weather-image
15°
In vier von fünf Jahren ruhige Hochdruck-Wetterlage von Ende September bis in den Oktober

Daumen drücken für den Altweibersommer

Landkreis. Vor der dunklen Jahreszeit sehnen wir uns noch einmal nach Sonne und Wärme. Letzte Gelegenheit dazu bietet der Altweibersommer, der sich in vier von fünf Jahren im letzten Septemberdrittel einstellt und oft bis in den Oktober hinein hält. Er ist gekennzeichnet durch störungsfreies Hochdruckwetter mit viel Sonne, warmen Tagen, aber auch schon recht kühlen, zu Nebel neigenden Näc hten.

veröffentlicht am 22.09.2008 um 00:00 Uhr

Jetzt ist die Zeit der Spinnennetze: Die lassen sich im Altweibe

Autor:

Reinhard Zakrzewski

Bis Mitte September spricht man vom Spätsommer, danach vom Altweibersommer. Auch andere Völker haben diesen frühherbstlichen Schönwetterlagen Namen gegeben: In Nordamerika heißen sie "Indian Summer", in Schweden "Birgittensommer", in Frankreich "Teresiensommer" und in der Schweiz "Witwensömmerli". Die Bezeichnung "Altweibersommer" geht auf die von Jungspinnen erzeugten Fäden zurück, die bei ruhigem Wetter im Sonnenlicht gut zu beobachten sind. Nach der germanischen Mythologie lässt sich an ihnen der Wirken der Schicksalsgöttinnen, der Nornen, erkennen, die Lebensfäden der Menschen spinnen. Physikalischer Hintergrund dieser für Ende September typischen Wetterlage ist die ungleichmäßige Erwärmung beziehungsweise Abkühlung von Land und Meer. Die Kontinentalmassen passen sich schneller und deutlicher den jahreszeitlichen Temperaturschwankungen an, als die termisch trägen Wassermassen der Ozeane. Durch ihre wärmespeichernde Wirkung hinken diese normalerweise dem Temperaturgang der Kontinente um etwa einen Monat hinterher. Nur zweimal im Jahr, Ende Mai und Ende September, hat sich zwischen Land und Meer ein Temperaturgleichgewicht einstellt. Damit nimmt die Neigung von Tiefdruckgebieten, auf Mitteleuropa zuzusteuern, erheblich ab und über dem Festland kann sich weitgehend ungestört hoher Luftdruck breitmachen. In der Regel sind diese Hochdrucklagen sehr stabil. Sie bringen den Bergen bestes Wander- und Ausflugswetter mit hervorragender Fernsicht, den Niederungen neben Sonne mitunter auch zähen Boden- oder Hochnebel. Leider ziehen am Nordrand des Hochs atlantische Tiefausläufer weiterhin ostwärts, die den goldenen Herbst bei uns im Norden gerne mal unterbrechen oder sogar zum Kippen bringen. Daher ist der Altweibersommer in Süddeutschland zuverlässiger und dauerhafter als in Norddeutschland. Typischer Zeitraum für den Altweibersommer ist der 21. September bis 10. Oktober, mit der Kernzeit vom 30. September bis 6. Oktober. Bei genügend starken südwestlichen bis südöstlichen Winden sind dann sommerliche 25 Grad oder sogar mehr drin (Bückeburg am 22. September 2006: 27,1 Grad). Andererseits kann es, wenn das Hoch ungünstig über Nordeuropa liegt, mit östlicher Strömung schon mal richtig frisch werden (Bückeburg 2005: nach 30 Grad am 7. September, Minimum am 18. September 4,1 Grad, am Boden 1,6 Grad). Drücken wir also die Daumen, dass es nach dem vergangenen schwachen August nicht so kommt wie die folgende Wetterweisheit befürchten lässt: "Was der August nicht kocht, wird auch der September nicht braten". - Allerdings macht das schöne Wetter der vergangenen Tage doch Hoffnung ...

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare