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SPD sprichtüber demografischen Wandel

Das Zeitalter der Hochbetagten naht unaufhaltsam

Kreuzriehe (rwe). Die Folgen der demografischen Entwicklung gehen auch an der Samtgemeinde Nenndorf nicht vorbei. Diese Lehre darf der SPD Samtgemeindeverband aus einem Vortrag ziehen, den die Landtagsabgeordnete Frauke Heiligenstadt aus Northeim zum Thema gehalten hat. Sie forderte "weltoffene Kommunen", die stärker das Potenzial der Migranten nutzen. Vor allem die Zahl der hochbetagten Menschen nimmt zu, in Nenndorf bis 2020 um fast 55 Prozent von 1305 auf 2062.

veröffentlicht am 09.06.2008 um 00:00 Uhr

Frauke Heiligenstadt

"Demografischer Wandel und die Folgen für die Kommunal- und Landespolitik" überschrieb Frauke Heiligenstadt ihr Referat vor den 30 Mitgliedern. Die SPD-Politikerin weiß, wovon sie spricht. Sie war im letzten Landtag die Sprecherin des Arbeitskreises "Enquete Kommission" ihrer Fraktion, die immerhin auf 109 Sitzungen kam. Ihr Fazit: Die Bundesrepublik plagt "keine Überalterung, sondern eine Unterjüngung". Dies sei eine Folge der seit 40 Jahren sinkenden Geburtenrate. Auf 1,4 Kinder kommt eine Familie im Durchschnitt. 2,1 müssten es sein, um den Echoeffekt zu erzielen und die Einwohnerzahl konstant zu halten. "Wir müssen viel tun", empfahl sie die Abkehr vom Ein-Ernährer-Prinzip. Das herrsche auch in Italien, Spanien oder Polen, die vor ähnlichen Problemen stünden. Doch selbst wenn die Geburtenzahlen kurzfristig steigen, die Entwicklung ist laut Heiligenstadt für 30 bis 40 Jahre nicht zu stoppen. In Niedersachsen sinke die Einwohnerzahl bis 2050 von heute acht auf 6,5 Millionen Einwohner. Das Land leide zudem darunter, dass vor allem überproportional viele Studenten abwandern. An den Daten lasse sich ermessen, wie bedeutend die Zuwanderer seien, fügte sie hinzu. Gut ein Viertel der Sechs- bis 18-Jährigen habe einen Migrationshintergrund. "Wir dürfen sie nicht auf der Strecke lassen", mahnte Heiligenstadt und legte jeder Gemeinde nahe, sich mit ihren Zahlen auseinanderzusetzen. In 30 Orten war sie bereits und in Nenndorf sieht die Situation besser aus als. Umgekehrt zum Trend im Kreis (minus 2,5 Prozent) wird bis 2020 ein sogar ein Plus von 2,5 Prozent bei den Einwohnern prognostiziert. Dasändert nichts am Wandel der Altersstruktur. So sinke die heute hohe Zahl der Leistungsträger (30 bis 50 Jahre) von 4596 auf 3485 Einwohner, auch die Zahl der Kleinkinder (bis fünf Jahre) fällt um 20 Prozent (von 900 auf 712). Heiligenstadt: "Das muss alle zum Nachdenken bringen." Die Zahl der Hochbetagten (über 80 Jahre) steige in den nächsten zwölf Jahren dagegen von 1305 auf 2062 Einwohner. "Starken Handlungsbedarf" machte die Referentin dort aus. Es dürfe künftig nicht nur auf Wachstum ankommen, empfahl die Abgeordnete. "Integrieren statt ausgrenzen" forderte sie auch mit Blick darauf, dass 2020 in Deutschland 300 000 Fachkräfte fehlen. Die Gesellschaft müsse alles Erwerbspotenzial ausschöpfen. Heiligenstadt forderte "regionale Lösungen, Kooperationen der Gemeinden und lebenswerte Städte." So sei gerade mit Blick auf die steigende Zahl älterer Bürger die "Barrierefreiheit" wichtig. Viele Menschen kämen auch im hohen Alter gut allein zurecht,erst durch einen Sturz würden sie zum Pflegefall.

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