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Vor Gericht: Haftstrafen für drei Langfinger / Zwei von ihnen erst in Entziehungsanstalt

Dem "Gesetz der Diebe" unterworfen?

Bückeburg (ly). Erst "clean" werden, dann wieder ins Gefängnis: Im Prozess gegen drei Langfinger hat das Schöffengericht jeweils Haftstrafen ohne Bewährung verhängt und gleichzeitig zwei der Männer in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Reihenweise hatte das Trio in wechselnder Beteiligung Diebstähle begangen, um die eigene Drogen- und Alkoholsucht zu finanzieren (wir berichteten). Das Gericht geht daher von Gewerbsmäßigkeit aus. Verhängt wurden Haftstrafen von 34, 14 und zwölf Monaten. Vor dem Strafantritt steht die Entziehungsanstalt. Diese Zeit wird angerechnet.

veröffentlicht am 07.11.2008 um 00:00 Uhr

Auf das Konto des Hauptangeklagten gehen sieben Taten, darunter ein räuberischer Diebstahl in einem Bückeburger Supermarkt, der juristisch als Verbrechen eingestuft und allein mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet wird. Die beiden anderen Männer sind drei- beziehungsweise einmal in Erscheinung getreten. Zu den Tatorten gehörten Märkte in Bückeburg, Stadthagen und Minden. Abgesehen hatten es die Ladendiebe vor allem auf Tabakwaren, die sich offenbar besonders leicht zu Geld machen lassen. Alle Männer bekamen verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt, weil die Täter (24, 26 und 38 Jahre alt) nach Überzeugung von Richter Dr. Dirk von Behren zum Zeitpunkt der Diebstähle unter Entzugserscheinungen gelitten haben. Sonst wären die Strafen härter ausgefallen. Zugunsten der Diebe wirkte sichaußerdem aus, dass kein Schaden entstanden ist, weil die Beteiligten stets auf frischer Tat ertappt worden waren. Negativ bewertete das Gericht die diversen Vorstrafen wegen Diebstahls und Drogendelikten, jeweils mehr als ein halbes Dutzend. "Alle drei spielen in einer Liga", stellte von Behren fest. Mit Insiderwissen verblüffte der Richter die Angeklagten, als er einen der bereits zuvor Inhaftierten auf dessen Tätowierungen an den Händen ansprach und das "Gesetz der Diebe" erwähnte. Falls er sich diesem unterworfen habe, hält von Behren es zumindest für fraglich, ob er tatsächlich "armes Drogenopfer" oder vielmehr Überzeugungstäter sei. Unter "Dieben im Gesetz" versteht man organisierte Kriminelle, die keiner regulären Arbeit nachgehen. Diebstähle müssen sie trotz ihres Namens nicht begangen haben, um dazu zu gehören. Diese Männer handeln nach eigenen Regeln, dem "Gesetz der Diebe", einem ungeschriebenen Ehrenkodex mit Wurzeln in russischen Gefangenenlagern der Stalin-Ära. Im Gefängnis nehmen sie eineSonderstellung ein und repräsentieren eine Subkultur, der die Anstaltsleitung häufig machtlos gegenübersteht.



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