte solidarisch: In einigen Tankstellen, Supermärkten, Anwaltskanzleien und Friseurläden in Bad Nenndorf, Haste, Kreuzriehe, Wunstorf und sogar im Fliegerhorst liegen die Listen aus. "Uns hat der Unfall tief getroffen. So etwas darf einfach nicht mehr passieren", betont Bock. Der Gedanke, dass sie etwas unternehmen muss, sei ihr sofort nach dem Unfall in den Kopf geschossen: "besonders zum Schutz der Kinder". Der Kindergarten ihres vierjährigen Sohnes liegt direkt neben dem ungesicherten Bahnübergang - nur wenige Meter vom Ausgang entfernt. "Und die Kinder laufen manchmal in die falsche Richtung", benennt Bock die Ängste vieler Eltern. Das blinkende Rotlicht sei aus dieser Perspektive kaum wahrnehmbar. Diese Beobachtung bestätigt Krethlow, der über dem Kindergarten wohnt - mit direktem Blick auf die Unfallstelle, wo seine Freunde so plötzlich aus dem Leben gerissen wurden. Vier Holzkreuze mit den Namen der Verstorbenen, Kerzen und Plüschtiere erinnern dort an die Opfer. Eine Gedenkstätte, die nicht nur die Kindertäglich zur Vorsicht mahnt. "Dennoch fahren und gehen viele wie zuvor bei Rot rüber", sagt Krethlow entsetzt. Jetzt will er mit seiner Lebensgefährtin und vielen Nachbarn dafür sorgen, dass sich diese Tragödie nicht wiederholt. Die Tochter der Kindergartenleiterin, Sophia Maria Rust, hat gemeinsam mit Freundin Charlene Magdalena Baller Unterschriften von Kindern gesammelt und mit einem eindringlichen Brief an die Politiker geschickt. Alt und jung sind sich einig: "Wir wollen Halbschranken" - und zwar jetzt und nicht "in Kürze", wie von der Bahn zugesagt. Einen gleichlautenden Vermerk hat Bürgermeister Otto Lattwesen bereits 2006 erhalten: "Bis heute weiß ich nicht, was ,in Kürze' für die Bahn heißt." Für die verunglückte Familie war es zu spät. "Wir verstehen nicht, wie die Bahnvertreter das mit ihrem Gewissen vereinbaren", warten Bock, die Angehörigen und ganz Hohnhorst jetzt auf eine schnelle Reaktion und ein klares Signal seitens der Bahn. Die Listen mit der Forderung nach Halbschranken sollen dem zuständigen Ansprechpartner persönlich übergeben werden. Die Gelegenheit ist günstig: In der Radio-Sendung "Jetzt reicht's" können die Bürger der Bahn "Dampf machen und Frust ablassen", sagt Lattwesen. Er hofft auf ein gutes Ende.

Mittlerweile sind am Unglücksort vier Kreuze aufgestellt.
  • Mittlerweile sind am Unglücksort vier Kreuze aufgestellt.

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