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Vor Gericht: Freispruch für 22-jährigen Rintelner Angeklagten

Dealer bleibt in Haft: Nächster Drogenprozess wartet schon

Rinteln/Bückeburg (ly). Freispruch - und ab ins Gefängnis. Vom Vorwurf, einem 17-Jährigen aus Bad Eilsen sechs Mal bis zu 50 Gramm Marihuana zum Weiterverkauf gegeben zu haben, hat das Landgericht Bückeburg einen Rintelner gestern zwar freigesprochen. In Untersuchungshaft bleibt der 22-Jährige aber trotzdem, weil in Nordhorn bereits der nächste Drogenprozess wartet.

veröffentlicht am 24.11.2007 um 00:00 Uhr

Richterin Dr. Birgit Brüninghaus, Vorsitzende der Großen Strafkammer, sprach von einem "Freispruch zweiter Klasse". Sicher überzeugt sei das Gericht nicht von der Unschuld des Rintelners. Wer ein Kilo Rauschgift einführen wolle, tue dies nicht zum Eigenkonsum. Außerdem hätten Protokolle einer Telefonüberwachung bestätigt, dass es zu dem 17-Jährigen Kontakte wegen Drogen gegeben habe. Dennoch: "Im Zweifel für den Angeklagten." Von diesen Zweifeln konnte für Staatsanwalt Frank Hirt keine Rede sein. Hirt hatte drei Jahre Haft gefordert, Verteidiger Nils-Günther Pengel Freispruch beantragt. Im Wesentlichen schloss die Kammer sich der Argumentation Pengels an. Der Kronzeuge in diesem Prozess, ein früherer Dealer, sowie dessen Freundin wussten lediglich vom Hörensagen, dass der Rintelner den Jugendlichen zum Drogenhandel eingesetzt haben soll. Beobachtet hatten beide jedoch keine Übergabe. Und der 17-Jährige entlastet den Angeklagten. Er will "Stoff" vom Kronzeugen bekommen haben, den das Gericht übrigens nicht für sonderlich glaubwürdig hält. In dem Moment, als Dr. Brüninghaus das Wort "Freispruch" sagte, atmete der Angeklagte sichtlich auf. Die Erleichterung war ihm anzumerken. Das Wochenende war trotzdem im Eimer, weil er zurück in die Zelle musste. Nachdem der 22-Jährige den Prozessauftakt in Nordhorn (nahe der niederländischen Grenze) geschwänzt hatte, war er mit Haftbefehl gesucht worden. Es geht um einen völlig verunglückten Drogendeal. In Amsterdam hatte der Arbeiter sich zwei Gramm Marihuana zum Preis von tausend andrehen lassen. Der Rest war getrocknetes Gras, verpackt in Folie (wir berichteten). Vor dem Nordhorner Gericht wird der Rintelner so behandelt, als habe er tatsächlich ein Kilo eingeführt - und nicht zwei Gramm. Angeklagt ist er daher wegen eines Verbrechens. Die nächste Zitterpartie kommt also bestimmt.



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