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Nach den Grünen protestieren auch die Sportfischer gegen die geplante Salzlaugeneinleitung in Werra und Weser

"Davon hätte nicht mal das Politbüro zu träumen gewagt"

Rinteln (wm). Gegen die geplante Weserversalzung durch die hessische Kali und Salz AG, die ab 2008 jährlich 40 000 Kubikmeter Salzlauge in die Werra und damit auch in die Weser pumpen will (wir berichteten), formiert sich der Widerstand.

veröffentlicht am 06.01.2007 um 00:00 Uhr

Nach den Grünen protestiert jetzt auch der Sportfischereiverband. Zwar setze man vor allem auf "die politische Schiene", schildert Adolf Damitz aus Porta Westfalica, Bezirksleiter des Verbandes und Mitglied des Fischereivereins in Rinteln, doch werde gleichzeitig eine mögliche Klage geprüft. Für die Wasserqualität der Weser, so Damitz, wäre eine steigende Salzfracht eine Katastrophe. Zu Zeiten der DDR habe man in der Weser Spitzenbelastungen von rund 30 000 Milligramm Salz pro Liter gemessen. Das sei heruntergegangen auf heute 400 Milligramm, damit den für einen Süßwasserfluss gut verträglichen Chloridgehalt. Schon heute beunruhige die Sportfischer, dass es immer wieder "Ausreißer" bei den Messungen mit Belastungen von bis zu 900 Milligramm gebe. Man habe den Verdacht, dass es in Hessen "Salzquellen" geben müsse, Salzlaugeabwässer, die in den Untergrund gepresst und dann abgedichtet worden sind. "Offensichtlich gibt es da Lecks." Anders ließe sich das zeitweise Ansteigen der Salzfracht nicht erklären. Wie die Grünen argumentieren auch die Sportfischer, das Vorhaben der Kali und Salz AG widerspreche der vor zwei Jahren erlassenen EU-Wasserrichtlinie, die eine vorsätzliche Verschlechterung der Wasserqualität verbiete. Deshalb hoffe man, dass das Projekt der Salzlauge-Pipeline von der Politik noch gestoppt werden könne. Betroffen seien von einer möglicher Weserversalzung schließlich auch die Kommunen, wenn bei Hochwasser die Salzfracht in die Einzugsbereiche der Trinkwasserbrunnen sickert - und die Landwirte, deren Äcker im Weseruferbereich versalzen. Seit sich die Weser erholt hat, sei der Artenreichtum von einst 15 Fischarten auf 22 gestiegen. In der Weser gebe es neben Aalen und Weißfischen vor allem Zander, geschätzt als erstklassiger Speisefisch. Eine hohe Salzfracht, so Damitz, verhindere vor allem, dass sich der Fischlaich zu Jungfischen entwickelt: "Da fallen ganze Jahrgänge aus." Die Salzlauge, dieüber eine 60 Kilometer lange Pipeline in die Werra und damit in die Weser gepumpt werden soll, ist Abwasser der Rohsalzverarbeitung am hessischen Werk Neuhof. Durch Regenfälle entstehen die salzhaltigen Abwässer der riesigen Kalihalde. Bisher sind diese Salzlösungen in den Untergrund gepresst worden, doch das Lager im Plattendolomitgestein ist begrenzt. Deshalb soll das Abwasser über die geplante 60 Kilometer lange Pipeline entsorgt werden. Bei einem Termin im Thüringer Umweltministerium ist bekannt geworden, dass es vermutlich tausend Jahre dauern wird, bis der riesige Kaliberg bei Neuhof verschwunden ist, also tausend Jahre lang die Lauge fließt. Kommentar des Linkspartei-Umweltfachmannes Tilo Kummer: Ein Jahrtausend als Planungszeitraum, "das hätte sich noch nicht mal das SED-Politbüro zu träumen gewagt".



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