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Kein Geld vom Land für die CMP AG / Cemag-Gründer Ali Memari Fard: „Ich bin sehr traurig“

Das war’s – in Hameln wird dicht gemacht

Hameln. Das Jahr 2009 endet für die CMP-Mitarbeiter mit einer denkbar schlechten Nachricht: Sie verlieren ihren Job. Volker Brinkmann, Finanzvorstand und Sprecher des Unternehmens, das im Oktober die Geschäfte des Anlagenbauers Cemag übernommen hatte, verbreitete gestern wenig Hoffnung, dass sie am Dessauer Standort weiterbeschäftigt werden könnten. Nur eventuell, so hieß es, könnte der eine oder andere Spezialist sich künftig in Sachsen-Anhalt wiederfinden. Doch das ist Zukunftsmusik.

veröffentlicht am 29.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Volker Brinkmann: CMP-Finanzvorstand
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

Die Gegenwart sieht so aus: Die NBank in Hannover bleibt bei ihrem Nein zum Förderantrag. Und die CMP AG bleibt bei der Aussage, dass damit das Ende in Hameln unumgänglich ist. Ohne die 1,5 Millionen Euro Fördermittel könnten die Geschäfte nicht fortgeführt werden, lautet die Erklärung der Unternehmensführung. Ohne Bewegung seitens der CMP AG wiederum, könne die Förderbank nichts tun, um den Standort zu unterstützen, erklärt man auf der anderen Seite des Tisches, an dem der Vorstand der Cement Mining and Processing AG mit Vertretern der NBank und des Wirtschaftsministeriums zusammengesessen hatte.

Die Verantwortung für die Konsequenzen werden hin- und hergeschoben. Um zu fördern, hatte die NBank dem Vernehmen nach mehr Sicherheiten und einen überarbeiteten Businessplan erwartet. Das Ergebnis hat offenbar nicht gereicht, um die Entscheider umzustimmen. Mit der Vergangenheit aber habe das nichts zu tun; der Antrag sei gewissenhaft und unabhängig von der Cemag-Insolvenz geprüft worden, heißt es aus Insider-Kreisen. Eines habe allerdings für großes Kopfschütteln gesorgt: Dass der Beratervertrag mit einem ehemaligen Cemag-Geschäftsführer auf 500 000 Euro jährlich dotiert sei. Brinkmann seinerseits ist mit dem Eindruck nach Hameln zurückgekehrt, dass es egal gewesen wäre, was die CMP AG noch geboten hätte, die Gesprächspartner „wollten nicht“.

Zur beantragten stillen Beteiligung seien Alternativen betrachtet worden, sagt NBank-Sprecher Jörg Wieters über die Bemühungen, Lösungen zu finden. Dazu gehören grundsätzlich Kredite, die über eine Hausbank beantragt werden können. Angesprochen auf diese Option, reagiert Brinkmann verärgert: Fördermittel ablehnen und „dem Förderauftrag nicht nachkommen“, und auf der anderen Seite den Vorschlag machen, man könne über die Hausbank einen Kredit bei der NBank beantragen lassen – „das ist ja ziemlich spannend“. Sämtliche Möglichkeiten seien im Vorfeld (und vor seiner Zeit als Finanzvorstand) eruiert worden, mit dem Ergebnis, dass die stille Beteiligung das einzige sei, was infrage komme, gibt Brinkmann zu verstehen. Jetzt würden die Geschäfte künftig von Dessau aus weitergeführt, doch sicher ist auch das noch nicht.

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Ali Memari Fard

Auch beim Nachbarland Sachsen-Anhalt hatte CMP eine Förderung mit öffentlichen Mitteln beantragt. Bislang hat die dort zuständige Investitionsbank zu verstehen gegeben, sie werde nur dann drei Millionen Euro zahlen, wenn Niedersachsen seinerseits mit 1,5 Millionen einsteigt. Jetzt werden die Karten neu gemischt. Ohne den Standort Hameln, so der Ansatz der Geschäftsführung, bestehe die Möglichkeit, dass Sachsen-Anhalt Geld gibt nur für Dessau, wo derzeit 45 Mitarbeiter in 50 Prozent Kurzarbeit beschäftigt sind. Mit einem Bescheid für den „Plan B“, wie Brinkmann sagt, rechne er „in diesen Tagen“. Die Investitionsbank stand gestern für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Bedauern über die Entwicklung in Hameln äußerten sowohl Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann als auch Dietmar Wittkop, der sich als Wirtschaftsförderer der Stadt in der Vergangenheit für Cemag stark gemacht hat. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagte Lippmann über die 70 Männer und Frauen, die jetzt ihre Kündigung erhalten werden. Als Stadt sei man im Oktober froh gewesen, dass eben diese Anzahl an Arbeitsplätzen erhalten bleiben sollten, so Wittkop. „CMP hatte ja nach der Insolvenz von Cemag am meisten geboten und zugesichert, den Standort erhalten zu wollen“, erinnert er sich. Auch der Sprecher des Wirtschaftsministeriums Christian Budde erklärte, dass es für die Mitarbeiter „eine tragische und unschöne Sache sei“.

Ali Memari Fard, Gründer des mehrfach ausgezeichneten Unternehmens Cemag und Berater der CMP AG, erklärte, er sei „sehr traurig“. Seine Familie habe alles getan, „aber wenn’s nicht geht…“. Er bedaure das Aus sehr, an dem nicht zuletzt aber auch die Dewezet eine Mitschuld trage. Sie habe mit ihrer teils falschen und unsachlichen Berichterstattung für Missstimmung gesorgt und Investoren abgeschreckt.

Der Aufstieg der Cemag unter der Leitung des gebürtigen Iraners war kometenhaft. Vom Ein-Mann-Unternehmen im Jahr 1996 hatte es sich bis zur Insolvenz im Juli in ein 400-Mann-starkes Unternehmen mit einem Jahresumsatz von zuletzt 100 Millionen Euro entwickelt.



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