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Krimi "Mord auf dem Wilhelmstein"

Deftige Bilder in kühnen Dialogen

Landkreis. Ob man es in einer Zeit, da Fantasy in der Literatur für kleine und große Leser Hochkonjunktur hat, so selbstverständlich behaupten kann wie der Autor des Einband-Textes zu dem historischen Kriminalroman "Mord auf dem Wilhelmstein" von Bodo Dringenberg, der jetzt in der "Edition Postskriptum" des Verlags zu Klampen erschien? Das Buch, heißt es da,halte sich eng an historische Fakten - "denn bekanntlich ist die Spannung dort am größten, wo der Wahrheit die Ehre gegeben wird." Um es vorweg zu nehmen: der Schreiber dieser Zeilen hat von der versprochenen Spannung nicht ganz so viel mitbekommen, dasüber 170 Seiten starke Büchlein aber dennoch mit Vergnügen und steigendem Interesse gelesen.

veröffentlicht am 06.10.2007 um 00:00 Uhr

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Autor:

Ulrich Reineking

Schließlich kennt man die seltsame Szenerie der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer und hat auch schon die Faszination gespürt, die dieses kleine Eiland verströmt. Weiß in groben Zügen auch vom Wüten des Landgrafen von Hessen-Kassel im Schaumburger Land und kann von dort aus auch der trinkfreudige Persönlichkeit des Festungskommandanten Major Rottmann einiges abgewinnen, der mit seiner Mannschaft auf dem Wilhelmstein den Angriffen der Usurpatoren tapfer stand hielt. Dass die detaillierte Schilderung des ruchlosen Mordes an dieser Persönlichkeit gleich zu Anfang des Buches zu finden ist, aber die "Ergründung von Rottmanns Tod sich in einem fast lautlosen Knall auflöst", trotz reichlich angebotener Motive und Verdachtsmomente - das sprengt zwar die bewährten Usancen des Genres, gibt dem Autor Bodo Dringenberg aber umso mehr Gelegenheit, pointierte Sprachspiele und Stilübungen voranzutreiben, die durchaus vergnüglich zu lesen sind. Da gibt es einen Schreibstrang, der sich im historisierenden Duktus gefällt und sich fast wie eine Parodie auf friderizianischen Wortgebrauch zu begreifen scheint - dann wieder überraschen deftige Bilder in kühnen Dialogen. Auch Aussagen, die vom alkoholbedingten zeitweisen Verlust der Muttersprache bei den Militärs zeugen, werden so witzig wieder gegeben, dass man es sich unbedingt erlauben sollte, diese beim Lesen mit erhobener Stimme zu zitieren: "Nichtsdestotrotz, laß uns sas Glas heem. Ein echter Soldat verteidich auch die verlorenssen Possen!" Am 11. Oktober um 19.30 Uhr kann man den Autor bei einer Lesung im Foyer der Volkshochschule Rinteln in Kooperation mit der Buchhandlung Droste erleben: Karten dafür gibt es bei der Schaumburger Zeitung, in der VHS-Geschäftsstelle sowie bei Droste.



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