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Neues Gutachten, alte Gräben: An der GfK-Studie zu den Auswirkungen der Stadt-Galerie scheiden sich die Geister

„Dass es eine Umverteilung geben wird, war klar“

Hameln. So viel steht schon jetzt fest: Die neue GfK-Studie zur Stadt-Galerie spricht kein empirisches Machtwort, das den Konflikt um das Einkaufscenter mit der Wucht eindeutiger Fakten entscheidet. Im Gegenteil: Befürworter wie Skeptiker lesen das Gutachten als Bestätigung eigener Positionen.

veröffentlicht am 30.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 24.05.2013 um 13:56 Uhr

Autor:

Frank Werner

Center-Managerin Kirsten Jackenkroll hebt hervor, dass sich der Einkaufsstandort Hameln „gut entwickelt“ habe. Anders als die Pestel-Erhebung, die nur Passanten außerhalb der Stadt-Galerie berücksichtigt habe, zeige die neue Studie, dass die Stadt durch die Galerie insgesamt Kunden gewonnen habe. Die Umsatzrückgänge für den alteingesessenen Handel bewegten sich im erwarteten Rahmen. „Dass es eine gewisse Umverteilung des Umsatzes geben wird, wie immer, wenn ein neuer Wettbewerber auftaucht, war von Anfang an klar“, sagt Jackenkroll. Allerdings räumt sie ein, dass die realen Rückgänge über den um Hertie und Quelle „bereinigten“ 6,3 Prozent liegen dürften. Aber selbst wenn man diese großen Umsätze mitrechne, lande man nicht über dem 2003 prognostizierten Minus von zehn Prozent.

Den erneuten ECE-Anlauf in Minden wertet die Hamelner Managerin kaum als bedrohliche Konkurrenz: „Es ist nicht so, dass ich deshalb schweißgebadet aufwache.“ Überlappungen der Einzugsgebiete seien bei ECE-Projekten durchaus üblich, größere Verluste für die Stadt-Galerie nicht zu erwarten. „Das Projekt in Minden würde uns nicht so stark treffen; auf den Werre-Park in Bad Oeynhausen hätte es größere Auswirkungen.“

Sogar aus der Stadt Minden selbst kämen derzeit Kunden „in aussagefähiger Größenordnung“ nach Hameln. Werde das geplante ECE-Center am Wesertor gebaut, werde es schwierig, den Kundenanteil aus dem Mindener Naheinzugsgebiet zu halten, konzediert Jackenkroll. Man müsse sich dann „auf die Konkurrenz einstellen“ und entscheiden, ob man den Markt offensiv angehe oder sich lieber in eine andere Region ausrichte.

Auch Holger Wellner zeigt sich nicht überrascht von den Ergebnissen der zweiten GfK-Studie. „Das bestätigt ja fast die ursprüngliche Prognose“, sagt der Sprecher des Einzelhandelsverbandes Hameln-Pyrmont. Unter seinen Kollegen werde zwar über Umsatzrückgang gesprochen, aber dies sei ein sehr individuelles Problem und von Branche zu Branche verschieden.

Einer der profiliertesten Kritiker der Stadt-Galerie und Vertreter der Bürgerinitiative „Rettet die Altstadt!“, Geschäftsmann Hans W. Brockmann vom gleichnamigen Modehaus, sieht sich durch das Gutachten in seinen Zweifeln bestätigt. „Im Wesentlichen zeigen die neuen Zahlen, was die Pestel-Erhebung bereits gezeigt hat.“ Der Schwund in der Fußgängerzone werde auch dadurch nicht geringer, dass die neue Passantenzählung die Abendstunden von 18 bis 20 Uhr berücksichtige – an dem vom Pestel-Institut ermittelten innerstädtischen Frequenz-Gefälle ändere sich dadurch nichts, es falle in den Abendstunden sogar noch deutlicher zugunsten der (bis 20 Uhr geöffneten) Stadt-Galerie aus.

„Ich habe kein Interesse daran, etwas Negatives über Hameln zu sagen“, mag sich Brockmann nicht in die Ecke des ständigen Mahners stellen. Aber die Umsätze von Hertie und Quelle, die nach den Insolvenzen „irgendwo geblieben sein müssen“, einfach auszuklammern, hält er für eine „geschönte“ Darstellung.

Bestätigt sieht sich Brockmann zudem in einer anderen Einschätzung, die das Gutachten nicht explizit untersucht: Die Wertigkeit des Innenstadt-Sortiments habe sich durch die Stadt-Galerie nicht erhöht, sie sei gesunken.

„Die Annahmen von 2003 sind weitgehend eingetroffen“, bilanziert Wolfgang Kaiser, Fachbereichsleiter Planen und Bauen der Stadt Hameln. Im Licht der neuen Zahlen sieht er die Ansiedlung der Stadt-Galerie mehr denn je als richtig an: „Wo stünden wir, wenn wir 2004 anders entschieden hätten?“ Man könne über die Einkaufscenter streiten, sie „mögen oder hassen“, sagt Kaiser, nur eines könne man nicht: den Trend der Zeit aufhalten. „Sie entstehen überall.“ Wie in den 1960er Jahren die großen Kaufhäuser, seien es heute die Zugpferde für die Innenstädte. Hameln habe dies rechtzeitig erkannt, in Städten wie Detmold, Höxter oder Minden dagegen sei die Entwicklung „besorgniserregend“. Entsprechend interpretiert Kaiser die Expansion des Hamelner Einzugsgebietes in Richtung Detmold, Höxter und Minden: „Das zeigt nicht nur unsere Stärke, sondern vor allem die Schwäche dieser Standorte.“

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