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Bückeburger hat seit über einem Monat weder Telefon- noch Internetanschluss

Datenautobahn: Nach dem Wechsel des Anbieters im Freischalt-Nadelöhr

Bückeburg (tw). Andreas Athanassiou fühlt sich wie ins 19. Jahrhundert zurück versetzt. Seit inzwischen mehr als einem Monat hat der 40-jährige, in Grieche nland geborene Bückeburger weder Telefon- noch Internetanschluss. Nicht etwa, weil er seine Rechnung nicht bezahlt hat, sondern weil er "bloß" den Anbieter wechseln wollte - und die Telekom den neuen Anschluss noch immer nicht freischaltet. "Wäre ich Selbstständiger, ich hätte längst Konkurs anmelden müssen", ärgert sich Athanassiou, der ebenfalls beruflich auf Telefon und Internet angewiesen ist.

veröffentlicht am 27.02.2008 um 00:00 Uhr

Der Bückeburger hatte am 10. Dezember 2007 bei Arcor eine Telefon- und Internet-Flatrate bestellt - und darauf hingewiesen, dass sein alter Vertrag bei Teleos zum 25. Januar 2008 endet. "Immer wieder wurde mir versichert, dass die Übernahme des Anschlusses durch Arcor zu diesem Termin stattfinden kann", betont Athanassiou. Doch daraus wurde nichts. "Derzeit stimmen wir mit der Deutsche Telekom AG die technische Schaltung ihres Arcor-Anschlusses ab. Die Klärung der offenen Fragen kann noch einige Tage in Anspruch nehmen", so die Arcor Kundenbetreuung in einem Brief an den Bückeburger. Besagter Brief datiert vom 3. Februar - da sollte der Arcor-Anschluss seit mehr als einer Woche stehen. Auf mehrfache Rückfragen des Bückeburgers hieß es immer wieder, dass das Problem bei der Telekom liege, die den Anschluss immer noch nicht freigeschaltet habe. "Am 21. Februar", so der Bückeburger, musste ich dann erfahren, dass ich - voraussichtlich - am 25. März (!) freigeschaltet werde." Denn: Athanassiou habe angeblich immer noch einen Vertrag mit Teleos; was aber nachweislich falsch sei. War's in der ersten Woche "ohne" noch "halbwegs lustig", dass das Telefon schweigt und kein ungebetenes Gewinnspiel die Ruhe stört, reißt dem 40-Jährigen jetzt der Geduldsfaden. Er ist es Leid, ständig den Störungsdienst anzurufen und/oder in der Warteschleife irgendwelcher Callcenter zu hängen. "Ich muss wichtige Telefonate für teures Geld vom Handy aus erledigen oder den Festnetz-Anschluss meines Nachbarn benutzen", klagt Athanassiou. Aber auch andere Dinge, die in unserer Online-Gesellschaft inzwischen Standard sind, sind ihm nicht mehr möglich: etwa das Internet-Banking oder die elektronische Steuererklärung über das "Elster"-Programm des Finanzamtes. Und auch die Planung für den Jahresurlaub "hängt", weil der Bückeburger die Tickets, die im World-Wide-Web günstiger zu haben sind, ohne Internetanschluss nicht ordern kann. Athanassiou in seinem jüngsten Schreiben an Arcor: "Es ist mir egal, wer für was verantwortlich ist. Ich glaube, es ist mir nicht zuzumuten, dass ich noch einen weiteren Monat ohne Anschluss verbringe." Sofern sein Altanbieter Teleos in der Lage ist, ihn noch im Februar ins Netz zu bringen, will der Bückeburger von seinem Vertrag mit Arcor zurück treten. Wie auch immer. Zumindest was den offenbaren Part der Telekom an dem Freischalt-Problem betrifft, befindet sich der Bückeburger derzeit in "bester" Gesellschaft; denn: Im Vorfeld einer Anhörung bei der Bundesnetzagentur kritisiert der "Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwert diensten" (VATM), in dem sichüber 70 Telekommunikations- und Multimediaunternehmen zusammengeschlossen haben, dass es noch immer 100 000 Kunden gebe, die Wochen bis Monate auf die Umschaltung ihres Anschlusses durch die Telekom warten. Der Verband wirft der Telekom vor, "diese Hängepartie seit Monaten zu Lasten des Wettbewerbs und auf dem Rücken der Verbraucher" auszutragen. Der Auftragsrückstau sei auch seit Jahresbeginn 2008 nicht abgearbeitet worden. Bei der Telekom sieht man die Situation anders: T-Home erfülle bereits drei Monate früher als gewünscht die Vorgaben der Bundesnetzagentur und stelle die gewünschten Schaltkapazitäten (330 000) für die so genannte letzte Meile zur Verfügung. Dadurch hätten sich die Arbeitsrückstände deutlich reduziert. Die Telekom räumt zwar ein, dass es dennoch weiterhin zu Verzögerungen komme, doch dafür sei das Verhalten der Wettbewerber verantwortlich. Diese würden noch immer deutlich mehr Leitungen bestellen, als mit der Telekom verabredet wurden: "Die Wettbewerber überschreiten immer wieder die vereinbarten Auftragsmengen und halten sich nicht an die Planabsprachen", stellt die Telekom die Situation aus ihrer Sicht dar.



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