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Die meisten Künstler wollen echte Kawenzmänner / Heute um 8 Uhr ist Arbeitsbeginn auf dem Kirchplatz

Das wird wohl ein schwergewichtiges Symposium

Obernkirchen. Esächzt und knirscht, fast scheint es so, als überlegte der Stein, ob er nicht Widerstand leisten sollte. Doch dann lässt er sich anheben und mit dem Kran dorthin bugsieren, wo ihn Katja Stelljes aus Bremen in den nächsten Wochen bearbeiten wird. Dabei hat sich die Bremerin noch einen verhältnismäßig kleinen Stein entschieden - ganz im Gegensatz zu ihren Kollegen, die wahre Kawenzmänner aus dem Steinbruch haben kommen lassen: Viele Künstler haben die Vorgaben - höchstens einen Kubikmeter darf der Stein groß sein - bis zum letzten Zentimeter ausgereizt. Das siebte Symposium wird also ein sehr schwergewichtiges werden.

veröffentlicht am 21.08.2006 um 00:00 Uhr

Alles da: Die Arbeitsplätze sind eingerichtet, jetzt können die

Autor:

Frank Westermann

Und ja, er weiß schon, was er machen wird, erzählt der Mann mit dem extrem hochgewählten Haaransatz. "Jungfrau" soll das Werk heißen, erzählt der Niederländer Jos Beurskens - und er hat sogar eine Zeichnung dabei. Vor drei Jahren, bei seiner Obernkirchener Premiere, war das anders: Er habe keine Ahnung, was er schaffen werde, hatte er auf dem Ratsempfang dem reichlich verblüfften Publikum noch erklärt, aber man könne gewiss sein: Gut werde es werden. Heute hört sein damaliges Werk hinter dem Sonnengarten auf das Flüstern des Windes. Auch Thomas Reifferscheid weiß, was er in den nächsten 14 Tagen tun wird: So viel Stein von seinem Quader weghauen, dass am Ende ein Dreibein übrig bleiben wird: "Das ist eines der ältesten Symbole der Menschheit, das für Stabilität steht." Mehr will er nicht sagen: "Ich bin noch halb auf der Autobahn." Dort könnte, so wurde gegen Mittag vermutet, womöglich auch Emil Adamec sein: Er werde mit dem Zug nach Hannover kommen und dann schon den Weg nach Obernkirchen finden, hatte der Tscheche gemailt. Am Sonnabend hatte er ihn gegen Abend gefunden. Sein letztes Symposium, so erzählt Kai Lölke aus Stadthagen, das sei vor drei Jahren gewesen: hier auf dem Kirchplatz in der Bergstadt. Für Lölke war es gleich ein doppeltes Heimspiel: Er ist in Stadthagen aufgewachsen und hat in Obernkirchen gelernt: Im Steinbruch wurde er zum Steinmetz ausgebildet. Und, ja, er fühle sichdurchaus geehrt, zum zweiten Mal ausgewählt worden zu sein: "Hier gibt es ja hunderte von Bewerbern." Warum er sich auf das Symposium freut, erklärt er auch: "Das gibt noch Monate später einen Kick." Lölke lässt sich bereitwillig in die Karten schauen und hat sein Modell auf dem Kirchplatz für jedermann sichtbar platziert: Es zeigt einen Menschen, der rittlings auf einen Koffer sitzt. Kleidung, sinniert Christoph Schindler, während er "seinen" Stein liest, Kleidung hat der Mensch in seiner Geschichte schnell übergestreift. Und schnell gelernt, dass man sich dahinter auch verbergen könne. Das sei das Thema, das er beim diesjährigen Symposium aufnehmen werde. Vorgestern wurden die Steinblöcke auf dem Kirchplatz aufgestellt, gestern wurde geschleppt: Die traditionelle Begleitausstellung wird dieses Mal im Nonnenchor und im vorderen Teil der Kirche zu sehen sein. Hier gibt es kleinere Werke der teilnehmenden Künstler zu kaufen. Der Tag schloss gestern mit dem traditionellen Empfang des Veranstalters: Der Vorstand vom "Internationalen Obernkirchener Bildhauer-Symposium" hatte zum Essen ins Auetal eingeladen: ins italienische Restaurant "Salve", auch das ist schon Tradition. Heute um 8 Uhr ist Arbeitsbeginn, um 19 Uhr werden die Künstler dann auf dem Empfang des Rates vorgestellt. Das Warten ist vorbei: Das Symposium 2006, es hat begonnen.

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