weather-image
Diskussion im Stadtrat Stadthagen / Auftrag an Schaumburger Landschaft erteilt - Gestaltung und Standort völlig offen

Debatteüber Mahnmal: "Muss Akzeptanz der Bürger finden"

Landkreis (ssr). Unter größtmöglicher Beteiligung der Bevölkerung soll das "Erinnerungsprojekt an die jüdischen und alle anderen verfolgten, vertriebenen und ermordeten Mitbürger in Schaumburg" mit Standort in Stadthagen erarbeitet werden. Einstimmig hat der Rat der Stadt dazu einer Projektgruppe der Schaumburger Landschaft den Auftrag gegeben. Sprecher aller Fraktionen betonten, über den konkreten Standort und die Gestaltung werde völlig neu nachgedacht.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 09:18 Uhr

Für die SPD stehe außer Zweifel, sagte deren Sprecher Karsten Becker, dass ein solches Erinnerungsprojekt in zweierlei Hinsicht geboten sei. Einerseits um würdevoll an die Nazi-Opfer in Schaumburg zu erinnern. Andererseits um dauerhaft gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit zu mahnen. Dazu gäben rechtsradikale Tendenzen nach wie vor allen Anlass. Einigkeit bestehe darüber, betonte Becker, dass "ein solches Mahnmal die Akzeptanz der Bevölkerung finden muss". Wenn das für Standort und Gestaltung eines ersten Entwurfes nicht gegolten habe, "dann lag das sicherlich auch an der überraschenden Weise der öffentlichen Präsentation". Es sei daher richtig, noch einmal neu nachzudenken "und alle mitzunehmen, die auf diesem Wege mitzunehmen sind". Er erwarte eine "sehr breite gesellschaftliche Debatte" über das Thema. Eine solche sei in Stadthagen aber auch "überfällig", fügte Becker hinzu. Und: "Ich bin sicher, es wird sich am Ende erweisen, dass eine übergroße Mehrheit in Stadthagen ein solches Erinnerungsprojekt bejaht." Für die CDU/BfS-Gruppe hob deren Vorsitzender Gunter Feuerbach hervor, vor allem der jungen Generation müsse das unter der Naziherrschaft Geschehene in geeigneter Form ins Bewusstsein gebracht werden. Daher sei das Projekt sinnvoll. Es sei freilich sehr zu begrüßen, fuhr Feuerbach fort, dass "das Wie und Wo" eines Projektes nunmehr "unter breiter Beteiligung der Bevölkerung" entwickelt werden soll. Sinnvoll sei es ebenso, die in Schaumburg bereits existierenden Erinnerungsprojekte in ein Gesamtkonzept einzubeziehen und miteinander zu vernetzen. Dazu zählte Feuerbach besonders auch den jüdischen Friedhof und die frühere Synagoge in der Kreisstadt. Für die Gruppe Grüne/WIR betonte Maria Börger-Sukstorf, das Projekt dürfe nicht nur erinnern, sondern müsse "einen mahnenden und pädagogischen Ansatz für die Zukunft" beinhalten. FDP-Fraktionschef Lothar Biege dankte dem Initiator Hasso Neumann dafür, "eine lebendige Debatte ausgelöst" zu haben. Nötig sei es allerdings gewesen, "die Eile aus dem Prozess herauszunehmen". Bürgermeister Bernd Hellmann (SPD) legte auf die Klarstellung Wert, dass mit der Einsetzung einer Arbeitsgruppe zur Projektentwicklung keine finanzielle Zusage der Stadt verbunden ist. Idee sei es vielmehr, "dass sich die Bürger durch finanzielle Beiträge damit identifizieren". Und: Über den Standort werde allein der Rat entscheiden. In der Bürgerfragestunde ergriffen einige Einwohner das Wort, die dem Projekt skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. So dächten viele Bürger, wurde angemerkt, was sich in Unterschriftenlisten widerspiegele. Es wurde die Möglichkeit erwähnt, eine Initiative zu gründen, um "die Kräfte der Gegner dieses Projektes zu bündeln". Der Ratsvorsitzende Günter Tüting versicherte erneut, dass alle Meinungen aus der Bürgerschaft in den Projektprozess einfließen können.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt